Contergantreff

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Beitrag Verfasst: Freitag 2. Juli 2010, 19:19 
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PRESSEBERICHTE JULI 2010
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Beitrag Verfasst: Freitag 2. Juli 2010, 19:21 
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Pharmakonzern Grünenthal wächst weiter
29.06.10 | 15:34 Uhr

Der Aachener Pharmakonzern Grünenthal ist trotz eines wirtschaftlich schweren Umfelds im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz um zwei Prozent auf 881 Millionen Euro zu, wie das Pharmaunternehmen am Dienstag in Düsseldorf mitteilte.
Der Gewinn vor Steuern stieg um 13 Prozent auf 116 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote des auf seine Unabhängigkeit bedachten Familienunternehmens wuchs um 6 Prozent auf 58 Prozent.

Die Forschungsausgaben des vor allem in der Schmerztherapie aktiven Unternehmens sanken nur leicht von 162 Millionen im Jahr 2008 auf 157 Millionen Euro. Damit lag die Quote für den Bereich Forschung und Entwicklung bei 18 Prozent. Nach Grünenthal-Angaben haben derzeit nur noch fünf forschende Arzneimittelhersteller ihre weltweiten Konzernzentralen in Deutschland.

Die Grünenthal GmbH produziert Arzneimittel für die Schmerztherapie und die Gynäkologie. Das 1948 gegründete Familienunternehmen hat weltweit in 35 Ländern Gesellschaften. In Deutschland beschäftigt es rund 1900 Menschen, weltweit gut 4900.

In die Schlagzeilen geriet Grünenthal als Hersteller des Schlafmittels Contergan, das den größten Arzneimittelskandal in der Geschichte der Bundesrepublik auslöste. Das Mittel kam am 1. Oktober 1957 auf den Markt und verursachte schwere Missbildungen bei Neugeborenen. Das zunächst rezeptfreie Medikament wurde gezielt Schwangeren empfohlen, da es als ungefährlich galt. Der Wirkstoff Thalidomid führte jedoch zu schweren Fehlbildungen von Gliedmaßen und Organen. 1961 wurde das Schlafmittel nach starkem öffentlichem Druck vom Markt genommen.

ddp

Quelle

  


Beitrag Verfasst: Freitag 2. Juli 2010, 19:33 
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Einladung zum Interviewtag mit Niko von Glasow


Köln (ots) – Das Erste zeigt “NoBody’s perfect” –

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit seinem Film “NoBody’s perfect”, der 2009 im Kino lief, erregte Regisseur Niko von Glasow großes Aufsehen. Er dokumentiert darin mit schwarzem Humor und ohne Anspruch auf politische Korrektheit die Suche nach elf Menschen, die – wie er selbst – im Mutterleib durch das verheerende Medikament Contergan geschädigt wurden und trotzdem bereit sind, sich für einen Bildband nackt fotografieren zu lassen. Von Glasow trifft bei seinen Dreharbeiten auf faszinierende Persönlichkeiten, die in so anspruchsvollen Berufsfeldern wie Politik, Medien, Sport, Astrophysik oder Schauspiel arbeiten und gelernt haben, mit ihrer Behinderung eine beeindruckende “Normalität” zu leben. Das Erste zeigt den Film am 10. August 2010, um 22.45 Uhr (Redaktion Jutta Krug, Enno Hungerland, Katja de Bock).

Sie haben die Gelegenheit für ein Interview mit Niko von Glasow am

Montag, 05. Juli 2010, ab 13.00 Uhr,

Hotel Savoy, Fasanenstraße 9-10, 10623 Berlin

oder am

Mittwoch, 7. Juli 2010, ab 13.00 Uhr

Hotel Barcelo Cologne City Center Habsburgerring 9-13 50674 Köln .

Eine DVD des Films sowie die Presseinformation schicken wir Ihnen zur Vorbereitung auf das Gespräch mit dem Regisseur gerne zu.

Der Film, der 2009 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, ist eine Koproduktion von Palladio Film und WDR (gefördert von der Filmstiftung NRW, dem DFFF, dem BKM und der FFA).

Mit freundlichen Grüßen

Gudrun Hindersin WDR-Unternehmenssprecherin

ANMELDUNG zum Interviewtag mit Niko von Glasow

Bitte per Mail an:

pr@presseagentur-deutz.de

O Ich komme zum Interviewtag am Montag, 5. Juli 2010, in Berlin und benötige vorab eine DVD des Films und die Presseinformation

O Ich komme zum Interviewtag am Mittwoch, 07. Juli 2010, in Köln und benötige vorab eine DVD des Films und die Pressinformation

O Ich kann leider nicht kommen, bitte aber um die DVD und die Presseinformation

Name ________________________________________________________

Redaktion (Medium) _____________________________________________

Tel./Fax/E-Mail _________________________________________________

Pressekontakt:

WDR Pressestelle, Annette Metzinger, Telefon: 0221/220 2770,
Annette.Metzinger@wdr.de

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Beitrag Verfasst: Freitag 2. Juli 2010, 19:34 
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Daniel hat geschrieben:
PRESSEBERICHTE JUNI 2010
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Wo ?

_________________
LG
Frank62 (Der Chef)


Rechtschreib- und Grammatikfehler sind beabsichtigt
und unterliegen dem Copyright des Verfassers !


