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Beitrag Verfasst: Montag 7. Dezember 2009, 08:16 
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Beitrag Verfasst: Montag 7. Dezember 2009, 08:19 
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"Mediale Schweigespirale zu Contergan durchbrochen" - Stephan Nuding im Linkezeitung-Interview

Ende der 1950er / Anfang der 1960er Jahre kam es zu dem schlimmsten Arzneimittelskandal der BRD. Das von der Stolberger Firma Grünenthal GmbH entwickelte Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan führte zu Schädigungen bei einer Vielzahl von Ungeborenen. Viele Geschädigte kämpfen bis heute um eine angemessene Entschädigung. Stephan Nuding ist Sprecher des "Deutschen Conterganopfer - Hungerstreikkomitees".

Linkezeitung: Wie kam es zum Skandal um das Beruhigungsmittel Contergan?

Stephan Nuding: Richtiger ist es von einem dreifachen Skandal zu sprechen. 1. Die Firma Grünenthal nahm, trotz zahlreicher Hinweise und Anfragen bzgl. der Toxizität von Contergan, bzw. des darin enthaltenen Grundstoffes Thalidomid, die entsprechenden Präparate nicht aus dem Handel. Auch ging man den Warnungen nicht nach.

2. Das Gerichtsverfahren, dass gegen Mitarbeiter der Firma Grünenthal s.Zt. geführt wurde spricht, zumindest aus meiner Sicht, jeder Rechtsstaatlichkeit und Objektivität Hohn.

3. Bis heute wird den deutschen Conterganopfern eine gerechte Entschädigung verweigert.
Linkezeitung: Und auf Warnungen reagierte die Firma Grünenthal zuerst nicht?

Stephan Nuding: Nein, sie reagierten nicht. Grünenthal hätte spätestens im Sommer 1960 den Verkauf thalidomidhaltiger Präparate stoppen und den Warnhinweisen mit der gebotenen wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit nachgehen müssen. Hunderte, wenn nicht gar tausende, von durch Thalidomid getötete oder verstümmelte Opfer hätten dadurch vermieden werden können.

Linkezeitung: Wie viele Geschädigte gibt es und welcher Art sind ihre Schädigungen? Haben alle Geschädigten überlebt?

Stephan Nuding: Thalidomid wurde in sehr vielen Ländern verkauft. Hierfür liegen mir keine exakten Zahlen vor. Allein in der Bundesrepublik geht man von ca. 10. 000 Geburten mit Conterganschäden aus. Davon starben etwa 5000 vor dem Ende des ersten Lebensjahres. Aktuell leben in Deutschland noch etwa 2800 Opfer des Conterganverbrechens. Diese haben die unterschiedlichsten Schädigungen. Es gibt Mitbetroffene, die an den Armen und/oder Beinen geschädigt sind. Hüft- und Wirbelsäulenschädigungen, Fehl- oder Nichtanlage von Nieren, Herz, Leber, Milz, der Verdauungsorgane, der Genitalien oder Gallenblase sind bekannt.

Daneben gibt es Blinde, Taube, Taubstumme, Menschen mit Geschichts-, Kiefer-, Gaumenschäden. Hinzu kommen die sogenannten "Folgeschäden", beispielsweise Nerven-, Knochen- oder Gelenkschmerzen bzw. - verschleiß, unter denen nahezu alle Conterganopfer leiden. Vergessen werden sollten aber auch in diesem Zusammenhang nicht die Fehl- oder Todgeburten, die durch Contergan verursacht wurden. Diese gehen in die zigtausende.

Linkezeitung: Wie wurden die Opfer dieses Skandals bisher entschädigt?

