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Beitrag Verfasst: Sonntag 27. November 2011, 09:16 
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Contergan-Geschädigte fordern Schmerzensgeld
Hilfswerk: Bedarf durch derzeitige Zahlungen nicht abgedeckt
Gernot Stracke im Gespräch mit Gabi Wuttke

Gernot Stracke, Vorsitzender des Hilfswerks für Contergan-Geschädigte in Hamburg, hat eine Aufstockung der Ausgleichszahlungen für die Betroffenen und Schmerzensgeld von der Herstellerfirma Grünenthal gefordert.

"Hier muss das Unternehmen wieder in die Pflicht genommen werden, es müssen endlich Gespräche stattfinden auf Augenhöhe, mit Grünenthal, aber auch mit anderen Beteiligten aus Politik und aus Opferverbänden, um hier zu einer endgültigen Lösung zu kommen", sagte Stracke.

An diesem Samstag wollen Contergan-Geschädigte vor dem Bundeskanzleramt für ihre Forderungen demonstrieren. Menschen, die mit Behinderungen - etwa ohne Arme oder Beine - geboren wurden, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft das Medikament Contergan einnahmen, erhalten laut Stracke derzeit eine monatliche Ausgleichszahlung der Conterganstiftung von etwa 300 bis maximal 1127 Euro. Bis 2008 habe der Höchstbetrag etwa 540 Euro betragen. Erst nach der Ausstrahlung des WDR-Films "Eine einzige Tablette" seien die Zahlungen durch den Bund und Grünenthal erhöht worden.

Doch auch heute deckten die Contergan-Renten den tatsächlichen Bedarf vieler Betroffener nicht ab, kritisierte Stracke. Es sei "unerträglich", dass Menschen, die wie er selbst tägliche Hilfe beim An- und Ausziehen, bei der Arbeit oder beim Toilettengang bräuchten, vor den Behörden als "soziale Bittsteller" dastünden, während das Unternehmen, das den Schaden verursacht habe, bis heute keine Entschädigung nach zivilrechtlichen Maßstäben geleistet habe.

Für immaterielle Schäden müsse das Unternehmen Schmerzensgeld zahlen: "Wie wollen Sie wiedergutmachen, wenn jemand nicht in der Lage ist, Kinder zu kriegen? Wenn er nicht die freie Berufswahl hatte wie andere?" sagte Stracke. Es müsse ein Exempel statuiert werden, "dass eben nicht immer nur Gewinne von Unternehmen eingestrichen werden und der Schaden letztlich auf den Steuerzahler abgewälzt und sozialisiert werden", forderte er. Derzeit leben nach Angaben Strackes in Deutschland noch etwa 2400 Opfer des Contergan-Skandals. Das Medikament war am 27. November 1961 vom Markt genommen worden.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das vollständige Gespräch mit Gernot Stracke können Sie mindestens bis zum 26.5.2011 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

26.5.2011 = Tippfehler ??

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ ... w/1613794/




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Information
Diese Mail wurde von http://www.contergan-sh.de über den Newsletter verteilt.
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Beitrag Verfasst: Sonntag 27. November 2011, 09:21 
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Prozess
Schmerzensgeld für Contergan-Opfer gefordert
Sonntag, 27. November 2011 02:42


50 Jahre nach dem Contergan-Skandal haben Geschädigte eine Aufstockung der Ausgleichszahlungen und Schmerzensgeld von der Herstellerfirma Grünenthal gefordert. Rund 200 Menschen nahmen an einer Demonstration in Berlin teil, bei der eine entsprechende Petition im Bundeskanzleramt abgegeben wurde.

Das Schlafmittel war am 27. November 1961 vom Markt genommen worden. Tausende schwangere Frauen hatten damals nach Einnahme des als ungefährlich angepriesenen Mittels Kinder mit Fehlbildungen zur Welt gebracht.

Die Protestaktion in Berlin unter dem Motto "5 vor 12" verlief ohne Zwischenfälle, wie die Polizei mitteilte. Eingeladen worden waren auch Contergan-Opfer aus dem Ausland. Weltweit leben von den rund 5000 Opfern noch schätzungsweise 2800 Betroffene, davon etwa 2400 in Deutschland.

Der Vorsitzende des Hilfswerks für Contergan-Geschädigte in Hamburg, Gernot Stracke, bezeichnete es als "unerträglich", dass Menschen, die wie er selbst tägliche Hilfe beim An- und Ausziehen, bei der Arbeit oder beim Toilettengang bräuchten, vor den Behörden als "soziale Bittsteller" dastünden. Dagegen habe das Unternehmen, das den Schaden verursacht habe, bis heute keine Entschädigung nach zivilrechtlichen Maßstäben geleistet, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Die Contergan-Renten deckten den tatsächlichen Bedarf vieler Betroffener nicht ab, kritisierte er. Demnach erhielten Geschädigte derzeit eine monatliche Ausgleichszahlung der Conterganstiftung von etwa 300 bis maximal 1127 Euro.dapd

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Beitrag Verfasst: Sonntag 27. November 2011, 09:24 
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27.11.2011 Deutschland

Wenn ein Medikament Nebenwirkungen hat:
Contergan und die schrecklichen Folgen

Auf den Tag genau jährt sich am 27. November dieses Jahres zum 50. Mal der wichtigste Schritt im Contergan-Skandal. Am 27. November 1961 musste das Pharmaunternehmen Chemie Grünenthal die als Beruhigungsmittel verkauften Medikamente Contergan und Contergan forte vom Markt nehmen. Durch Nebenwirkungen, ausgelöst durch den Wirkstoff Thalidomid, war es zu Schädigungen von Ungeborenen gekommen.