95% aller Computerprobleme befinden sich vor dem Monitor.

Und hier der Wink mit dem Zaunpfahl...

 Profil Website besuchen ICQ YIM  


Beitrag Verfasst: Freitag 2. Juli 2010, 19:36 
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Donnerstag, 1. Juli 2010 10:45
50 Jahre nach dem Conterganskandal – Christa Decker will weiterkämpfen!


Er gehört zu den größten Arzneimittel-Skandalen der Geschichte – der Conterganskandal. Ende der 50er Jahre wurde Contergan gezielt als Beruhigungs- und Schlafmittel für Schwangere empfohlen. Mit fatalen Folgen. Das Medikament war nicht ausgereift. Tausende Kinder – wie Christa Decker aus Ihrlerstein – kamen mit schweren Fehlbildungen zur Welt.

Trotz Warnungen nahm die Herstellerfirma Grünenthal das Medikament vorerst nicht vom Markt. Erst auf Druck der Presse zog die Firma 1961 das Medikament aus dem Handel. Sieben Jahre später kam es schließlich zum Prozess. Ergebnis – 1970 schlossen die Eltern der Geschädigten und Grünenthal einen Vergleich. Gegen eine Entschädigung von insgesamt 100 Millionen D-Mark verzichteten die Eltern damals auf weitere Schadensersatzansprüche und das Recht zu klagen.

Doch das Geld ist längst aufgebraucht. Im vergangenen Jahr hat Grünenthal noch einmal 50 Millionen Euro in die Conterganstiftung einbezahlt, die das Geld verwaltet. Und auch der Bund hat 50 Millionen hinzugegeben. Immer noch zu wenig, finden Betroffene wie Christa Decker aus Ihrlerstein.

Sie wuchs in einer ganz normalen Familie auf, machte Abitur, studierte Sozialpädagogik. Zuletzt war sie als Heimleitung für drei Behindertenwohnheime in der Region tätig. Doch die Behinderung fordert ihren Tribut. Vor zwei Jahren riet ihr der Arzt, in Rente zu gehen. Gesagt, getan.

Wäre Christa Decker gesund zur Welt gekommen, wäre sie noch heute in einer leitenden Position, würde ordentlich verdienen. Jetzt lebt sie von einer Erwerbsunfähigkeitsrente, die weit unter der normalen Rente liegt. Und das ist ungerecht, findet sie. Schließlich kann sie nichts für ihre Behinderung. Sie müsste ganz normal Rente bekommen, als Ausgleich.

Qulle

  


Beitrag Verfasst: Freitag 2. Juli 2010, 19:37 
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Frank62 hat geschrieben:
Daniel hat geschrieben:
PRESSEBERICHTE JUNI 2010
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Wo ?


Wenn ich mit dem einstellen der Presseberichte der vergangenen Woche fertig bin Herr Chef,
mach ich das sofort. :angry :angry :angry

Aber nur für Chefe und seinen Brandeiligen Kommentar; Hier kommen die Kommentare rein!!

  


Beitrag Verfasst: Donnerstag 8. Juli 2010, 10:43 
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Brühl: Parkausweise für Menschen mit Behinderung

Pressemeldung vom 8. Juli, 2010, 10:21 am

Durch eine Änderung der Straßenverkehrsordnung haben Menschen mit Behinderung mittlerweile bessere Parkmöglichkeiten. Dies betrifft insbesondere schwerbehinderte Menschen, die bislang die strengen Voraussetzungen für den EU-einheitlichen blauen Parkausweis nicht vorweisen konnten.
Nun können auch schwerbehinderte Menschen mit einer beidseitigen Fehlbildung der Gliedmaßen oder vergleichbaren Funktionsein-schränkungen, von der typischerweise Contergan-Geschädigte betroffen sind, diesen Ausweis beantragen.
Neu ist der bundeseinheitliche orangefarbene Parkausweis. Er sieht für Menschen, die im Besitz eines Schwerbehindertenausweises sind, eine Vielzahl von Parkerleichterungen vor. Berechtigt sind vor allem Personen mit künstlicher Harnableitung und künstlichem Darmausgang, an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa Erkrankte, sowie Personen mit Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen, der Lendenwirbelsäule, des Herzens und der Atemorgane.
Inhaber des neuen Parkausweises können bis zu drei Stunden im eingeschränkten Halteverbot, in Lade- und Fußgängerzonen, in verkehrsberuhigten Zonen sowie an Parkplätzen mit Parkuhren und Parkscheinautomaten oder in Anwohnerparkzonen parken.
Zuständig für die Ausstellung und für Fragen ist die Bürgerberatung der Stadt Brühl, Telefon: 02232 – 793630. Gebühren für die Ausnahmegenehmigungen werden nicht erhoben.

Quelle: Stadt Brühl

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Beitrag Verfasst: Mittwoch 14. Juli 2010, 21:05 
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Verdienstkreuz für Hudelmaier

Allmendingen.

Margit Hudelmaier erhält das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik. Sozialministerin Monika Stolz soll die Auszeichnung am Freitag, 30. Juli, 11.30 Uhr, im Bürgerhaus in Allmendingen überreichen. Die Allmendingerin Margit Hudelmaier engagiert sich seit vielen Jahren für Contergan-Opfer und wurde erst im Frühjahr wieder als Vorsitzende des Bundesverbandes der Contergangeschädigten bestätigt.