Stephan Nuding: Unzureichend und miserabel. Die Bundesregierung behandelt uns, obwohl sie durch den Vergleich von 1972 und das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1976 dazu verpflichtet wäre, wie eine Bande von Bittstellern, die etwas Unlauteres fordert. Nach seriösen Schätzungen beläuft sich der Grundschaden der deutschen Conterganopfer auf 3 Milliarden und die Folgeschäden auf 5 Milliarden Euro. Seit Anfang der 1970er Jahre, dem Beginn der Zahlung der monatlichen Renten, wurden aber nur ca. 300 Millionen Euro ausgezahlt.
Für die Opfer, die das Deutsche Conterganopfer Hungerstreikkomitee dessen Sprecher ich bin , vertritt, fordere ich die sofortige Verdreifachung der monatlichen Rente und einen einmaligen Schadensersatz von durchschnittlich einer Millionen Euro pro Geschädigtem.

Linkezeitung: Die Entschädigungen in Deutschland reichen nicht aus. Die Betroffenen in England stehen vor einem Entschädigungskompromiss. Wie sieht der aus?

Stephan Nuding: Die britische Regierung stellt sich endlich ihrer Mitverantwortung. Ich gehe davon aus, dass sich die britische Regierung bei den Opfern ihrer damaligen Fehlentscheidungen entschuldigen wird und unsere dortigen Mitbetroffenen eine monatliche Entschädigung von bis zu 7000 Euro, für die Schwerstgeschädigsten, erhalten werden. Von einer solchen Regelung sind wir in Deutschland noch meilenweit entfernt.

Linkezeitung: Im Jahr 2008 haben Sie mit einigen Mitstreitern einen Hungerstreik organisiert, um eine Erhöhung der Entschädigungszahlungen zu erreichen. Haben Sie etwas erreicht?

Stephan Nuding: Wir haben Teilerfolge erreicht, mit denen wir uns aber nicht zufrieden geben. Auf jeden Fall ist es uns gelungen, dass wir die mediale Schweigespirale zum Thema Contergan durchbrochen haben.

Der Großteil der Bevölkerung, das spüren wir immer wieder, steht heute auf unserer Seite. Es wurden auch strukturelle Verbesserungen erreicht. Das Problem, vor dem wir jedoch immer wieder stehen ist, dass die Bundesregierung immer nur dann reagiert, wenn wir mit spektakulären Aktionen auf unsere unerträgliche Situation aufmerksam machen.

Die Verantwortlichen wären gut beraten, wenn sie endlich ihren Verpflichtungen gegenüber den Opfern des Conterganverbrechens nachkämen. Ich kann ihnen versichern, dass wir alle legalen Mittel, die uns zu Gebote stehen, nutzen werden, um zu unserem Recht zu kommen. Das kann für die Bundesregierung noch sehr unangenehm werden.

Unsere Eltern haben, als wir Kinder waren, für uns gestritten. Nun führen wir diesen Kampf. Wenn wir dazu eines Tages nicht mehr in der Lage sein sollten, werden unsere Kinder und Enkel fortfahren gegen das Unrecht, das uns angetan wurde und wird, Klage führen.

Linkezeitung: Wie könnten linke Aktivisten und linke Medien Sie unterstützen?

Stephan Nuding: Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht, aus denen wir aber gelernt haben. Gerade unser Freund, der behindertenpolitische Sprecher von "Die Linke", MdB Dr. Ilja Seifert, hat uns diesbzgl., aber auch in anderen Fragen, immer wieder mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Dafür gilt ihm, exemplarisch für viele Freundinnen und Freunden aus der linken Szene, mein herzlicher Dank.

Was ich ausdrücklich betonen möchte ist, dass ich das Unrecht, das tagtäglich an den Contergangeschädigten verübt wird, nur als ein Beispiel dafür ansehe, wie Benachteiligte, Schwache und Minderheiten in unserer Gesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt werden. Hier gilt es anzusetzen. Hier ist das Bündnis aller fortschrittlichen Kräfte, die für eine gerechtere und sozialere Zukunft eintreten, gefordert.