Bei Markteinführung am 1. Oktober 1957 konnten die Medikamente rezeptfrei als Beruhigungs- und Schlafmittel in der Apotheke erworben werden. Gerade gegen Übelkeit in der Schwangerschaft wurde es Ende der 50er-Jahre sogar gezielt für Schwangere empfohlen.



Erste Anzeichen für Nebenwirkungen

Bereits am 31. Dezember 1960 gab es die ersten Anzeichen für die Nebenwirkungen, die Contergan haben könnte. Die Ärztin Leslie Florence machte auf die schädigende Wirkung aufmerksam, worauf 1961 die Rezeptpflicht für Contergan gefordert wurde. Chemie Grünenthal bestritt zunächst den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Contergan und den Missbildungen an Neugeborenen. Schließlich wurde am 26. Mai 1961 die Rezeptpflicht beantragt, die am 1. August 1961 in Kraft trat. Am 16. August 1961 berichtete das Magazin "Der Spiegel" unter dem Titel "Zuckerplätzchen forte" über die Schädigungen durch das Medikament. Trotz dieser Umstände konnte die sprunghafte Zunahme von missgebildet geborenen Kindern noch nicht mit Sicherheit auf Contergan zurück geführt werden.



Druck durch die Medien

Erst der Arzt Widukind Lenz aus Hamburg und der australische Gynäkologe William Griffith McBriden zeigten – unabhängig voneinander – den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Contergan in der Schwangerschaft und den Missbildungen der Kinder auf. Grünenthal zeigte zunächst keinerlei Reaktion auf die Ergebnisse. Auch 1.600 Meldungen über Fehlbildungen bei Kindern konnten den Verkauf des Medikamentes nicht stoppen. Erst ein Artikel in der "Welt am Sonntag" am 26. November 1961 brachte das Unternehmen dazu, das Mittel vom Markt zu nehmen.



Prozess gegen die Verantwortlichen

Vor dem Landgericht Aachen begann dann am 18. Januar 1968 der Prozess gegen die Verantwortlichen bei Chemie Grünenthal wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung. Verantworten mussten sich der Eigentümer Hermann Wirtz, der wissenschaftliche Direktor Heinrich Mückter, Geschäftsführer Jacob Chauvistré sowie der kaufmännische Leiter, der Vertriebsleiter, der Abteilungsleiter und weitere bei Grünenthal beschäftigte wissenschaftliche Mitarbeiter, Ärzte und Prokuristen. Am 27. Mai 1968 fand der erste Prozesstag statt. Am 10. April 1970 kam es schließlich zu einem Vergleich der Eltern der Geschädigten mit Grünenthal. Sie verzichteten so auf Schadensersatzansprüche in Milliardenhöhe. Im Gegenzug wurde ein Entschädigungsbetrag von 100 Millionen Mark in die Stiftung "Hilfswerk für behinderte Kinder", später umbenannt in Conterganstiftung, eingezahlt. Am 18. Dezember 1970, dem 283. Verhandlungstag, stellte das Gerichte das Strafverfahren wegen geringfügiger Schuld der Angeklagten und mangelnden öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein.



Bis heute "bedauert" Grünenthal lediglich die Vorkommnisse

Bis heute ist die Firma Grünenthal nicht bereit, eine Entschuldigung gegenüber den Opfern zu erbringen. Man bedauere, was geschah. In einer Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks aus dem Jahr 2007 mit dem Titel „Contergan – Die Opfer, die Anwälte und die Firma“ wird eine schriftliche Stellungnahme des Konzernes wie folgt zitiert: „Da wir im Zusammenhang mit der Contergan-Tragödie kein schuldhaftes Verhalten unsererseits sehen, wäre eine Entschuldigung nicht angemessen!“ Nachdem 2008 die Bundesregierung die Renten für Contergan-Opfer verdoppelt hatte, sah sich der Konzern in der Pflicht, 50 Millionen Euro in die Conterganstiftung einzuzahlen. "Grünenthal-Firmenchef Sebastian Wirtz nannte die gemeinsame Aufarbeitung der Tragödie mit den Betroffenen eine `Herzensangelegenheit´", schrieb "Der Tagesspiegel" am 7. Mai 2008 in seiner Online-Ausgabe.



Betroffene sind im Bundesverband Contergangeschädigter zusammengeschlossen

Der Bundesverbands Contergangeschädigter geht davon aus, dass weltweit etwa 10.000 contergangeschädigte Kinder geboren worden sind, von denen etwa 7.000 auf Deutschland entfallen. Rund 4.000 dieser Kinder in Deutschland starben dem Verband zur Folge an diesen Schädigungen. Hierzu kommt eine unbekannte Anzahl von Kindern, die während die Schädigungen in der frühen Schwangerschaft nicht überlebt und so bereits in der Schwangerschaft gestorben sind. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.gruenenthal-opfer.de.


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Beitrag Verfasst: Sonntag 27. November 2011, 13:39 
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Contergan-Opfer: Demo zum Jahrestag
Etwa 200 Contergan-Opfer haben am Samstag in Berlin für eine höhere Entschädigung demonstriert.
Das Schlafmittel Contergan, das Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre verkauft wurde, führte dazu,
dass tausende Frauen schwer missbildete Kinder zur Welt brachten.
An diesem Wochenende jährt sich zum 50. Mal die Marktrücknahme des Medikaments durch den Herstellerkonzern Grünenthal.

Anerkannte Opfer erhalten bis heute finanzielle Leistungen von der 1972 gegründeten Conterganstiftung.
Viele Betroffene sind jedoch trozdem auf Sozialhilfe angewiesen.