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Beitrag Verfasst: Donnerstag 15. Juli 2010, 21:02 
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Amt verweigert Behinderten-Parkausweis

Im Westen, 15.07.2010, Stefan Schulte

Duisburg/Essen. 2008 wurden in NRW die von Münster aus gesteuerten elf zentralen Versorgungsämter aufgelöst. Seitdem sind die Kommunen zuständig – und die Beschwerden mehren sich.

Nicht alle Autofahrer reagieren mit einem „Macht nichts“ auf die neue Macke in der Beifahrertür. Petra Kiwitt ist das sichtbar unangenehm. Sie öffnet ihre Fahrertür, indem sie dagegen tritt. Das geht leichter als mit den Händen. Die sitzen am Ellbogen und sind nach innen gebogen. Contergan. Einen Behinderten-Parkausweis kriegt sie trotzdem nicht.

Nachdem die WAZ berichtete, dass die Versorgungsämter im Ruhrgebiet weniger Anträge genehmigen, seit sie nicht mehr vom Land, sondern den Kommunen geführt werden, meldeten sich viele Betroffene. Sie wollten reden über ihr Leben, die Krankheit, vor allem aber über „die da im Amt”. Sie sind weder repräsentativ noch sämtlich ungerecht behandelt worden. Und doch kleiden sie die nackten Zahlen mit dem, was Statistiken abgeht: Einzelschicksalen.

Viele klingen verbittert, fühlen sich vom Staat im Stich gelassen, um die Rente betrogen, in ihrem Behindertengrad zu niedrig eingestuft. Petra Kiwitt nicht. Sie streckt dem Besucher selbstbewusst die zu hoch sitzende Hand entgegen. Die Duisburgerin ist, was die Amtssprache eine „Contergangeschädigte” nennt, geboren ohne Unterarme. Doch weder stritt sie mit dem Contergan-Hersteller Grünenthal über eine Entschädigung noch klagt sie über den bösen Staat. „Ich stecke meine Energie lieber in schöne Dinge. Ich habe einfach nur gelebt”, sagt die kaufmännische Angestellte mit ihren nun 50 Jahren. Lächelt und wird doch noch verlegen, als ihr Mann anfügt: „Wir sind glücklich.” Er trägt das deutsche Nationaltrikot und ist stolz, ihr Mann zu sein.
Es geht um jeden Meter

Was Petra Kiwitt will, ist „eine kleine Erleichterung”, jetzt, da die Gelenke verschleißen, der Rücken schmerzt und sie nach all den Jahren ihren Mann bitten muss, ihr die Schuhe zu binden. Petra Kiwitt will selbstständig bleiben, will alleine einkaufen fahren. Dabei ist sie über jeden Meter weniger froh, den sie die Taschen tragen muss. Und sie hätte gern genug Platz zum Ein- und Aussteigen.

Stattdessen müht sie sich durch die Behörden. Und scheitert bisher an einer unscharfen Neufassung der Straßenverkehrsordnung für Contergangeschädigte. Daran, dass diese nicht allen Beamten geläufig ist, sie offenbar falsch beraten und unnötigerweise von einem zum andern Amt geschickt wurde.

Die Kurzform: Seit 2009 erhalten auch Contergangeschädigte den Behindertenparkausweis, der eigentlich nur für außergewöhnlich Gehbehinderte (zu Amtsdeutsch: „aG”) gedacht ist. Diesen Vermerk brauchen Contergangeschädigte nicht, für sie wurde ja die Ausnahmeregel geschaffen. Doch genau das riet man Petra Kiwitt im Amt für Stadtentwicklung, nachdem es ihren ersten Antrag auf einen Parkausweis abgelehnt hatte, und schickte sie zum Versorgungsamt. Dort sammelte sie die nächste Ablehnung, weil sie ja nicht gehbehindert ist.

Versorgungsamtsleiter Reinhard Luderer ging der Sache auf Anfrage der WAZ nach, wollte helfen. Und konnte doch nur zurückverweisen ans Amt für Stadtentwicklung, das die Parkausweise genehmigt. Entscheidend ist eine Formulierung in der Straßenverkehrsordnung: Contergangeschädigte erhalten den Ausweis, wenn sie keine Arme, an den Schultern ansetzende Hände oder „vergleichbare Funktionseinschränkungen” haben. Wer entscheidet nun, ob eine am Oberarm sitzende Hand „vergleichbar” ist? Am Ende ein Gericht.
Nicht „außergewöhnlich gehbehindert“ – trotz Rollstuhl

Ulrich Schlichtenberg sitzt im Rollstuhl. Als „außergewöhnlich gehbehindert” stuft ihn das Essener Versorgungsamt aber nicht ein. Wie das? Nun, der 68-Jährige kann laufen. Allerdings kommt er nicht weit, weil Herz und Lunge streiken und in den Beinen die Arterien dicht sind. „Nach 15 Metern geht mir die Luft aus, dann kipp’ ich um”, sagt er.

