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Beitrag Verfasst: Montag 1. November 2010, 19:36 
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Beitrag Verfasst: Montag 1. November 2010, 19:39 
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In Australien
Ratgeber, Community & News aus Down Under
Monday November 1st 2010
Contergan: Opfer klagen in Down Under gegen Contergan-Hersteller



Contergan-Opfer klagen in Australien gegen den ehemaligen Contergan-Hersteller Grünenthal. In der Klage wird dem Pharma-Unternehmen Grünenthal vorgeworfen, den Contergan-Wirkstoff Thalidomid nicht ausreichend auf seine Nebenwirkungen getestet zu haben. Der Pharma-Konzern Grünenthal habe laut der australischen Klage bereits seit fünf Jahren über mögliche Nebenwirkungen des Contergan-Wirkstoffs Thalidomid Kenntnis gehabt, bevor er das Medikament 1961 vom Markt nahm. Zu diesem Zeitpunkt soll das Unternehmen genauestens darüber Bescheid gewusst haben, dass Thalidomid Missbildungen bei Neugeborenen auslöse. Nach Berichten australischer Medien, wurde die Klage von fünf australischen Contergan-Opfern in Melbourne eingereicht. Der Pharma-Konzern Grünenthal bestätigte die Kenntnis von der Klage aus Australien, wollte sich jedoch nicht dazu äußern.
Grünenthal und der Contergan-Skandal

Der Contergan-Skandal wurde zwischen 1961 und 1962 aufgedeckt und ist der bis heute wohl größte und spektakulärste Arzneimittel-Skandal Deutschlands. Der Wirkstoff Thalidomid des Beruhigungsmittels Contergan, hatte zu Schädigungen und Missbildungen von mehreren tausend Neugeborenen geführt. Das Medikament wurde unter Leitung von Heinrich Mückter in den Forschungs-Laboren des Pharma-Unternehmens Grünenthal entwickelt. Dem wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit umstrittenen Mediziner, Chemiker und Pharmakologen Heinrich Mükter wurden medizinische Experimente an KZ-Häftlingen vorgeworfen. Einer Verhaftung durch die polnische Justiz entzog er sich mit der Flucht in die West-Zone. Contergan wurde vom 1. Oktober 1957 bis zum 27. November 1961 vertrieben. Das Beruhigungsmittel galt als besonders sicher.

Weil das Medikament frei von Nebenwirkungen schien und gut gegen die morgendliche Übelkeit der Schwangerschaft half, wurde es Ende der 1950er Jahre gezielt schwangeren Frauen empfohlen. In der Folgezeit kam es zu einem erhöhten Auftreten von körperlichen Fehlbildungen, sowie dem Fehlen von Gliedmaßen und Organen bei Neugeborenen. Der Zusammenhang zwischen Missbildungen und der Contergan-Einnahme wurde unabhängig voneinander in Deutschland, Großbritannien und Australien entdeckt. Grünenthal ignorierte zunächst alle Warnungen und zog das Medikament erst nach Medienberichten zurück. Laut Bundesverband Contergangeschädigter wurden ca. 5000 geschädigte Kinder geboren, nach anderen Quellenangaben 10000 (davon die Hälfte bereits verstorben). Der Prozess gegen Grünenthal wurde am 18. Januar 1968 eröffnet und endete am 18. Dezember 1970 mit einem Vergleich. Die Opfer verzichteten gegen den Entschädigungsbetrag von 100 Millionen DM auf Schadensersatzansprüche in Milliardenhöhe. Der Opferverband bezeichnet die Summe heute als lächerlich gering und versucht weiter gegen den Pharma-Konzern vorzugehen. Grünenthal weigert sich nach wie vor, sich bei den Opfern zu entschuldigen.