Quelle: ARD Videotext Tafel 146, Nachrichten aus aller Welt


Keinen Fisch,aber einen Dank an @Robbe für diesen Bericht.

  


Beitrag Verfasst: Sonntag 27. November 2011, 19:45 
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Contergan-Skandal "Meine Mutter hatte Angst, dass mir jemand die Hände abhackt"
Sein Vater war als Forscher in den Contergan-Skandal verwickelt, Albrecht von Schrader-Beielstein lebt als Arzt bei München. Nun spricht er über die Angst seiner Familie vor Racheakten und das fehlende Schuldbewusstsein seines Vaters.
Der Vater von Albrecht von Schrader-Beielstein war einer der Angeklagten des Contergan-Prozesses, der 1970 im Vergleich endete. Der heute 57-jährige Sohn lebt als Arzt in Wörthsee.
SZ: Wann in Ihrem Leben hörten Sie zum ersten Mal das Wort Contergan?

Albrecht von Schrader-Beielstein: Da war ich sechs Jahre alt. Mir fiel damals auf, dass mein Vater immer so lange im Büro war. Als ich meine Mutter fragte, warum das so ist, da sagte sie mir, es gäbe Schwierigkeiten mit einem Medikament. Und das heiße Contergan.

SZ: Wie wirkten Ihre Eltern auf Sie - nervös, angespannt?

Schrader-Beielstein: Ja, doch. Mehr als einmal sah ich meine Mutter weinen. Richtig bewusst wurde mir der Ernst der Lage aber erst 1963. Da war ich neun Jahre alt. In dieser Zeit sah ich meinen Vater nur noch in Begleitung - heute würde man sagen "der grauen Männer" - also von Rechtsanwälten. Unser Wohnzimmer war jeden Abend zugesperrt, weil dort die Vorbereitung auf den Prozess stattfand.

SZ: Empfanden Sie das als spannend, oder eher doch als belastend?

Schrader-Beielstein: Wir mussten immer den Mund halten, wenn die "grauen Männer" da waren. Meine Mutter hat uns bedeutet, dass der Prozess in die entscheidende Phase geht, und dass es jetzt darum geht: Kommt Papa ins Gefängnis - oder nicht? Ich habe immer noch die Worte meiner Mutter im Ohr: "Ihr müsst jetzt ruhig sein, sonst kommt Papa ins Gefängnis!"

SZ: Ihre Familie war also traumatisiert?

Schrader-Beielstein: Insbesondere meine Mutter. Sie lebte in ständiger Angst, dass mich Eltern von Contergan-Kindern auf dem Schulweg abfangen könnten und mir aus Rache für ihr behindertes Kind die Hände abhacken. So wurden wir immer zur Schule gefahren, was damals eher unüblich war.

SZ: Welche Rolle spielte Ihr Vater in der Contergan-Affäre?

Schrader-Beielstein: Als stellvertretender Forschungsleiter war er mit verantwortlich für die Vortestung des Medikaments. Es war zwar damals unüblich, die Auswirkungen der Substanzen auf Embryos zu untersuchen. Aber der Knackpunkt war ja der: Zum Zeitpunkt der ersten Meldungen über verendete Embryos und missgebildete Neugeborene wurde nicht früh genug reagiert. Das Medikament war wirtschaftlich gesehen ein Renner, wurde vermarktet als gutes Schlafmittel und als Mittel gegen Übelkeit bei Schwangeren.

SZ: Aus heutiger Sicht war das eine fatale Fehlentscheidung.

Schrader-Beielstein: Man muss auch fairerweise sagen: Die meisten Frauen, bei deren Kindern es zu Schädigungen kam, hatten eine Überdosis von Contergan genommen. Das war früher üblich, man kennt das noch von Marilyn Monroe: Die hat sich zwei, drei Schlaftabletten reingehauen - und noch einen Whisky obendrauf. Das wird in der heutigen Diskussion oft vergessen.

SZ: Wollen Sie damit etwa sagen, die Frauen waren selber schuld?

Schrader-Beielstein: Nein, nein, nein, nein, nein! Das Mittel hat die Embryonen geschädigt - eindeutig. Aber viele Leute haben früher einfach nicht den Beipackzettel gelesen. Die haben gesagt: "Das Zeug wirkt, da nehme ich lieber gleich zwei Tabletten von."

SZ: Das Medikament ist bis heute auf dem Markt - unter welchem Namen?

Schrader-Beielstein: Das heißt jetzt Thalidomid. Es wird auch bei uns eingesetzt: bei besonderen Formen von Blutkrebs. In Israel und in Afrika wird es auch hergenommen bei Lepra, und da hat es eine hervorragende Wirkung. Aber das Medikament wird auch weiterhin als Schlafmittel verkauft - nicht bei uns, aber in Südamerika oder in Afrika. Man muss allerdings hinzufügen, dass sich die Firma Grünenthal von diesem Produkt getrennt hat, es wird nun von anderen hergestellt.

SZ: Es ist also davon auszugehen, dass in Südamerika und in Afrika weiterhin Contergan-geschädigte Kinder auf die Welt kommen?

Schrader-Beielstein: Das ist sehr wahrscheinlich, aber keiner schaut danach. Wir haben dafür nur Belege aus Brasilien und Uruguay.

SZ: Wie haben Sie Ihren Vater als Mensch in Erinnerung?

Schrader-Beielstein: Er war gewissenhaft, sehr genau. Ich hörte mehrfach, dass er wohl zu erreichen versucht hatte, dass die Firma Grünenthal Contergan vom Markt nimmt. Aber da konnte er sich nicht durchsetzen. Nach Ende des Contergan-Prozesses hat er Grünenthal umgehend verlassen, weil er der Auffassung war, dass das nicht fair und korrekt abgelaufen war. Er hätte es gerne früher getan, doch er brauchte während des Prozesses den Rechtsschutz der Firma - es ging ja um Unsummen von Geld.