Maximal 30 Meter bescheinigt ihm das Essener Klinikum. Damit wäre die Sache eigentlich klar: Laut Gesetz gilt jeder, der weniger als 50 Meter am Stück laufen kann, als gehbehindert und erhält einen Parkausweis. Doch das Amt kam zu einem anderen Ergebnis. Schlichtenbergs Klage vor dem Sozialgericht wurde zugelassen, weil sie laut Richter „Aussicht auf Erfolg” hat. Das hat sie nun seit zwei Jahren, nur Schlichtenberg noch keinen Parkausweis.
Die Verbitterten

Der Mann mit den orthopädischen Strümpfen und der Halskrause für seine Nackenwirbel muss zur Fraktion der Verbitterten gezählt werden, er sagt nun schon zum fünften Mal, man werde überall nur „verarscht”. Er lebt allein in einer kleinen Wohnung in der Innenstadt und kommt selten raus. Zum RWE-Stadion würde er gerne mal fahren – und vor dem Eingang parken.

Schlichtenberg ist im Versorgungsamt bekannt und trägt dort wohl nicht ohne Grund den Stempel „schwierig”. Aber wäre er ein Simulant, müsste er viele Ärzte getäuscht haben. Deren Expertisen geben einen hübschen Stapel ab. Das Versorgungsamt Essen verweist auf den ausstehenden Gerichtsentscheid. Die Ablehnung sei aus seiner Sicht richtig und nach bestem Wissen und Gewissen erfolgt, betont Gregor Hüsken, Behindertenkoordinator. Für das Amt seien nicht ärztliche Bescheinigungen bindend, sondern die eigenen Gutachter.

Damit finden sich viele nicht ab. „Wir bekommen 30 000 Anträge im Jahr, jeder dritte davon geht in ein Widerspruchsverfahren”, sagt Hüsken. Ulrich Schlichtenberg ist also einer von Zehntausend. Ein Einzelschicksal.

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Beitrag Verfasst: Freitag 16. Juli 2010, 12:40 
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Leben mit Würde – ohne Hürde. Bundestagsmitglied Ilja Seifert bei Diskussionsveranstaltung im Mainzer Rathaus
Politik, Recht & Gesellschaft
Pressemitteilung von: DIE LINKE. Stadtverband Mainz

Bundestagsmitglied Dr. Ilja Seifert, seit Jahren deutschlandweit renommiert als unermüdlicher Streiter für Behindertenrechte, machte gestern auf seiner Informationsreise durch Rheinland-Pfalz Station in der Landeshauptstadt. Seifert, behinderten- und tourismuspolitischer Sprecher der Linksfraktion in Berlin, nutzt regelmäßig die parlamentarische Sommerpause dazu, sich vor Ort bei Betroffenen und Verbänden in den einzelnen Bundesländern über die Realisierung der großen politischen Ziele sachkundig zu machen. Er war einer Einladung der Stadtratsfraktion der Mainzer Linken nachgekommen, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Fraktion im Rathaus“ an einer Podiumsdiskussion zu Fragen des Alltagslebens von Menschen mit Handikap teilzunehmen.

Nachdem er tagsüber bereits mehrere Termine wahrgenommen hatte, unter anderem in der Tourismus Centrale Mainz und im Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZSL), referierte Seifert am Abend über seine in den vorangegangenen Stunden gewonnenen Erkenntnisse: „In Mainz sieht es für behinderte Menschen vergleichsweise gut aus. Seit den neunziger Jahren hat sich hier viel getan, unter anderem was den öffentlichen Personennahverkehr und das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten für Hotelgäste mit eingeschränkter Mobilität angeht. Trotzdem gibt es auch hier noch viel zu tun!“
Dass gerade Mainz Pluspunkte gesammelt habe, sei vor allem einer Person zu verdanken, erklärte Seifert den Besuchern – ihr unerschütterliches Engagement habe sie zur anerkannten Stimme für Menschen mit Behinderung werden lassen. Seifert dankte seiner Mainzer Mitstreiterin Marita Boos-Waidosch, die gestern mit ihm auf dem Podium saß. „Bei weitem nicht jede Stadt hat eine so engagierte Vorkämpferin für die Gleichstellung und Gleichbehandlung benachteiligter Menschen!“ Sie sei die wohl in ganz Deutschland bekannteste Behindertenbeauftragte.

Mit Genugtuung konnte Marita Boos-Waidosch Seiferts Lob für die mittlerweile erreichte Aufgeschlossenheit von Mainzer Behörden und Unternehmen bestätigen. Dennoch stünden viele Fragen offen, waren sich beide einig: „Um ein wirklich achtungsvolles Miteinander aller Menschen zu erreichen, ist es notwendig, die Vorgaben der UN-Behindertenkonvention zu erfüllen. Der Mainzer Stadtrat hat der Umsetzung zugestimmt, jetzt müssen aber auch Taten folgen.“ Dazu sei ein grundlegender Wandel im Denken notwendig, so Seifert und Boos-Waidosch einmütig. Erst wenn der Stadtführer für alle, Behinderte wie Nichtbehinderte, zur Selbstverständlichkeit werde, seien die weltweit vereinbarten Ziele der Vereinten Nationen auch in Mainz erreicht. „Die Inklusion muss das Ziel sein, die Herstellung von Normalität aus der Sicht der Beeinträchtigten“, erklärte Seifert abschießend. Dazu gehörten selbstverständlich auf das Individuum zugeschnittene Fördermodelle zur Alltagsbewältigung ebenso wie die langfristige institutionelle Förderung von Selbsthilfeorganisationen, die vom Stadtrat über kurz oder lang beraten werden müsse.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

DIE LINKE. Stadtverband Mainz
Rochusstr. 10-12
55116 Mainz

Ansprechpartner: Dr. Hermann Stauffer
Tel : 06131-123914 eMail:
Fax : 06131-123913 eMail:
http://www.die-linke-mainz.de/

Der Stadtverband Mainz der politischen Partei DIE LINKE. ist der größte und mitgliederstärkste Kreisverband in Rheinland-Pfalz.