Konkret ist uns damit geholfen, wenn wir spüren, dass uns Solidarität entgegen gebracht wird. Dies kann durch Gesten der Mitmenschlichkeit gegenüber dem Einzelnen, aber auch in Aktionen oder Kampagnen linker Aktivisten und Berichten in den linken Medien der Fall sein. Persönlich plädiere ich für einen legalen und phantasievollen Widerstand, der sich in sehr vielfältiger Form ausdrücken kann.

Linkezeitung: Hat sich die Firma Grünenthal bei den Betroffenen entschuldigt?

Stephan Nuding: Nein, dies hat sie nicht. Die Frage, ob eine Entschuldigung wichtig ist, hätte ich früher mit einem klaren "Ja" beantwortet. Heute bin ich mir da nicht mehr sicher. Ein Umdenken hat bei mir eingesetzt, als uns seiner Zeit, als wir im Hungerstreik waren, zwei junge Angehörige der Grünenthal - Eigentümerfamilie Wirtz besucht haben. In mehreren, vielstündigen Gesprächen ist mir bewusst geworden, dass nicht nur wir Geschädigten, sondern auch die Kinder und Enkel der für Contergan Verantwortlichen, Opfer sind.

Ob wir dies wollen oder nicht: Durch Contergan sind wir miteinander schicksalshaft verbunden. Für beide Seiten ist Contergan ein Trauma. Ich habe immer wieder betont, dass meine Hand gegenüber Grünenthal und der Familie Wirtz ausgestreckt ist. Natürlich tragen die Nachgeborenen der Familie Wirtz keine juristische Schuld am Conterganverbrechen. Sie tragen aber eine moralische Verpflichtung. Das bedeutet, dass sie sich mit der Situation der Contergangeschädigten auseinander setzen und, im Rahmen ihrer großen finanziellen Möglichkeiten, das Leid lindern müssen. Auf eine formelle Entschuldigung, da spreche ich für die Meisten meiner Mitbetroffenen, verzichte ich dann auch gerne. Denn in diesem Fall könnten wir verzeihen, ohne darum gebeten zu werden.

Linkezeitung: Es gibt einen umstrittenen Fernsehfilm über das Thema. Haben sie ihn gesehen? Ist er sehenswert? Warum ist er umstritten?

Stephan Nuding: Sie sprechen von dem Film "Eine einzige Tablette". Ja, er ist sehenswert. Ich habe ihn mir mehrfach angeschaut. Warum er umstritten ist? Da möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen:

Bis zu dem Tag, als ich "Eine einzige Tablette" gesehen habe, war das Thema "Contergan" für mich seit Jahrzehnten abgeschlossen. Trotz allem Unrecht, allen Schmerzen und allem Leid, was diese "einzige Tablette" (bei mir war es wirklich nur eine!), in meinem und dem Leben meiner Familie angerichtet hat, hatte ich, zumindest glaubte ich dies, mit dem Thema abgeschlossen. Als ich dann den Film sah, habe ich geweint, wie ein kleines Kind. Vieles, was ich über viele Jahre verdrängt und vergessen hatte, kam mir plötzlich wieder schmerzhaft in das Bewusstsein. Plötzlich konnte ich über das Thema in einer Art und Weise sprechen, wie ich es vorher nie gekonnt habe oder mich gewagt hätte.

Meine beste Freundin und Mitbetroffene, Gihan Higasi, die auch den Hungerstreik mitgemacht hat, drückt es so aus: "Der Film hat uns aus unserer Sprachlosigkeit befreit!" Ich finde diese Beurteilung sehr treffend. Conterganopfer mußten es jahrzehntelang erleben und erleiden als Schande angesehen, begafft, erforscht, beleidigt, gefoltert, weggesperrt und gedemütigt zu werden.

Der Film hat uns frei gemacht. Conterganopfer brechen jetzt aus ihrer Demutshaltung aus. Wir sind nicht mehr die Musterkrüppelchen, die "ein wenig blöd, lieb, dankbar und leicht zu verwalten" sind. Natürlich gefällt das verschiedenen Interessensgruppen nicht. Das ist der Grund, weshalb es Anstrengungen gab, "Eine einzige Tablette" zu boykottieren.