SZ: Haben Sie als Erwachsener mit Ihrem Vater noch darüber gesprochen?

Schrader-Beielstein: Ja, natürlich. Er hatte - auch noch, als er dann hier in Bayern lebte - sämtliche Prozessakten als Kopien aufbewahrt.

SZ: Hat er sich Vorwürfe gemacht?

Schrader-Beielstein: Nein, ein Schuldbewusstsein im klassischen Sinne hatte er sicherlich nicht. Er sagte sich stets, dass er als Forscher alles gemacht hatte, was damals üblich war. Doch er war sehr glücklich, als nach dem Contergan-Skandal ein neues Arzneimittelgesetz beschlossen wurde, das für solche Katastrophen gar keinen Raum mehr lässt.

SZ: Was empfinden Sie beim Anblick von Contergan-Opfern?

Schrader-Beielstein: Es betrübt mich, dass sie keinen größeren finanziellen Ausgleich bekommen. Viele sind letztlich auf Hartz-IV angewiesen. Das ist sehr traurig.
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/contergan-skandal-meine-mutter-hatte-angst-dass-mir-jemand-die-haende-abhackt-1.1219913

  


Beitrag Verfasst: Montag 28. November 2011, 09:14 
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Contergan - 50 Jahre danach
Von Jeannette Mayer für WEB.DE
Contergan - 50 Jahre danach

Nur vier Jahre war das Schlafmittel "Contergan" auf dem Markt. Genügend Zeit, um das Leben von etwa 10.000 Kindern weltweit für immer zu verändern. Christian Knabe ist eines von ihnen. Uns erzählte der inzwischen 50 Jahre alte Münchner Pressefotograf und Künstler von seinem Schicksal und wie er heute damit lebt.

Es ist ein schöner, ungewöhnlich warmer Novembertag. In einem Café in München sitzt ein Mann mit mittelblonden, kurzen Haaren, hoher Stirn und eckiger Brille. Langsam beugt er sich zu dem Tisch vor ihm hinunter - bis seine Nasenspitze fast die aufgeschäumte Milch des Cappuccinos in der großen Kaffeetasse berührt. Mit seinen Händen, die fast direkt an den Schultern angewachsen sind, hebt er die Tasse etwas an, trinkt einen Schluck, dann beginnt Christian Knabe zu erzählen. "Der Jahrestag löst heute bei mir viel Arbeit aus, Pressearbeit. Früher jedoch habe ich mich an solchen Tagen schlecht gefühlt und gedacht, 'Wann hören die endlich auf, über dieses Thema zu reden? Mein Gott, jetzt bin ich schon wieder Opfer, jetzt muss ich schon wieder daran denken, dass ich eigentlich mit zwölf hätte sterben sollen'."

Solche Tage - damit meint der Münchner Pressefotograf und Künstler Tage, an denen der größte Arzneimittelskandal in der Geschichte der Bundesrepublik wieder ins öffentliche Bewusstsein rückt. So ein Tag ist der 27. November. An diesem Datum vor genau 50 Jahren wurde das als völlig harmlos angepriesene Schlaf- und Beruhigungsmittel "Contergan" aus dem Handel genommen. Bis dahin hatte sein Hauptwirkstoff Thalidomid bereits bei rund 10.000 Säuglingen weltweit schwere Missbildungen des Körpers und/oder der inneren Organe verursacht. So auch bei Christian Knabe.
"Die Contergan-Katastrophe bestand aus zwei Teilen: Der erste Teil war die Missbildung, der zweite war der Umgang damit"

Am 11. Oktober 1961 kommt Christian Knabe in einem Krankenhaus in Mühldorf am Inn zur Welt. Gleich nach der Geburt wird klar, mit dem Jungen stimmt etwas nicht. An den Stellen, wo seine Arme sein sollten, ragen nur kurze Stümpfe mit grotesk verrenkten Händchen aus dem kleinen Körper. Christian Knabe ist ein Opfer von "Contergan".

"Die Missbildungen waren ein Teil der Contergan-Katastrophe", sagt der Fotograf heute, "der zweite Teil war der Umgang dami". Als er 18 Monate alt ist, wird der Junge mit hohem Fieber in eine Münchner Kinderklinik eingeliefert - dann bleibt plötzlich sein Herz stehen. "Während mein Vater mich durch eine Herzmassage wieder ins Leben zurückholte, füllte die Kinderärztin bereits einen Totenschein aus mit den Worten 'Ach, lassen Sie ihn sterben'".

Solche Erlebnisse nähren das Gefühl der Eltern, mit einem behinderten Kind von nun an Ausgestoßene der Gesellschaft zu sein. Die Kinder wurden darauf trainiert, ihre Behinderung zu verbergen. "Es gab sogar die Idee, etwa künstliche Arme für den Alltag auf der Straße zu bauen, damit man die kurzen Arme nicht sieht", erzählt Christian Knabe. Die qualvolle Prozedur, die er als Fünfjähriger über sich ergehen lassen musste, ist dem Münchner bis heute noch gut im Gedächtnis. "Um einen Körperabdruck von mir zu nehmen, wurde ich eingegipst, zweimal - und dieser Gipsabdruck war verdammt heiß", erinnert er sich. "Mithilfe dieses Abdrucks wurde dann eine Apparatur gebastelt, in die ich meinen Arm hineinlegen musste. Vorne wurde noch ein Stift dran geschraubt - damit sollte ich von nun an schreiben und zeichnen." Doch das fiel dem Kind, das mittlerweile gelernt hatte, mit seiner Behinderung zu leben, viel schwerer als ohne Prothese. "Es gibt keine Hilfsmittel für Contergan-Opfer. Aber das wollte man damals einfach nicht wahrhaben", sagt der 50-Jährige heute.