Dr. Ilja Seifert, MdB, seit einem Badeunfall 1967 querschnittgelähmt, studierte nach dem Abitur 1970 Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1975 Diplom-Germanist, arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1980 erfolgte die Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation zur Arbeiterliteratur der Weimarer Republik. 1990 war er Gründungspräsident des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland Für Selbstbestimmung und Würde e. V. Seit 1999 ist er Vorsitzender des Berliner Behindertenverbandes (BBV).

1974 bis 1989 Mitglied der SED, gehörte Seifert von 1990 bis 1992 und von 2002 bis 2004 dem PDS-Parteivorstand an. Von März bis Oktober 1990 war er Mitglied der Volkskammer der DDR. Seit dem 3. Oktober 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages, schied er erstmals 1994 aus dem Bundestag aus.
1998 wurde er ein weiteres Mal in den Bundestag gewählt (bis 2002), ebenso 2005 und 2009. Er ist heute Ordentliches Mitglied im Ausschuss für Tourismus, Stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, im Sportausschuss und im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie behinderten- und tourismuspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag.

Als wichtigstes Thema seiner Arbeit bezeichnet er die UN-Behindertenrechtskonvention. Außerdem streitet Seifert für Barrierefreiheit, gegen Diskriminierung, für das Reisen für alle, den Nachteilsausgleich und die Pflegereform. Als weitere wichtige Themen gelten für ihn die Teilhabesicherung,
der barrierefreie Tourismus, die Aufarbeitung des Contergan-Skandals und die Situation der Heime.

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Beitrag Verfasst: Samstag 17. Juli 2010, 08:17 
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"Wir sind alle behindert"
Niko von Glasows ARD-Film "NoBodys perfect" (Di., 10.8., 22.45 Uhr) ist ein mutiger Dokumentarfilm, der bewegt

"Meine größte Angst ist es, in der Badehose an den Strand zu gehen", sagt Niko von Glasow, ein Contergan-geschädigter Filmemacher. Also war ihm klar, dass es für ihn die größte Herausforderung darstellen würde, sich nackt vor der Kamera zu zeigen. In seinem bewegenden Dokumentarfilm schildert er, wie es ihm gelang, elf körperbehinderte "Contis" dazu zu bewegen, sich mit ihm für eine mutige Foto-Aktion abbilden zu lassen. Der vom WDR produzierte Film wird am Dienstag, 10. August, um 22.45 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Im Interview erklärte der Regisseur, der schon mit dem NS-Film "Edelweißpiraten" für Furore sorgte, was ihn zu dem Filmprojekt bewegte.


teleschau: Herr von Glasow, Sie sind selbst Contergan-Geschädigter, trotzdem ist es nicht selbstverständlich, in einem Film so viel Privates nach außen zu kehren. Wie kamen Sie auf die Idee?

Niko von Glasow: Zunächst wollte ich diesen Film überhaupt nicht machen. Der WDR hatte mir vorgeschlagen, einen Dokumentarfilm über das Thema Contergan zu machen. Damals hatte ich ziemlich lautstark protestiert und gesagt, dass ich schließlich Spielfilmregisseur sei und mich nicht auf die Schiene des Behinderten schieben lasse. Als ich meiner Frau abends von dem Vorschlag erzählte, hat sie nur gesagt: Niko, es wird Zeit, dass du dem Teufel in den Hintern guckst. Dann haben wir uns gemeinsam diesen Plot ausgedacht.

teleschau: Wie sahen Ihre ersten Ideen zum Film aus?

Niko von Glasow: Meine Frau ist Drehbuchautorin und hat mich einfach mal gefragt, wer denn in einem Film zum Thema Contergan vorkommen könnte. Wer könnte denn der Held dieses Films sein, fragte sie mich. Mir fiel niemand ein. Und da sagte sie: "Natürlich musst du in diesem Film auftreten." Beim Spielfilm stellt man sich zunächst ja die Frage: Was ist die größte Angst des Helden? In diese Angst muss man den Helden hineinschicken. Nach und nach kamen wir der Sache näher: Meine größte Angst ist es tatsächlich, in der Badehose an den Strand zu gehen. Und daraus ist die Idee entstanden, dass ich in meinem Film die "nackte Wahrheit" zeigen muss - und elf andere überrede, das Gleiche zu tun.

teleschau: Kein kleiner Schritt für Sie und die anderen ...

Niko von Glasow: Ich habe den Fakt, dass ich behindert bin, lange verdrängt. Wenn man ein Problem hat und krampfhaft versucht, es zu verdrängen, dann kann man es nur überwinden, wenn man es veröffentlicht. Wer zum Beispiel Alkoholiker ist, muss sich bei den Anonymen Alkoholikern als Erstes dazu in versammelter Runde bekennen. Das Veröffentlichen einer eigenen Schwäche ist der wichtige Teil eines Bewältigungsprozesses.

teleschau: Da hat Ihnen Ihre Frau ganz schön viel Mut abverlangt. Wie lange haben Sie gezögert, ob Sie sich doch nicht wieder aus ihrem Film heraushalten sollten?