Das Interview führte Franci Byrne.

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Beitrag Verfasst: Dienstag 15. Dezember 2009, 15:40 
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Grünenthal schließt Werk in Stolberg

(kö) 14.12.2009, 18:07

Aachen/Stolberg. Der Aachener Pharmahersteller Grünenthal will sich künftig nur noch auf Schmerzmittel konzentrieren und schließt deshalb ab 2012 sein Werk in Stolberg.

Das kündigte der Geschäftsführer der Grünenthal-Gruppe, Harald F. Stock, am Montag in Aachen an. In den vergangenen Jahren hatte Grünenthal bereit Stück für Stück des Unternehmens an den Standort in Aachen-Eilendorf verlagert.

In Stolberg sind aktuell noch 300 Mitarbeiter in der Produktion und in Resten der Verwaltung beschäftigt. Wie viele Personen von der Werksschließung betroffen sind, wollte Stock nicht sagen. Es gehe jetzt darum, mit dem Betriebsrat «eine sozialverträgliche Lösung zu finden». Erste Zahlen könne man frühestens im Januar 2010 vorlegen. Künftig soll Stolberg nur noch Sitz der deutschen Vertriebsorganisation sein.

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Beitrag Verfasst: Dienstag 15. Dezember 2009, 15:44 
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Schmerzhafte Entscheidung bei Grünenthal
Jürgen Salz (Düsseldorf)

Ein Jahr lang hat sich Harald F. Stock Zeit gelassen. Nun hat der neue Chef des früheren Contergan-Herstellers Grünenthal entschieden: Das Familienunternehmen aus Aachen trennt sich von zehn Prozent seines Geschäftes.


Vor wenigen Wochen hatte Stock, der am 1. Januar vergangenen Jahres vom US-Konzern Johnson & Johnson zu Grünenthal wechselte, schon mal ehrgeizige Ziele definiert. Er wolle Grünenthal vor allem als Hersteller von Schmerzmedikamenten profilieren und setzt dabei vor allem auf ein neues Medikament. Innerhalb weniger Jahre, so kündigte Stock an, möchte er den Grünenthal-Umsatz verdoppeln und den Gewinn vervierfachen. Die Erlöse sollen von 870 Millionen (2009) auf 1,7 Milliarden Euro steigen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern von 72 auf 290 Millionen.

Wie das gehen soll, darüber hatte sich Stock noch nicht so ganz genau ausgelassen. Nun ist klar: Grünenthal trennt sich von etwa zehn Prozent seines Geschäftes – künftig will das Aachener Unternehmen keine Antibiotika und Verhütungspillen mehr vertreiben. Die Produktion von Antibiotika wird im nächsten Jahr eingestellt; Verhütungspillen sollen ab 2012 nicht mehr hergestellt werden. Wieviele Mitarbeiter dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, wollte sich Stock nicht entlocken lassen. Betroffen ist vor allem der sogenannte Werksteil 2 in Stolberg bei Aachen. Das Unternehmen verspricht lediglich, dass die Entscheidungen so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden sollen. Kündigungen erscheinen damit nicht ausgeschlossen. Der Standort in Aachen-Eilendorf soll dagegen ausgebaut werden. Insgesamt beschäftigt Grünenthal 2000 seiner weltweit 5200 Mitarbeiter in Deutschland.


Schmerzmedikamente im Fokus

Künftig will sich Grünenthal als Anbieter von Schmerzmedikamenten profilieren. In den USA hat Grünenthal bereits ein Präparat mit dem Wirkstoff Tapentadol auf den Markt gebracht, dass weniger Nebenwirkungen auslösen soll als vergleichbare Konkurrenzprodukte. Nun will Stock das Präparat auch in Europa einführen. Tapentadol ist die große Hoffnung von Grünenthal. Die erste Neuheit seit 25 Jahren, wie Stock sagt. Wenn Tapentadol nicht wie erwartet einschlägt, könnte es für Grünenthal eng werden, heißt es in der Branche. Dann sei auch eine Übernahme denkbar. Etwa durch Johnson & Johnson, Stocks früheren Arbeitgeber.