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Beitrag Verfasst: Mittwoch 3. November 2010, 18:19 
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PZ-NACHRICHTEN
Grünenthal verkauft Verhütungssparte nach Ungarn

Das ungarische Pharma-Unternehmen Richter erwirbt die Verhütungsmittel-Sparte der Aachener Grünenthal GmbH. Für den Kauf einschließlich der Vermarktungsrechte würden 236,5 Millionen Euro bezahlt, teilte Richter heute auf der Website der Budapester Börse mit. Die Transaktion werde nach Billigung durch die deutsche Kartellbehörde voraussichtlich im Dezember dieses Jahres abgeschlossen.



Grünenthal machte keine Angaben dazu, wie viele Beschäftigte von dem Verkauf betroffen sind. «Wir sind derzeit dabei, zu evaluieren, welche Auswirkungen das für die Mitarbeiter hat», sagte eine Sprecherin, machte aber keine weiteren Angaben. Grünenthal hatte unlängst angekündigt, sich als Schmerzmittelspezialist auf dem Weltmarkt durchsetzen zu wollen. Aus diesem Grund hatte es zwei strategische Verkäufe gegeben. Der Konzern verkaufte das dermatologischen Geschäft und das Antibiotika-Geschäft. Am Standort Stolberg bei Aachen waren 120 Mitarbeiter betroffen.



Das Unternehmen machte 2009 einen Umsatz von 881 Millionen Euro. Von den 5000 Beschäftigten arbeiten 2000 in Deutschland. Mit dem Schlafmittel Contergan hatte der Hersteller Ende der 50er-Jahre einen der größten Arzneimittelskandale in der deutschen Geschichte ausgelöst. Rund 10 000 werdende Mütter, die das Mittel eingenommen hatten, brachten Kinder mit Missbildungen zur Welt.



Richter ist eines der größten Pharma-Unternehmen in der mittel-osteuropäischen Region. Es befindet sich weitgehend in internationalem Streubesitz.



03.11.2010 l PZ/dpa

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Beitrag Verfasst: Sonntag 7. November 2010, 20:16 
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Prostet vor den Privat-Adressen

(eis) | 07.11.2010, 16:57

Stolberg. Elf Tage, bevor erstmalig eine Zeitung über Schädigungen, die «Contergan» auf Ungeborene haben kann, berichtete, nahm die Mutter von Stephan Hafeneth das Beruhigungsmedikament. Der Aachener kam ohne Arme zur Welt, ein Bein ist stark verkürzt, weitere Folgeschäden sind trauriger Alltag.
Die Anerkennung und finanzielle Regulierung der Folgeschäden, die aus einer Contergan-Behinderung entstehen, sind zentraler Bestandteil einer Forderung von insgesamt 8 Milliarden Euro mdes «Bundes Contergangeschädigter und Grünenthalopfer» (BCG).

Dieser hatte am Samstag unter dem Motto «Erfolg hat viele Gesichter» zum Auto-Konvoi aufgefordert. Der Aachener war einer von - laut Veranstalterangaben - 50 Teilnehmern, verteilt auf 32 Fahrzeuge, beim Auto-Konvoi, die sich vor den Privathäusern der Gesellschafter von Grünenthal sowie Dalli/Mäurer+Wirtz postiert hatten.

Bislang versammelten sich die Betroffenen vor den Werktoren - mit ihrer Vorgehensweise wollen sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen. Moralisch Bedenken haben sie dabei nicht: «Diese Leute verweigern uns und unseren Familien gegenüber jede Moral. Damit ist mir deren privater Raum auch egal», sagte Hafeneth.

Für die Betroffenen sei «die Konfrontation mit den Verantwortlichen» und somit der Protest vor deren Häusern eine enorme Belastung - «und das nicht nur physisch, sondern vor allem psychisch», schilderte Andreas Meyer, Vorsitzender des BCG. «Es ist bitter, vor diesen Anwesen zu stehen, während die meisten von uns in Sozialbauten leben müssen. Viele von uns haben bei den Kundgebungen sehr persönliche Dinge gesagt. Es musste ´raus, was sich all die Jahre über angestaut hat», erzählte Meyer.