Niko von Glasow: Nun ja, ich bin Profi. Und wenn ich einmal sozusagen unterschrieben habe, dann stehe ich auch dazu. Die Nacht vor dem Foto-Shooting quälte mich sehr. Dann habe ich mir noch einmal alles Mögliche überlegt, wie ich da vielleicht doch noch darum herumkomme. Als ich mich dann wirklich vor der Kamera ausgezogen hatte, war es gar nicht mehr so schwer. Das war, wie ins kalte Wasser zu springen: Wenn du es dann endlich mal tust, macht es sogar Spaß. Die Angst vor dem kalten Wasser ist das Schwierigste.

teleschau: Bei einigen Ihren Gesprächspartnern im Film wirkt es fast, als ob Sie mit Ihrer Idee offene Türen eingerannt hätten. Haben Sie nicht zunächst mit viel größerer Entrüstung auf Ihr Ansinnen gerechnet?

Niko von Glasow: Erst war ich natürlich auch verblüfft. Aber dann kam schnell mein professioneller Ehrgeiz durch: Mein Job als Regisseur ist es ja, Menschen zu überreden, Dinge zu tun, die sie normalerweise nicht tun würden. Ich verspreche Ihnen: Wenn Sie mir drei Minuten geben, könnte ich auch Sie überreden, sich nackt vor einer Fotokamera ausziehen.

teleschau: Das halten wir für ein Gerücht ...

Niko von Glasow: Wenn Sie irgendein Anliegen haben, etwa engagiert sind für die Tibeter oder Amnesty International? Oder angenommen, Ihr Kind hat Krebs. Dann sage ich Ihnen: Wenn Sie sich nackig fotografieren lassen und es gelingt uns, dass wir mit diesem Kalender wirklich etwas für Ihr Anliegen bewegen, machen Sie dann mit? Natürlich machen Sie mit. Wer wirklich etwas auf dem Herzen hat, würde sich für jeden guten Zweck ausziehen.

teleschau: Vielen der Contergan-Geschädigten, die sie überzeugen konnten, ging es gar nicht um etwas derart Abstraktes, sondern um etwas sehr Persönliches - ihr eigenes Leid.

Niko von Glasow: Ja, natürlich. Unser Anliegen war sehr direkt - es ging mir um die Überwindung unserer Angst. Und wer wollte nicht, seine größte Angst besiegen?

teleschau: Im Film heißt es einmal, es sei gar nicht ihr behinderter Körper, der sie so sehr beschäftigt. Es fällt der Ausdruck von der "muffigen Seele", die Sie belastet ...

Niko von Glasow: Ich glaube, dass wir Menschen alle behindert sind. Nur in meinem Fall sieht man es besser. Die körperliche Fehlerhaftigkeit beschäftigt uns alle. Doch die seelischen Verletzungen, die wir auch alle haben, sind eigentlich viel schwerwiegender. Mein Körper stellt ein Problem da, das will ich gar nicht leugnen. Aber meine Seele ist mir viel wichtiger. An meinen Armen kann ich nichts ändern, an meiner seelischen Verfassung durchaus.

teleschau: Hat denn dann der Film für Sie und Ihre Mitstreiter etwas bewirkt?

Niko von Glasow: Ja, sehr. Ich bin viel fröhlicher geworden. Die Verdrängung der Behinderung hat bei mir vorher vieles ausgelöst, was man Depressionen nennen könnte. Das Offenlegen der Wahrheit hat mich leichter gemacht.

teleschau: Ist es denn also möglich, dass Filme therapeutisch, wenn nicht sogar selbst-therapeutisch wirken können?

Niko von Glasow: (lacht) Ich hätte niemals gedacht, dass ich jemals so einen Film drehen würde. Früher hatte ich es immer verachtet, wenn Regisseure Filme machen, um sich selbst zu therapieren. Jetzt habe ich es selbst gemacht - und bin zufrieden mit mir. Natürlich sind das Schauspielern und jegliche künstlerische Arbeit unglaublich wirkungsvoll und therapeutisch. Das ist das doch Tolle an meinem Beruf.
teleschau der Mediendienst

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Beitrag Verfasst: Mittwoch 21. Juli 2010, 12:00 
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Pressemitteilung vom 21.07.2010 | 03:51
BCG BRD Dachverband
Contergan - Kampagne "Ihre Kaufentscheidung zählt!"