Auch die Möglichkeit, Contergan-Kindern könnten eine hohe Lebenserwartung haben, wurde damals nicht in Betracht gezogen. "Den Eltern erzählte man, ihre Kinder seien so schwach, dass sie spätestens mit zwölf Jahren sterben würden", berichtet der Münchner. Als die Kinder das Alter erreicht hatten, hieß es, mit 16 wäre es endgültig aus, später dann korrigierte man das Höchstalter erneut nach oben. Das hat Spuren hinterlassen - nicht nur bei den Eltern. "Mit Anfang 20 bekam ich eine Trigeminusneuralgie, eine Art Nervenentzündung. Dazu kamen noch starke Rückenschmerzen - mir ging es richtig elend. Und plötzlich fiel mir wieder ein, was man mir als Kind gesagt hatte: 'Ihr werdet mit zwölf sterben'", erzählt Christian Knabe. "Ich zog mich zurück, wollte keine neuen Freunde mehr kennen lernen. Ich wollte nicht, dass sie zusehen müssen, wie ich sterbe."


"Mein Vater hatte meiner Mutter die Tablette heimlich unters Essen gemischt. Ich habe ihm verziehen."

Heute ist Christian Knabe 50. Seinen Jahrestag feiert er im gleichen Jahr wie die Marktrücknahme von "Contergan". Dass sein Leben hätte anders aussehen können, wäre er nur wenige Monate später geboren worden, darüber macht sich der Fotograf jedoch keine Gedanken: "Es ist nun einmal so gewesen. Pech gehabt."


Bis er sein Schicksal so gelassen annehmen, seinen Körper akzeptieren konnte, war es ein langer Weg. "Das habe ich erst mit über 30 geschafft", sagt Christian Knabe. Davor lagen Phasen der Verzweiflung, der Bitterkeit und Wut. "Ich war wütend auf die Grünenthal (Pharmakonzern, der "Contergan" entwickelt und vertrieben hat, Anm. d. Red.), auf die Wissenschaftler. Diese Phase musste ich durchleben, um einen kühlen Kopf zu bekommen."

Auch seinen Eltern hat er schon lange verziehen. "Eines Tages, da war ich so 14 Jahre alt, hat sich mein Vater unter Tränen bei mir entschuldigt", erzählt der 50-Jährige mit zittriger Stimme. "Meine Mutter konnte damals nicht schlafen und wollte keine Medikamente nehmen. Der Arzt hat dann das Medikament meinem Vater gegeben und ihm gesagt, er solle es ihr heimlich unters Essen mischen. Das hat er getan. Und dafür hat er sich bei mir entschuldigt. Ich konnte ihm das verzeihen - selbstverständlich."

Die Frage nach einer möglichen Schuld oder einem Schuldigen ist für den Contergan-Geschädigten ohnehin zweitrangig. "Wir müssen uns jetzt vielmehr für die Öffentlichkeit sichtbar zusammensetzen und endlich Nägel mit Köpfen machen", sagt Knabe. Es ist höchste Zeit, dass etwas für die Opfer getan wird.
"Hören wir auf, uns zu schämen, weil wir Hilfe brauchen"

Bei vielen Contergan-Geschädigten ist inzwischen der Körper nahezu steif geworden, weil sie ihn zeitlebens überdehnt haben. Hinzu kommen noch unentdeckte Folgeschäden des Medikaments. So wie etwa ein Nervenschaden, der sich erst jetzt, nach Jahrzehnten bei einer Vielzahl der Opfer allmählich zeigt. "Beim Gehen ist mir plötzlich das Bein weggeknickt. Ich konnte es nicht mehr spüren", erzählt Christian Knabe. "Viele Contergan-Geschädigte haben mir ähnliches geschildert."

Die Hilfsbedürftigkeit nimmt zu, während das finanzielle wie medizinische Versorgungsnetz immer löchriger wird. Viele Regelungen sind längst veraltet und wurden getroffen, als man noch davon ausging, Opfer von "Contergan" hätten keine hohe Lebenserwartung. Wie viele andere fordert Christian Knabe daher eine Verbesserung der medizinischen Situation, ein umfassendes Informationssystem für Betroffene wie für Ärzte und natürlich eine finanzielle Absicherung, damit Contergan-Geschädigte nicht mehr von Sozialhilfe abhängig sind und sich selbst helfen können. "Hören wir endlich auf, uns zu schämen, weil wir Hilfe brauchen!"

Contergan - Die Fakten:

Am 1. Oktober 1957 bringt der deutsche Pharmakonzern Grünenthal das als hochwirksam und dabei als ausgesprochen verträglich ausgewiesene Beruhigungs- und Schlafmittel "Contergan" auf den Markt. Zwei Jahre später kommen bereits erste Verdachtsfälle auf, der Hauptwirkstoff Thalidomid könnte Nervenreizungen an Händen und Füßen auslösen.

Anfang der 1960er Jahre häufen sich Meldungen über Säuglinge, die mit Missbildungen der Organe und des Körpers geboren werden. Der Hamburger Kinderarzt Dr. Widukind Lenz ist der Erste, der diese Fehlbildungen mit dem Arzneimittel "Contergan" in Verbindung bringt. Am 16. November 1961 bringt Lenz seinen Verdacht bei Grünenthal vor. Elf Tage lang geschieht nichts. Erst auf massiven öffentlichen Druck hin und nach Erscheinen eines entsprechenden Zeitungsartikels in der "Welt am Sonntag" wird das Medikament am 27. November 1961 schließlich vom Markt genommen. Bis dahin sind schon etwa 10.000 Kinder weltweit mit verkrüppelten oder gänzlich fehlenden Gliedmaßen und/oder Organen zur Welt gekommen. Etwa die Hälfte von ihnen stirbt kurz nach der Geburt.