Nachdem vier Wohnadressen der Familie Wirtz angesteuert worden sind, endete der Auto-Konvoi auf dem Kaiserplatz, wo in einem Zelt Suppe und heiße Getränke gereicht wurden. Der Kaiserplatz war aber auch Ort für die letzte der Kundgebungen: Betroffene versammelten sich vor dem Haus eines Gesellschafters, um ihre Forderungen lautstark publik zu machen.
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Beitrag Verfasst: Sonntag 7. November 2010, 20:22 
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Gesicht zeigen - Contergangeschädigte demonstrierten in Stolberg.


Aachen (kobinet) Contergangeschädigte demonstrierten in Stolberg vor den Privathäusern der Eigentümer des Pharmaunternehmens Grünenthal. Sie wollten bewusst eine Reaktion provozieren auf ihre Forderung nach höherer Entschädigung. Doch die blieb aus, berichtete am Wochenende der Westdeutsche Rundfunk in der „Lokalzeit aus Aachen“.

Das Video von 1:57 mit dem Titel „Gesicht zeigen“ kann in der Mediathek des Westdeutschen Rundfunks und auf You Tube angeschaut und kommentiert werden. sch

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Beitrag Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 18:08 
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08.11.2010, 21:08
Bei Grünenthal droht massiver Stellenabbau

Aachen. Beim Aachener Pharma-Unternehmen Grünenthal herrscht große Unruhe. Nachdem die Verhütungsmittel-Sparte an die ungarische Pharma-Firma Richter verkauft worden ist und weitere Umstrukturierungen angekündigt wurden, machen in der Belegschaft Gerüchte von einem großen Stellenabbau die Runde. Die Rede ist dabei von bis zu mehreren hundert Arbeitsplätzen.

Für Dienstag ist eine außerordentliche Betriebsversammlung angesetzt worden, auf der die Mitarbeiter - an den Standorten Aachen und Stolberg waren es Ende 2009 insgesamt etwa 1850 - über die konkreten Pläne der Geschäftsleitung informiert werden sollen. Zu diesem Zweck ist am Montag eigens ein großes Zelt auf dem Firmengelände in Eilendorf errichtet worden.

Vorstandschef Harald F. Stock hatte zuletzt stets betont, dass sich Grünenthal auf seinen Kernbereich als Schmerzmittelspezialist konzentrieren werde.

Bereits im Frühjahr verkaufte der Konzern zwei seiner Sparten, wovon in Stolberg 120 Mitarbeiter betroffen waren. Bis 2012 soll der dortige Standort ganz geschlossen werden.


http://www.az-web.de/lokales/aachen-det ... abbau.html




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Beitrag Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 18:09 
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08.11.2010, 21:33

Grünenthal-Belegschaft bangt um Arbeitsplätze

Aachen. In einer außerordentlichen Betriebsversammlung will die Firmenspitze der Grünenthal GmbH am Dienstag Einzelheiten zur geplanten Umstrukturierung des Pharmaunternehmens mitteilen. In der Belegschaft ist die Sorge groß, dass damit auch der Abbau von zahlreichen Arbeitsplätzen verbunden ist.

«Die Mitarbeiter sind sehr beunruhigt», sagt Gewerkschaftssekretärin Christine Markus von der IG Bergbau, Chemie, Energie, die ebenfalls vor Ort sein wird. Die Versammlung, auf der unter anderem der neue Grünenthal-Vorstandschef Harald F. Stock die Zukunftspläne für das Familienunternehmen erläutern wird, ist für 14 Uhr anberaumt. Auf dem Gelände der Firmenzentrale in Eilendorf wurde dafür eigens ein Zelt aufgebaut, weil es ansonsten keinen Raum von angemessener Größe gab.