Pressemitteilung - Einladung zur Pressekonferenz

Am Samstag, den 24. Juli 2010, starten Contergangeschädigte eine Kampagne mit dem Titel "Ihre Kaufentscheidung zählt!". Der Auftakt der Kampagne beginnt vor dem Werksverkauf der Dalli-Werke und soll an jedem verkaufsoffenen Samstag dort fortgesetzt werden. Nach und nach soll sich die Kampagne auf das gesamte Bundesgebiet ausdehnen. Zielgruppe der Kampagne sind die Bundesbürger. Die Conterganopfer verteilen dabei Flugblätter mit professionell gestalteten Fotomotiven von Produkten der Dalli-Werke und der Firma Mäurer & Wirtz sowie der 4711 Glockengasse GmbH. Dabei tragen sie auffällig gestaltete Schilder in Körpergröße, auf denen ebenfalls die Produkte der genannten Firmen zu sehen sind. Erstmals sind alle Produkte der genannten Firmen von der Kampagne betroffen. Aufgerufen zu der Kampagne haben die Internationale Contergan/Thalidomid Allianz Deutschland (ICTA Deutschland) und der Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer e.V. (BCG). "Mit dieser Aktion wollen wir dem Verbraucher den Zusammenhang zwischen dem Conterganskandal und den beispielhaft gezeigten Produkten vermitteln und auch die Verantwortlichen benennen. Zudem soll dem Verbraucher aufgezeigt werden, welchen Einflussspielraum er mit seiner Kaufentscheidung hat." so Udo Herterich, Sprecher der ICTA Deutschland. "In den nächsten Wochen und Monaten werden wir unsere Maßnahmen verschärfen. Wir stehen eh mit dem Rücken zur Wand. Möge uns die Familie Wirtz mit Klagen überziehen. Solange wir leben und noch eine Würde haben, werden wir das uns angetane Unrecht nicht dulden." sagt Andreas Meyer, Vorsitzender des BCG.

Zur Pressekonferenz wird hiermit herzlich geladen:

Ort: Werksverkauf Dalli-Werke, Zweifaller Straße 120, 52224 Stolberg.

Datum: 24. Juli 2010

Uhrzeit: 11:00 Uhr

Selbstverständlich können Sie bereits früher kommen, um Eindrücke der Ereignisse zu bekommen. Wir selber werden bereits um 8:30 Uhr vor Ort sein.

Erste Informationen (Fotos etc.) erhalten Sie auf unserer Webseite. Am Kampagnentag werden wir weitere Informationen freischalten. http://www.gruenenthal-opfer.de/Kaufentscheidung


Kontakt:

Udo Herterich
Claudia Schmidt-Herterich
Kampagnen - Sprecher/in Deutschland
Internationale Contergan / Thalidomid Allianz
Bensberger Str. 139
51503 Rösrath
Telefon 02205 - 83 541
Telefax 02205 - 83 586
nc-herterud4@netcologne.de

BCG - Bund Contergangeschädigter
und Grünenthalopfer e.V.
c/o Herr Andreas Meyer (1. Vorsitzender)
Dohmengasse 7 , 50829 Köln
Email: bcg-brd-dachverband@gmx.de
Webseite: http://www.gruenenthal-opfer.de
Telefon : 0221 / 9505101
Fax: 0221 / 9505102
Mobil: 0172 / 2905974

Köln - Veröffentlicht von pressrelations

Link zur Pressemitteilung: http://www.pressrelations.de/new/standa ... m?r=418668
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Beitrag Verfasst: Mittwoch 21. Juli 2010, 19:20 
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Contergan-Opfer starten Boykott-Kampagne

(kol) | 21.07.2010, 18:04

Stolberg/Köln. Zum Boykott von Produkten der Firma Dalli ruft ab kommenden Samstag der «Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer» vor dem Werksverkauf von Dalli an der Finkensiefstraße in Stolberg auf.

Die Conterganopfer um ihren Kölner Vorsitzenden Andreas Meyer wollen damit auf die durch die Unternehmerfamilie Wirtz bestehende Verbindung zwischen Dalli und dem Arzeimittelproduzenten und früheren Conterganhersteller Grünenthal hinweisen.

Von Grünenthal fordern sie, mehr Geld für die Opfer des Schlafmittels zur Verfügung zu stellen, obwohl juristische Ansprüche nicht mehr bestehen. Ihre Flugblatt-Kampagne, die in Stolberg startet, wollen sie bundesweit ausweiten.

Der Versuch des Dalli-Konzerns, mit einem Eilantrag vor dem Langericht Köln den Boykottaufruf zu unterbinden, war im vergangenen Jahr gescheitert. Die Firma Dalli selbst war am Mittwoch zu keiner Stellungnahme bereit.
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Beitrag Verfasst: Donnerstag 22. Juli 2010, 17:00 
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Conterganopfer verklagt Bund auf Schadensersatz

(dpa) | 22.07.2010, 15:20

Bonn. Ein Conterganopfer verklagt die Bundesrepublik auf Schadenersatz. «Der Staat hat es damals unterlassen, Arzneimittelproduktion und -vertrieb zu kontrollieren», sagte der Kläger Otmar Korte, der selbst Anwalt ist, der Nachrichtenagentur dpa. Der «symbolische Streitwert» betrage 5001 Euro. Nach Kortes Einschätzung wird im Zusammenhang mit Contergan zum ersten Mal die Bundesrepublik verklagt. Das Bonner Landgericht bestätigte am Donnerstag den Eingang der Schrift. Nach den Römischen Verträgen 1957 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft hätte Deutschland sofort ein Arzneimittelgesetz schaffen müssen, argumentiert Korte.
Dieser Verpflichtung sei Deutschland nicht nachgekommen. Im Rahmen seiner Schutz- und Fürsorgepflicht hätte der Staat die Arzneimittelüberwachung ausüben müssen. Erst seit dem Arzneimittelgesetz von 1976 müssen die Hersteller nachweisen, dass ihre Mittel helfen und ungefährlich sind.