Am 27. Mai 1968 beginnt in Aachen der Prozess gegen neun leitende Mitarbeiter von Grünenthal. Er endet zwei Jahre später mit einem Vergleich: Die Eltern der Geschädigten erhalten vom Pharmakonzern eine Entschädigung in Höhe von 100 Millionen DM, eingezahlt in die "Conterganstiftung". Dafür verzichten sie auf weitere Klagen wie auf weitere Ansprüche. Am 18. Dezember 1970 wird der Prozess wegen geringfügiger Schuld der Angeklagten und wegen mangelnden öffentlichen Interesses schließlich eingestellt.

Aufgrund der Contergan-Tragödie wird 1976 in Deutschland ein Arzneimittelgesetz erlassen, nach dem neue Präparate erst umfassend am Menschen getestet werden müssen, bevor sie auf den Markt kommen.

Thalidomid, der Hauptwirkstoff des "Contergan"-Mittels, wird heute zur Behandlung von Lepra, Krebs und AIDS eingesetzt. Wegen unzureichender Aufklärung, kommt es vor allem in Brasilien immer wieder zu Fehlbildungen bei Neugeborenen.


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Beitrag Verfasst: Montag 28. November 2011, 09:25 
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Pharma-Skandal Contergan: Ein Leben ohne Arme
Medikamenten-Tragödie wurde vor 50 Jahren gestoppt - Leiden dauert bis heute an - vor 3 Stunden

NÜRNBERG - Am 27. November 1961, vor 50 Jahren, wurde Contergan vom Markt genommen. Bis heute leiden Menschen an den Folgen des Medikaments.
Marita Pachter ist es gewohnt, Widerstände zu überwinden. Das geht nur mit Energie, nicht mit Klagen — und deshalb erzählt sie erst auf Nachfragen, dass ihr Rücken häufig schmerzt: „Er wird ja täglich überlastet.“

Dies hat einen besonderen Grund: Die 49-Jährige, die in der Nähe von Altdorf lebt, ist Contergan-geschädigt: Ihre beiden Hände sind eng am Körper angewachsen, so dass sie sich viel häufiger bücken muss als andere Menschen. Das schadet besonders der Wirbelsäule.

Contergan war ein Beruhigungs- und Schlafmittel, das das Pharmaunternehmen Grünenthal 1957 rezeptfrei auf den Markt gebracht hatte. Es wirkte dazu gegen die typische Morgenübelkeit im Frühstadium einer Schwangerschaft — also wurde es besonders werdenden Müttern empfohlen.



Mit verheerenden Folgen: Denn dass die Arznei heranwachsende Kinder schädigen konnte, war mit den damals gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen nicht entdeckt worden. Weltweit wurden in der Folgezeit rund zehntausend Kinder geboren — ohne Arme oder Beine, mit nur einer Niere, mit defekten Gelenken oder mit Sehbehinderungen. Etwa 2500 leben heute in der Bundesrepublik.
Aufmerksamer Arzt

Dass dieser Spuk ein Ende nahm, ist das Verdienst des Hamburger Kinderarztes Widukind Lenz. Er hat die Geschichte kurz vor seinem Tod im Jahr 1995 in einem Gespräch mit unserer Zeitung erzählt: norddeutsch-nüchtern und sachlich, obwohl es sich um die größte Tragödie in der deutschen Nachkriegsmedizin handelte.

Weil er auch Erbforscher war, fiel ihm die steigende Zahl behinderter Kinder auf, die auf die Welt kamen. Er suchte deshalb nach einer gemeinsamen Ursache — und fand sie ihn Contergan. Erst schilderte er seinen Verdacht auf einem Kongress, kurz darauf verständigte er Grünenthal. Am 27. November 1961, vor genau 50 Jahren, wurde das Mittel vom Markt genommen.

Dass er wegen seiner Unbeirrbarkeit damals seine Karriere riskierte, dass er sich ständigen Angriffen aussetzte, das hat er damals übrigens nicht erwähnt. Auch nicht, dass ihm Grünenthal-Vertreter noch am 20. November 1957 „Rufmord an einem Medikament“ vorgeworfen hatten. Konsequenz war ihm wichtiger als Angst. Grünenthal gelang es, die finanziellen und juristischen Folgen der Katastrophe zu begrenzen: Firmenmitinhaber Hermann Wirtz und acht seiner leitenden Angestellten müssen sich zwar 283 Verhandlungstage vor dem Landgericht Aachen verantworten, aber das Verfahren wird am 18. Dezember 1970 eingestellt.