Bis zu 1000 Mitarbeiter sollen in dem Zelt Platz finden. Sie alle hoffen auf mehr Klarheit über die künftige Ausrichtung. Seit Wochen kursieren im Unternehmen Gerüchte, dass mehrere Hundert Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Von «nicht unerheblichen Einschnitten» ist die Rede, vor allem auf der Verwaltungsebene soll es offenbar zu Kostensenkungen kommen, die ohne Personalabbau nicht zu erreichen seien. Weltweit beschäftigt Grünenthal rund 5200 Menschen, davon in Deutschland etwa 2000.

Weder der Betriebsratsvorsitzende Karl-Josef Matthias noch Unternehmenssprecherin Kira Goertz wollten sich vorab äußern. Zunächst solle am Dienstag die Belegschaft informiert werden, anschließend werde man die Vorhaben auch «extern kommunizieren», so Goertz.

Das Unternehmen will sich künftig ganz auf die Schmerzbehandlung konzentrieren. Unter anderem wurden bereits die Sparten Verhütung und Antibiotika verkauft. Aufgegeben wird auch das Werk in Stolberg. Bis 2012 fallen dadurch rund 130 Arbeitsplätze weg, für die jedoch «sozialverträgliche Lösungen» gefunden werden sollen.

http://www.an-online.de/lokales/aachen- ... aetze.html



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Beitrag Verfasst: Dienstag 9. November 2010, 23:33 
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Pharmakonzern Grünenthal streicht Arbeitsplätze

Der Aachener Pharmakonzern Grünenthal konzentriert sich künftig stärker auf seine Schmerzsparte und baut weltweit Arbeitsplätze ab. Die Unternehmensführung gab am Dienstag (09.11.10) bekannt, es handele sich weltweit um 360 von insgesamt 5.000 Vollzeitarbeitsplätzen. 220 davon sollen an den beiden deutschen Standorten Aachen und Stolberg wegfallen, wo 1.900 Mitarbeiter beschäftigt seien. Nach WDR-Informationen sind dort aber noch 50 Mitarbeiter mit Zeitverträgen betroffen. Wegen der Schließung des Stolberger Werks fallen zudem weitere 60 Arbeitsplätze weg. Insgesamt rechnet der Betriebsrat somit mit 330 entlassenen Mitarbeitern.

Das Unternehmen verspricht sich von 2013 an Einsparungen von jährlich 53 Millionen Euro, die komplett in die Sicherung als selbstständiges Familienunternehmen reinvestiert werden sollen. Grünenthal hatte Anfang 2010 einen Strategiewechsel bekanntgegeben und will sich als Schmerzmittelspezialist auf dem Weltmarkt durchsetzen.

Die Geschäftsfelder Antibiotika und Dermatologie wurden bereits verkauft. Das Geschäftsfeld Mukoviszidose stehe noch zum Verkauf, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Harald F. Stock. Die Arbeitsplätze würden abgebaut zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung neuer Schmerzmittel. Betroffen seien vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung.

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Dieser Pressebericht wurde von @ Maren eingereicht,einen Dank dafür.

  


Beitrag Verfasst: Mittwoch 24. November 2010, 09:15 
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Die selbst verschuldete Krankheit

24.11.2010 - WIESBADEN

Von Angelika Eder

DR. HEINZ KIPPER Mitinitiator der Gesundheitstage über die verkannten Leistungen der Pharma-Unternehmen

Zorn über die stetige öffentliche Kritik an der phamarzeutischen Industrie hatte Dr. Heinz Kipper zur „Seele der Hessischen Gesundheitstage“ werden lassen, als die ihn Gesundheitsdezernentin Rose-Lore Scholz jüngst bezeichnete: Wie es dazu kam, berichtete der einstige Geschäftsführer von Abbott Deutschland im Gespräch mit dem Tagblatt: Kipper initiierte diese zweijährliche Veranstaltungsreihe Anfang der 90er Jahre mit und engagiert sich bis heute dafür. Und das, obwohl der 67-Jährige längst nicht mehr für den Konzern tätig ist, sondern ein eigenes kleines Beratungsunternehmen für den Vertrieb von Produkten und Patenten führt.