Stock ist der erste familienfremde Chef von Grünenthal seit der Unternehmensgründung im Jahr 1946. Ab dem nächsten Jahr lässt er sich dabei auch von einem Beirat beraten, in dem inzwischen kein Mitglied der Eigentümerfamilie Wirtz mehr sitzt. Die Grünenthal-Gesellschafter bestimmten am vergangenen Wochenende den früheren Jägermeister-Chef Hasso Kaempfe zum Vorsitzenden des Beirates. Ganz ohne Einfluss bleibt die Familie freilich nicht: Jeder der vier Familienstämme durfte eines der weiteren vier Beiratsmitglieder bestimmen. Dabei handelt es sich um den früheren Klöckner-Vorstandsvorsitzenden Thomas Ludwig, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Solar World, Claus Recktenwald sowie um Ulrich Goldmann vom Biotech-Unternehmen Genzyme und Wolfgang Prigge, den Vorsitzenden des Beirats der Dalli-Werke.

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Beitrag Verfasst: Mittwoch 16. Dezember 2009, 19:18 
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„Eine Regelschule für alle“



+ Altenberge - Den Laptop bedient Theresia Degener mit den Zehen. Notizen schreibt sie ebenfalls mit den Zehen. Das Glas Wasser, das sie während ihres Referates trinkt, führt sie mit dem Fuß zum Mund. Die Füße übernehmen bei der promovierten Juristin und ausgewiesenen Expertin für Menschenrechte die Funktion der fehlenden Hände. Denn als Contergan-Geschädigte ist sie 1961 ohne Arme auf die Welt gekommen.

Am Montagabend spricht die Professorin im gut besuchten Saal des Hotels Stüer über die neue UN-Menschenrechtskonvention. An dem Übereinkommen war sie als Mitglied der deutschen Delegation beteiligt.



Am 26. März 2009 ist die Konvention auch in Deutschland in Kraft getreten und verpflichtet den Staat unter anderem zum Aufbau eines Bildungssystems, in dem behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden.

Zu Beginn erzählt Theresia Degener von ihrer eigenen Altenberger Schulzeit: „Ich musste immer erheblich besser sein als die anderen. Sonst drohte eine Abschiebung auf die Sonderschule. Und wenn ich dahin gekommen wäre, dann stünde ich heute nicht als Professorin vor ihnen.“

Degener kämpft für eine „Regelschule für alle“. Sie hält Sonder- oder Förderschulen für einen Sackgassenweg. „Mit der Unterstützung meiner Geschwister, Lehrerinnen und der Bereitschaft zu unkonventionellen Lösungen wurde in Altenberge der Grundstein für meine Freiheit, für meine gesellschaftliche Partizipation und meine Selbstentfaltung gelegt“, führt sie weiter aus und bedankt sich bei allen, die sie und ihre Integration unterstützt haben. Degener studierte Rechtswissenschaften und ihre Forschungsgebiete sind das Behindertenrecht und internationale Menschenrechte. Sie ist heute Rechtsprofessorin an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum und lehrt seit 2004 an der juristischen Fakultät in Kapstadt. 2005 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz für ihre Verdienste in der Behindertenpolitik.

Degener lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen Emil und Franz in der Nähe von Wuppertal. „Und natürlich habe ich noch einen regen Kontakt zu meinen Angehörigen in Altenberge“, ergänzt sie.