Das ist das Ergebnis eines komplizierten juristischen Deals: Die Firma gibt 100 Millionen Mark an eine Stiftung, der Bund die gleiche Summe. Zugleich werden weitere Regressansprüche gesetzlich ausgeschlossen. Die Zahlungen an die Betroffenen sind eher bescheiden: Im Höchstfall waren es damals 25000 Mark Einmalleistung und 450 Mark monatliche Rente.
Rente verdoppelt

Wenigstens finanziell verbessert hat sich die Situation der Betroffenen erst nach 2007: Ein zweiteiliger ARD-Film mit den Titeln „Eine einzige Tablette“ und „Der Prozess“ erregt Aufsehen. Der Bundestag verdoppelt die bis dahin mehrfach angepassten monatlichen Zahlungen auf heute mindestens 250 und höchstens 1127 Euro. Ein Vertreter der Grünenthal-Eigentümerfamilie Wirtz beginnt sogar Gespräche mit dem Bundesverband Contergangeschädigter. Doch die Hoffnung auf eine Einigung zerbricht schnell: Grünenthal zahlt zwar freiwillig weitere 50 Millionen Euro in die Stiftung ein, der Bund ebenso. Aus dieser Summe gibt es jährliche Sonderzahlungen. Außerdem verspricht die Firma, sich um Härtefälle zu kümmern. Margit Hudelmaier, Vorsitzende des Bundesverbandes, reicht das jedoch nicht: „Es war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aber jetzt gibt es keine Bereitschaft mehr, weiter zu helfen.“

Denn nun zeigen sich zahlreiche Spätschäden. Wer zum Beispiel mit den Füßen schreibt, weil er keine Hände hat, bekommt mit etwa 50 fast unweigerlich Hüftschmerzen. Die Behandlungen müssen bezahlt werden, und nicht immer übernehmen die Krankenkassen nötige Massagen. Viele Geschädigte müssen vorzeitig in Rente; auch dann fehlt Geld.

Dass das Alter zum Problem werden kann, weiß auch Marita Pachter: „Für mich ist es ein großes Glück, dass ich einen Mann habe, der mich begleitet“, sagt sie heute. Aber ihr ist klar: Wenn sie später einmal allein sein sollte, „dann muss ich vielleicht in ein Heim“.
http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/politik/pharma-skandal-contergan-ein-leben-ohne-arme-1.1685175

  


Beitrag Verfasst: Montag 28. November 2011, 09:27 
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Ein Leben voller Schmerzen

Das Medikament Contergan wurde vor 50 Jahren vom Markt genommen / Opfer fordern Hilfe.

AACHEN (dpa). Contergan: Vor 50 Jahren, am 27. November 1961, hat das Unternehmen Grünenthal sein katastrophal wirkendes Schlafmittel vom Markt genommen. Tausende Schwangere brachten nach der Einnahme missgebildete Kinder zur Welt. Dem Unternehmen geht es gut heute – etlichen Opfern nicht. Etwa 200 Contergan-Opfer demonstrierten am Samstag in Berlin für eine höhere Entschädigung.
Viele Contergan-Geschädigte sind arm, ertragen ihre Schmerzen als Folge lebenslanger Fehlbelastung nur mit Morphium. Es gibt unglaublich viel Wut. "Grünenthal hat uns so gemacht und lässt uns jetzt sitzen", sagt Margit Hudelmeier. Die Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter ist 51 Jahre alt. Ihre Knochen und Sehnen seien aber so wie bei einer 70-Jährigen.

Hat Grünenthal damals zu spät reagiert? Hätte das Unternehmen Contergan früher vom Markt nehmen müssen? Die Opfer meinen: Ja. Das Unternehmen sagt: Nein. Nur zwölf Tage nach den ersten schrecklichen Verdachtsmomenten habe es reagiert und das Mittel vom Markt genommen. "Diese Zeitspanne ist auch nach heutigen Maßstäben sehr kurz", gibt das Unternehmen in einer schriftlichen Stellungnahme an.

Für Hans-Helmut Günter ist das nur die halbe Wahrheit. Schon zwei Jahre nach der Markteinführung habe es 1959 erste Meldungen gegeben, dass Contergan zu Nervenschäden führe. "Also konnte Contergan ja nicht ungiftig sein", sagt Günter, einer der drei Staatsanwälte im Contergan-Prozess 1968. Trotzdem dauerte es zwei weitere Jahre, bis Grünenthal im Mai 1961 den Antrag auf Rezeptpflicht stellte. Zwei weitere Jahre, in denen Schwangere bedenkenlos Tabletten schluckten, die angeblich harmlos "wie Zuckerplätzchen" sein sollten – wie die Werbung Glauben machte. Contergan war ein Verkaufsschlager. "Es ging um Geld. Um sehr viel Geld", sagt Günter. Laut Anklage habe das Familienunternehmen Wirtz mit dem Schlaf- und Beruhigungsmittel 1960 allein im Monat Mai einen Erlös von über 650 000 D-Mark erzielt und im Mai des drauffolgenden Jahres über 1,3 Millionen Mark.

Kaum jemand hat den Arzneimittelskandal wissenschaftlich so detailliert aufgearbeitet wie 1999 die Pharmakologin Beate Kirk. In ihrer Analyse geht sie davon aus: Hätte Grünenthal das Mittel schon 1960 vom Markt genommen, hätte es nur halb so viele missgebildete Kinder durch den Wirkstoff Thalidomid gegeben. Die meisten geschädigten Kinder seien 1961 und 1962 geboren worden. Weltweit wurden 10 000 Kinder mit Missbildungen geboren. Von den 5000 Opfern in Deutschland leben noch 2700.

50 Jahre danach geht es immer noch um Schuld – die Grünenthal nie eingestanden hat – und Sühne. "Wir wollen 100 000 Euro pro Opfer für die erlittenen Lebenseinbußen", sagt Margit Hudelmeier. Gemessen an den Forderungen anderer Opferverbände wirkt das bescheiden.

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Beitrag Verfasst: Montag 28. November 2011, 11:48 
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50 Jahre nach dem Medikamentenskandal "Wir erleben eine zweite Contergan-Katastrophe"

Die Opfer des größten deutschen Arzneimittelskandals sind inzwischen um die 50 Jahre alt - und ihre Probleme größer denn je: Der pflegerische Bedarf steigt, die finanziellen Mittel fehlen. Margit Hudelmaier, Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter, über den Kampf mit dem Pharmakonzern Grünenthal - und den erneuten Einsatz des gefährlichen Wirkstoffs Thalidomid.