Vorrangiges Ziel der damals fünf beteiligten pharmazeutischen Firmen aus der Landeshauptstadt, darunter Kreussler und Hoechst-Roussel, war es laut Kipper, „das Image der Pharmaindustrie zu verbessern - trotz der Presse, die sich in Unkenntnis vieler Fakten auf eine publikumswirksame Angriffshaltung eingeschossen hatte und hat.“ Diesen Vorwurf relativiert er auch nicht nach Hinweisen auf Pharma-Katastrophen wie etwa den Contergan-Skandal, den erst vor kurzem Opfer vor dem Rathaus wieder in Erinnerung riefen. Kipper weist bedauernd auf die mit Forschung verbundenen Risiken hin und darauf, dass sich damals alles „im Rahmen der Zulassungbedingungen abgespielt hat.“ Überdies wisse er, dass Mitglieder der Unternehmerfamilie der Firma Grünenthal tief betroffen gewesen seien.

Die Frage nach dem - aufgrund zweier aktueller Bestechungsprozesse gegen Mediziner wieder heiß diskutierten - „Pharmasponsering“ etwa in Form von Auslandsreisen zur „Motivierung“ von Ärzten beantwortet er mit dem Hinweis darauf, derlei Praktiken persönlich in seiner Funktion für Abbott zu einem frühen Zeitpunkt beendet zu haben. „Aber zu solchen Aktionen gehören auch immer zwei“, meint er mit Blick auf die „beschenkten“ Ärzte. „Es gab nur wenige, die auf das Vorgehen der Pharmaunternehmen allergisch reagierten.“

Kipper reagiert seinerseits allergisch darauf, dass in der Öffentlichkeit die finanzielle Kraftanstrengung forschender Pharmaunternehmen unterschätzt, wenn nicht gänzlich ignoriert werde: „Die müssen ohne jede Förderung etwa 500 Millionen Euro oder mehr investieren, um ein neues Produkt auch im Rahmen konkurrierender Forschung auf den Markt zu bringen.“ Die große Herausforderung der überschaubaren Zukunft ist seines Erachtens die Tatsache, dass die Therapie von rund 50 Prozent der bislang bekannten Krankheiten nur unangemessen oder überhaupt nicht möglich ist. Zu den diesbezüglichen Erkrankungen zählt der Pharma-Experte Aids, Alzheimer, Diabetes oder Krebs. Angesichts dieser Sachlage muss, so Kipper, dem Einzelnen im Interesse der Allgemeinheit vor allem eines vermittelt werden: „Nichts, wirklich gar nichts kann die Eigenverantwortung für unsere Gesundheit ersetzen. Dieses Bewusstein ist in der Familie, in der Schule und in den Medien zu fördern.“

Er behauptet, dass wahrscheinlich die Mehrzahl aller Krankheiten selbst verschuldet sei. Dass es hinsichtlich der Eigenverantwortung großen Nachholbedarf gibt, hat er anlässlich eines wenig genutzten Angebots seines Unternehmens erfahren: Zur Einführung eines Produktes gegen arterielle Verschlusskrankheiten bot man begleitend in den Praxen ein therapeutisch bedeutsames Gehtraining für Patienten mit der Schaufensterkrankheit an. Die Schulung in Theorie und Praxis „war den meisten Ärzten zu zeitaufwendig, und die meisten Patienten wollten ihrerseits nur ein Rezept, kein Gehtraining.“
Auf diese Weise werde das Gesundheitssystem zum „Reparaturbetrieb individueller Sünden“ degradiert. Während derzeit von der Pharmaindustrie trotz weit verbreiteter individueller Verantwortungslosigkeit im Umgang mit der eigenen Gesundheit hauptsächlich erwartet werde, bei den „Sünden“-Folgen schnell, sicher und möglichst ohne jede Komplikation zu helfen, müsse diese ihren Aufgaben im Dienste des Gesamtwohls nachkommen: „Das ist die Umsetzung des technologischen und wissenschaftlichens Knowhows in weltmarktgängige Produkte.“