In ihrem Referat skizziert Degener kurz die Entwicklung zur neuen UN-Menschenrechtskonvention und erläuterte dazu, dass eine Behinderung bis in die 80er Jahre nur eine medizinische und keine Menschenrechtsfrage war. Ziel der Konvention war, die Chancengleichheit behinderter Menschen zu fördern und ihre Diskriminierung zu unterbinden. Dabei sollte stärker als bisher der kritische Aspekt der Menschenrechte gegen Ausgrenzungen schützen. Während in Deutschland noch immer von Integration gesprochen wird, geht die UN-Konvention einen Schritt weiter und verlangt die soziale Inklusion. Für das Bildungswesen heißt das: Schüler und Studierende mit körperlichen oder geistigen Behinderungen müssen an regulären Schulen unterrichtet werden. Der Staat muss dieses Recht garantieren und unter anderem die personellen Voraussetzungen schaffen und Infrastrukturmaßnahmen ergreifen, damit Behinderte auch tatsächlich von ihrem Recht Gebrauch machen können.

In der Diskussion mit den Zuhörern zeigt sich aber, dass die Praxis noch nicht so weit ist und die „rauhe Wirklichkeit“ anders aussieht. Degener mahnt wiederholt zur Geduld: „Der Umsetzungsprozess braucht einen langen Atem. Wir sind aber auf einem guten Weg.“

Nach ihren Vorstellungen erfordert das den schrittweisen Abbau des Sonderschulsystems bei gleichzeitiger Veränderung und Erweiterung der Regelschulen.

Willa Olfenbüttel-Schole, Moderatorin und Vorsitzende der Altenberger Initiative „Gemeinsam leben - gemeinsam lernen“, zieht am Ende ein positives Fazit und sieht neben den Informationen aus erster Hand das Referat als Motivationsschub für ihre weitere Arbeit.
16 · 12 · 09


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Beitrag Verfasst: Freitag 18. Dezember 2009, 15:43 
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Wetzlar-Dillenburg: Wetzlarer Bahnhof wird barrierefrei – Unterstützung von Contergan-Geschädigten

Pressemeldung vom 18. Dezember, 2009, 2:42 pm

Wetzlar-Dillenburg. Der Behindertenbeirat des Lahn-Dill-Kreises hat Elke Würz und Martina Damsch als Vorsitzende bzw. als stellvertretende Vorsitzende für zwei Jahre wiedergewählt. Auf der letzten Sitzung des Jahres 2009 im Kreishaus in Wetzlar ging es vor allem um den geplanten Umbau des Bahnhofs in Wetzlar und um die Folgen des Contergan-Arzneimittel-Skandals.

„Seit Gründung des Behindertenbeirates vor zwei Jahren haben wir uns stark mit dem Thema ‚Mobilität’ beschäftigt“, so Martina Damsch, stellvertretende Vorsitzende des Beirats. „Für Menschen mit Behinderung besteht hier ein besonders großer Handlungsbedarf“, ergänzt Vorsitzende Elke Würz. „deshalb haben wir uns auch auf der letzten Sitzung mit der Barrierefreiheit der Bahnhöfe im Lahn-Dill-Kreis beschäftigt.“

Thomas Hees, Behindertenbeauftragter des Lahn-Dill-Kreises, berichtete auf dem Treffen über Gespräche zwischen Mitgliedern des Behindertenbeirats und der Deutschen Bundesbahn. Die Bahn plant den Bahnhof in Wetzlar bis zum Hessentag 2012 komplett barrierefrei zu gestalten. Er soll mit einem taktilen Leitsystem, Durchsagen für Blinde sowie mit Anzeigen für Hörgeschädigte ausgestattet werden. Außerdem sollen die Bahnsteige künftig über zwei Aufzüge erreichbar sein. „Der Beirat hat sich schon seit einiger Zeit für einen solchen Umbau eingesetzt und begrüßt die nun geplante Umsetzung“, so Würz.

Kritisch beurteilen die Mitglieder des Behindertenbeirats dagegen, dass die Bahn nur größere Bahnhöfe behindertenfreundlich umgestalten will. Zwischen Siegen und Wetzlar wird von der Bahn kein weiterer Bahnhof barrierefrei umgebaut. „Im ‚Arbeitskreis Mobilität’ des Behindertenbeirats beschäftigen wir uns weiter mit dem Thema, z. B. mit der Lesbarkeit von Fahrplänen, rollstuhlgerechten Bushaltestellen und der Schulung von Zugbegleitern“, so Damsch.