Eine funktionierende Arzneimittelaufsicht hätte der Zusammenhang zwischen dem Schlafmittel Contergan und embryonalen Schädigungen schon 1958 erkannt, meinte der Kläger. Der Staat hätte das Mittel des Herstellers Grünenthal spätestens 1960 vom Markt nehmen müssen, als schon viele Missbildungen erkennbar gewesen seien.

Grünenthal hatte das Schlafmittel als völlig sicher und frei von Nebenwirkungen 1957 auf den Markt gebracht und 1961 zurückgezogen. Contergan löste einen der größten Arzneimittelskandale in der deutschen Geschichte aus. Weltweit kamen rund 10 000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, vor allem an Armen und Beinen. Viele Kinder starben kurz nach der Geburt. In Deutschland waren 5000 Kinder betroffen.

Der Hersteller selbst kann nicht auf Schadensersatz verklagt werden. Mit Gründung der Contergan-Stiftung «Hilfswerk für behinderte Kinder» wurde ein Gesetz verabschiedet, mit dem alle etwaige bestehende Ansprüche von Opfern gegen die Firma Grünenthal erloschen. Damals anhängige Zivilverfahren wurden mit dem Gesetz wirkungslos.

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Beitrag Verfasst: Freitag 23. Juli 2010, 07:32 
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Im Alleingang gegen Deutschland
Von Andreas Burgmayer 23. Juli 2010, 06:00 Uhr

Der Norderstedter Anwalt Otmar Korte verklagt die Bundesrepublik als Mitschuldige im Contergan-Skandal

Norderstedt. "Durch ein Medikament namens Contergan, welches ich nicht nahm, ich meine Behinderung und meine Schmerzen bekam." Auf der Homepage der Contergan-Geschädigten in Schleswig-Holstein dichten die Contergan-Opfer mit Sarkasmus. Das Gedicht ziert dort eine Meldung des Norderstedter Anwalts Otmar Korte, 48. Knapp 50 Jahre, nachdem die ersten durch Contergan geschädigten Neugeborenen auf die Welt kamen, verklagt Korte nach seinen Aussagen als erstes Opfer die Bundesrepublik Deutschland auf Schadenersatz.



"Der Staat hat es damals unterlassen, Arzneimittelproduktion und -vertrieb zu kontrollieren", sagte Korte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Der "symbolische Streitwert" betrage 5001 Euro. Das Bonner Landgericht bestätigte am Donnerstag den Eingang der Schrift. Sprecher Joachim Klages: "Die Klage ist eingegangen. Ob sie die erste gegen die Bundesrepublik in der Sache ist, kann ich nicht beurteilen."

5000 Opfer von Contergan gibt es in Deutschland

Korte und die weiteren deutschen Opfer von Contergan können bis heute nicht verstehen, warum damals niemand die Bundesregierung wegen der Contergan-Katastrophe zur Verantwortung gezogen hat. Die Bundesrepublik trage erheblichen Anteil am Leid der Opfer, sagt Otmar Korte.

Auch seine Mutter nahm das Beruhigungs- und Schlafmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid des Pharma-Unternehmens Chemie-Grünenthal GmbH während der Schwangerschaft. Und so wurde Korte als eines von schätzungsweise 5000 deutschen Contergan-Opfern 1962 geboren. In seinem Fall sorgte das Mittel für einen verkürzten Arm. "Die Regierung hat dem unverantwortlichen Treiben des Herstellers von Contergan keinen Einhalt geboten. Grünenthals Profitgier und die Nachlässigkeit der Politik bei der Überwachung der Arzneimittelproduktion und dem Vertrieb der Tabletten haben Tausenden von Kindern die körperliche Unversehrtheit genommen."

Nach den Römischen Verträgen 1957 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft hätte Deutschland sofort ein Arzneimittelgesetz schaffen müssen, argumentiert Korte. Dieser Verpflichtung sei Deutschland nicht nachgekommen. Erst seit dem Arzneimittelgesetz von 1976 müssen die Hersteller nachweisen, dass ihre Mittel helfen und ungefährlich sind. Eine funktionierende Arzneimittelaufsicht hätte der Zusammenhang zwischen dem Schlafmittel Contergan und embryonalen Schädigungen schon 1958 erkannt, sagt Korte. Der Staat hätte das Mittel spätestens 1960 vom Markt nehmen müssen. 1970 wurden die Entschädigungsansprüche der Contergan-Opfer in die Stiftung "Hilfswerk für behinderte Kinder" überführt. Grünenthal zahlte 100 Millionen Mark ein, die Bundesrepublik bis heute an die 164 Millionen Euro. 2009 legte Grünenthal weitere 50 Millionen Euro nach. Die Bundesregierung sperrt sich deswegen gegen jede Form weiterer Entschädigung. Außergerichtlich wurde Rechtsanwalt Korte seitens des Bundeskanzleramts mitgeteilt, es bestünden keine Ansprüche gegen die Bundesregierung.

Das Landgericht will nun zunächst die Zuständigkeit in der Sache prüfen und danach gegebenenfalls einen Termin für eine Verhandlung festlegen. Laut Sprecher Klages könne dies zwischen acht Wochen und einem halben Jahr dauern.

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