Da der Staat die Aufgabe habe, klare Regeln zum Nutzen der Mehrheit zu schaffen, sei er für die richtigen und konsensfähigen Rahmenbedingungen verantwortlich. In dem Zusammenhang äußerte sich Kipper beispielsweise zutiefst verwundert darüber, dass es Jahrzehnte gebraucht habe, um das Rauchen zu verteuern und gesellschaftlich zu ächten. Solche Versäumnisse des Staates seien in diesen Zeiten besonders beklagenswert. „Wenn die christlichen Werte zugunsten der Vorstellung von einer Maximierung des Individualnutzens schwinden, wird vieles beliebig.“

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Beitrag Verfasst: Donnerstag 25. November 2010, 13:55 
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Vorwürfe gegen Pharmakonzern
Späte Revanche für einen fatalen Test


Von Udo Ludwig

Es ist ein ungleicher Kampf: Ein behinderter Mann legt sich mit dem Pharmagiganten Bayer Schering an. Seine Mutter hatte ein Mittel zum Schwangerschaftstest eingenommen, das wohl massive Nebenwirkungen hatte. Jetzt bekannt gewordene Briefe bringen den Konzern vor Gericht in Erklärungsnot.

Also doch. Sie wussten offenbar, was sie taten. Jetzt hielt André Sommer den Beweis in den Händen, nach dem er so lange lang gesucht hatte. Der ihm erklärte, warum er 1975 schwer behindert an Blase und Geschlechtsorganen zur Welt gekommen war.

Eine Initiative von potentiellen Medikamentenopfern aus Großbritannien hatte ihm die entscheidenden Dokumente vor zwei Wochen zugeschickt. Es waren Kopien alter Briefe, in denen sich britische Schering-Wissenschaftler mit ihren deutschen Kollegen über schwere Missbildungen bei Kindern und möglichen Risiken von Medikamenten austauschten. Die Mütter hatten einen Schwangerschaftstest des Berliner Konzerns verwendet. Urintests, um eine Schwangerschaft festzustellen, gab es damals noch nicht.

Die Dokumente stammen aus den drei Jahren von 1967 bis 1969. Damals schon diskutierten die Experten also über mögliche verheerende Nebenwirkungen von Duogynon. Das Mittel, das Sommers Mutter 1975, sechs Jahre später, ahnungslos einnahm. "Warum tauschten die Herren sich intern aus und schwiegen in der Öffentlichkeit?", will Sommer nun wissen. Und: "Waren die Mütter und wir Kinder Versuchskaninchen des Unternehmens?"

In der kommenden Woche wird der Lehrer aus Pfronten im Allgäu gegen die Bayer Schering Pharma AG antreten. In Berlin, vor der 7. Zivilkammer des Landgerichts.

Sommers Feldzug ist eine Premiere

Sommers Feldzug gegen den mächtigen Konzern ist eine Premiere. Es ist der erste Prozess, den ein mutmaßliches Duogynon-Opfer angestrengt hat, seitdem die Bundesregierung vor acht Jahren das Arzneimittelgesetz änderte. Damals sollte die rechtliche Stellung der Opfer gestärkt werden. Beim Berliner Landgericht wird sich jetzt erweisen, ob die Reform den Praxistest besteht.

Mit ihrer Gesetzesänderung reagierte die Bundesregierung damals auch auf die quälend langen Contergan-Verfahren. Jahrelang hatten behinderte Kinder, deren Mütter das Schlafmittel eingenommen hatten, gegen den Hersteller geklagt. Vergeblich. Dabei gab es keine ernsthaften Zweifel an den katastrophalen Nebenwirkungen des Medikaments. Eine Entschädigung erhielten die Opfer aber erst, als das Unternehmen freiwillig Schadensersatz anbot.