Peter Wichterle, Beisitzer im Hilfswerk Contergangeschädigter Hessen e.V., stellte in einem Vortrag die Geschichte des Contergan-Arzneimittel-Skandals und die Arbeit des Hilfswerks vor. Er wies insbesondere auf heute noch vorhandene Probleme der Geschädigten hin, die in Deutschland gemessen an anderen europäischen Ländern zu geringe Entschädigungszahlungen erhielten. „Geld brauchen die Geschädigten vor allem für gesundheitliche Leistungen, die von Ärzten aufgrund der Budgetierung nur noch im Mindestmaß verschrieben werden, beispielsweise Krankengymnastik oder Massagen“, so Wichterle. „Nötig wäre auch mehr Hilfe im Haushalt, am besten durch Bereitstellung eines persönlichen Budgets.“ Viele Partnerinnen und Partner und häufig auch die Kinder der Contergan-Geschädigten seien schlicht überfordert mit der Unterstützung, die sie regelmäßig leisten müssen. Wichterle fordert, dass die für den Skandal verantwortliche Firma den Geschädigten endlich das Recht auf Entschädigung zugesteht. Der Beirat unterstützte auf seiner Sitzung diese Forderungen.

„Der Behindertenbeirat ist in seiner Zusammensetzung mit behinderten Menschen, Selbsthilfegruppen und engagierten Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern sehr schnell von großer Bedeutung für die Arbeit und Planungen innerhalb der Verwaltung geworden“, konstatiert Sozialdezernent Günther Kaufmann-Ohl. Im kommenden Jahr wird der Beirat die Schwimmbäder im Kreis unter die Lupe nehmen. Er will herausfinden, ob bzw. wie behindertengerecht diese sind. Außerdem arbeitet der Beirat 2010 weiter am Thema Bildung und Beruf. Nachdem er sich im letzten Jahr mit Angeboten für Behinderte von der Krippe über Kindergärten bis hin zur Schule beschäftigt hat, will er 2010 die Situation von Behinderten beim Übergang von der Schule zum Beruf und im Beruf untersuchen. Angedacht ist darüber hinaus eine Auszeichnung von Geschäften im Lahn-Dill-Kreis, die besonders behindertenfreundlich sind.

„Noch immer müssen Menschen mit Behinderung oder deren Eltern kämpfen: Um angemessene Lebensbedingungen, um Informationen, um Gleichstellung, um Integration in die Gesellschaft, kurz: darum, am ganz normalen Leben teilnehmen zu können. Strukturen zu schaffen, die dies erleichtern ist mir wichtig und eine zentrale Aufgabe des Behindertenbeirats, so Elke Würz.

Quelle: Stadt Wetzlar – Pressestelle (Lahn-Dill-Kreis)

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Beitrag Verfasst: Mittwoch 23. Dezember 2009, 20:59 
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News-Telegramm
Mittwoch, 23. Dezember 2009, 20:33 Uhr
London: Geld für Contergan-Opfer

Die britische Regierung will Contergan-Opfer mit insgesamt 20 Millionen Pfund (rund 22,5 Millionen Euro) entschädigen. Jeder der 466 noch lebenden Geschädigten in Großbritannien bekommt damit knapp 43 000 Pfund. Die Hilfe soll ihnen in mehreren Teilbeträgen in den kommenden drei Jahren über eine Wohltätigkeitsorganisation zukommen. Der britische Pharmahersteller Distillers Biochemicals hatte den Patienten bereits in den 1970er Jahren eine Entschädigung in Höhe von 28 Millionen Pfund gezahlt. Das in Deutschland entwickelte Contergan war in Großbritannien unter dem Wirkstoffnamen Thalidomide zwischen 1958 und 1961 verkauft worden. Durch das Schlafmittel waren weltweit etwa 10 000 Babys zum Teil schwer fehlgebildet zur Welt gekommen.

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