Auch die mutmaßlichen Duogynon-Opfer hatten bislang keine Chance. Die betroffenen Mütter wandten sich bereits Ende der siebziger Jahre an die Öffentlichkeit. Sie zeigten die Firma an, doch dann stellten die Staatsanwälte die Ermittlungen ein. Und danach platzten die Zivilverfahren. Ähnlich wie im Contergan-Fall.

Nachdem der SPIEGEL (23/2010) erstmals über den Fall Sommer berichtet hatte, meldeten sich mehrere Dutzend Betroffene zu Wort. Menschen mit verkrüppelten Gliedmaßen, mit Missbildungen am Herzen, an Bauch und Rücken. Menschen, die jahrelang geschwiegen hatten. Weit über 100 Betroffene haben sich auf eine Geschädigtenliste eingetragen, die Sommer auf seine Website gestellt hat.

Abgeordnete der Grünen-Bundestagsfraktion verlangten daraufhin Aufklärung von der Regierung. Das Bundesgesundheitsministerium will sich zwar aus der rechtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Duogynon-Hersteller und den Betroffenen heraushalten. Man begrüße aber, dass Patienten nun leichter Ansprüche gelten machen könnten. "Das war vom Gesetzgeber so beabsichtigt und wird hier nachdrücklich unterstützt", sagt die Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz.

Anspruch auf Auskunft

Die mutmaßlichen Opfer klagen gegen den Schering-Konzern, der inzwischen vom Konkurrenten Bayer übernommen wurde. Zunächst wollen sie nur Auskunft. Die Firma soll Einsicht gewähren in Unterlagen zu Duogynon. Nur so rechnen sie sich eine Chance aus, Bayer Schering Pharma später auch auf Schadensersatz verklagen zu können.

Doch das Unternehmen will nicht. Etwaige Ansprüche auf Auskunft und Schadensersatz seien längst verjährt. Zudem, schreibt der Bayer-Anwalt dem Berliner Gericht, bestehe kein Zusammenhang "zwischen der Anwendung von Duogynon und dem Auftreten embryonaler Fehlbildungen".

Der Berliner Anwalt Jörg Heynemann widerspricht. Natürlich sei der Fall nicht verjährt. Schließlich habe sich Sommer noch vor fünf Jahren wegen seiner Behinderung operieren lassen müssen. Zudem habe der Kläger erst im vergangenen Jahr von Duogynon-Nebenwirkungen erfahren. Seine Mutter liegt nach einem Herzinfarkt seit vielen Jahren im Wachkoma.

Ob der Schwangerschaftstest wirklich so harmlos gewesen sei, solle nach Heynemann ein Gutachter klären. Wie im Contergan-Fall würde der Anwalt am liebsten einen Vergleich erreichen. Bayer Schering solle doch einfach "Offenheit und Toleranz" zeigen und sich "mit den Geschädigten an einen Tisch setzen".

Zum Prozess in der kommenden Woche hat Heynemann Unterlagen über einen sogenannten "Ärztemustertest" eingeführt. Der Anwalt, der einige Dutzend Duogynon-Opfer vertritt, schreibt dazu: "Unabhängig von der ethischen Bewertung dieses Vorgangs, dass offensichtlich 'eine beachtliche Anzahl von Frauen mit Ärztemustern behandelt wurden', dürften der Beklagten auch die Ergebnisse dieser Arbeiten vorliegen. Es wurde offensichtlich die mögliche fruchtschädigende Wirkung in Kauf genommen, um in Form von Ärztemustern Versuche an schwangeren Frauen durchzuführen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Beklagte diese 'Versuchsergebnisse' nicht offen legen möchte."

Zu klären haben Kläger und Beklagte also vor Gericht einiges. Was es mit dem Brief aus Großbritannien zum Beispiel auf sich hat. Dort schreibt ein Wissenschaftler am 13. November 1967, also acht Jahre, bevor Sommers Mutter das Medikament einnahm: "Die offenkundige Korrelation zwischen der Zunahme angeborener Missbildungen und dem Verkauf des Schwangerschaftstests erscheint ziemlich alarmierend." Bei dem Präparat handle es sich um ein pharmazeutisches Produkt für schwangere Frauen, das auf die Umgebung des Fötus wirke und "deshalb müssen wir extrem vorsichtig sein".

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Beitrag Verfasst: Sonntag 28. November 2010, 21:34 
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Contergan-Geschädigte fordern ausreichende Entschädigung

Köln (epd). Die Teilnehmer der Europäischen Konferenz der Thalidomid- und Contergan-Geschädigten haben an die Pharma-Firma Grünenthal und Regierungen weltweit appelliert, ausreichende Entschädigungen zu leisten. Vertreter von Opferverbänden aus Schweden, Italien, Österreich, England, Kanada, Irland, den Niederlanden, Spanien, Norwegen, Belgien und Deutschland waren am Samstag der Einladung des Interessenverbandes Contergan-Geschädigter NRW nach Köln gefolgt, um über die weltweit sehr unterschiedlichen Leistungen der Sozialsysteme für die Opfer zu sprechen.

Udo Herterich, Vorsitzender des Interessenverbandes Contergan-Geschädigter NRW, sagte, für die etwa 2.500 Thalidomidopfer in Deutschland würden maximal 1.116 Euro pro Monat als Unterstützung gezahlt. Herterich schätzt die Entschädigungssumme für entgangene Lebensfreude, geringere Einkommen und Renten auf eine Millionen Euro pro Person: "Sind wir denn weniger wert als die Geschädigten in England?"

Mikey Argy berichtete aus England, wo monatliche Renten zwischen 3.500 und 5.000 Euro je nach Schwere der Behinderung gezahlt werden. Sie betrachte ihr Engagement für Opfer in England auch als eine Kampagne für die, die noch im Mutterleib an den Wirkungen des Medikaments gestorben seien. "Für uns, die wir leben, fordere ich Gerechtigkeit, Würde und Entschädigung für alle."

"Kompliziert ist die Situation bei uns in Italien", berichtete Nadia Malavasi. Die Firma Grünenthal sage, sie habe in Italien niemals Lizenzen für Thalidomid vergeben. Tatsächlich hätten aber vor rund 50 Jahren acht Firmen in Italien 16 Medikamente mit dem Wirkstoff vertrieben, sagte Malavasi. Der italienische Verband der Thalidomidopfer hat 330 Mitglieder. Dort zahlt die Regierung den Angaben nach bis zu 4.010 Euro pro Monat. "Die haben gesagt, wir helfen Euch, schuldig sind wir aber nicht", sagte Malavasi.

Fiona Cassidy aus Irland kritisiert die damalige irische Regierung. Der sei die Gefährlichkeit des Wirkstoffs Thalidomid bekannt gewesen, habe aber Schwangere aus Angst vor Abtreibungen nicht gewarnt. "Deshalb haben die sieben Monate nichts gesagt und das Präparat so lange nicht vom Markt genommen."

Michaela Moik aus Österreich berichtete, dass in ihrem Land die Thalidomidopfer lange aus dem Bewusstsein verdrängt worden seien. "Deshalb kennt sich in Österreich auch kein Arzt mit Contergan-Geschädigten aus." 2,8 Millionen Euro habe die Regierung als Gesamt-Entschädigung versprochen, bisher hätten sich 66 Opfer gemeldet.

Die Stolberger Pharmafirma Grünenthal hatte 1957 das Schlafmittel Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid, nach dessen Einnahme Tausende Frauen missgebildete Kinder bekamen, auf den Markt gebracht. 1961 wurde das Mittel vom Markt genommen. Die über 2.000 Contergan-Opfer in Deutschland erhalten Rentenzahlungen aus der Contergan-Stiftung des Bundes, an der sich die Pharma-Firma Grünenthal 1970 und 2009 jeweils mit 50 Millionen Euro beteiligte.

Internet: www.gruenenthal-opfer.de

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