1957 bringt der deutsche Pharmakonzern Grünenthal das Schlafmittel Contergan auf den Markt. Das Präparat wird weltweit als "völlig ungiftig" beworben und auch Tausenden Schwangeren verschrieben. Mit fatalen Folgen: Wie sich herausstellt, führt der enthaltene Wirkstoff Thalidomid zu Nervenschädigungen - und schweren embryonalen Störungen. Auf entsprechende Tests zu einer möglichen fruchtschädigenden Wirkung des Arzneimittels hatte Grünenthal, mutmaßlich aus Kostengründen, verzichtet. Am 27. November 1961 nimmt das Unternehmen Contergan schließlich aus dem Handel - doch da hat die Katastrophe längst ihren Lauf genommen. Allein in Deutschland werden etwa 5000 Babys mit missgebildeten Organen und Gliedmaßen geboren. Etwa 40 Prozent der Kinder sterben kurz nach der Geburt oder im Säuglingsalter. Im größten Arzneimittelskandal in der Geschichte der Bundesrepublik müssen die Betroffenen in einem jahrelangen Rechtsstreit um Entschädigung kämpfen. 1971 überweist Grünenthal der Contergan-Stiftung schließlich 100 Millionen Mark. Aus Bundesmitteln wird das Stiftungsvermögen um weitere 100 Millionen Mark ergänzt. Diese Summe ist jedoch bereits 1997 aufgebraucht. Im Gespräch mit sueddeutsche.de erklärt Margit Hudelmaier, Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter, warum die Betroffenen 50 Jahre nach der Katastrophe erneut zu Opfern werden.

sueddeutsche.de: Frau Hudelmaier, die meisten der 2400 Contergangeschädigten in Deutschland sind mittlerweile um die 50 Jahre alt - wie geht es ihnen heute?

Margit Hudelmaier: Das kommt immer auf die jeweilige Behinderung an. Ich zum Beispiel bin relativ schwer geschädigt: Ich habe zwei ganz kurze Arme, die direkt an den Schultern angewachsen sind. Für mich bedeutet mittlerweile schon das Aufstehen morgens eine große Herausforderung. Wobei ich noch das Glück habe, dass mir mein Mann und mein Sohn beim Duschen oder Anziehen helfen können. Dadurch habe ich noch die Energie, zur Arbeit zu gehen. Anderen mit meiner Behinderung fehlt diese Unterstützung jedoch: Die strengt das morgendliche Ritual so an, dass sie danach eigentlich direkt wieder ins Bett gehen könnten.

sueddeutsche.de: Sie sprechen auch von einer zweiten Contergan-Katastrophe. Was meinen Sie damit?

Hudelmaier: Mit dem Älterwerden kommen zu den ursprünglich bereits schweren Beeinträchtigungen schmerzhafte Folgeschäden hinzu. Die jahrelangen atypischen Bewegungen haben uns vorzeitig altern lassen: Wir sind jetzt alle um die 50, aber unsere Körper entsprechen denen von 70- bis 75-Jährigen. Selbst diejenigen, die früher in der Lage waren zu arbeiten, schaffen das heute vielfach nicht mehr: Weil die wenigsten Vollzeit tätig waren, sind die Rentenansprüche entsprechend gering. Und die Helfersysteme, die sich uns bisher moralisch verpflichtet gefühlt haben, brechen weg: Eltern sterben, Partner werden krank - und Kinder sollen ja ihren eigenen Weg gehen können. Der pflegerische und damit auch der finanzielle Bedarf steigen.

sueddeutsche.de: Da wäre doch an erster Stelle der verantwortliche Pharmakonzern Grünenthal in der Pflicht: Bekommen Sie von dort Unterstützung?

Hudelmaier: Im Gegenteil! Die behaupten zwar gerne, die "Contergan-Tragödie" sei Teil der Unternehmensgeschichte - aber das ist nur Augenwischerei. Der Begriff "Tragödie" impliziert, dass es sich bei der Contergan-Katastrophe um etwas Schicksalhaftes handelt, auf das Grünenthal keinen Einfluss hatte. Dabei hätte die Katastrophe sehr wohl verhindert werden können. 2006 hat der Konzern zunächst alles dafür getan, die Ausstrahlung des Contergan-Films (zweiteilige WDR-Dokumentation über den Medikamentenskandal, Anm. d. Red.) verbieten zu lassen. Dann kam der öffentliche Druck - und plötzlich fand sich auf der Unternehmens-Homepage ein Hinweis zu dem Film. Kaum war das Medieninteresse wieder abgeebbt, war auch der Hinweis verschwunden. So viel zum Thema Verantwortung übernehmen.

sueddeutsche.de: Aber 2009 hat Grünenthal der Contergan-Stiftung doch noch einmal 50 Millionen Euro überwiesen.

Hudelmaier: Auch nur, weil der öffentliche Druck nach der Ausstrahlung des Contergan-Films entsprechend groß war. Damals hieß es von Seiten Grünenthals medienwirksam: "Das ist nur ein erster Schritt von unserer Seite. Wir fühlen uns den Betroffenen moralisch verpflichtet."

50 Jahre nach dem Medikamentenskandal Ich bin doch nicht deren Seelenklo!

sueddeutsche: Und als die mediale Aufmerksamkeit nachließ, war es mit der Hilfsbereitschaft vorbei?

Hudelmaier: Es gab zig Gespräche, in denen wir versucht haben, unsere Situation und Bedürfnisse zu schildern. Uns wurde dann jedoch schnell vermittelt, dass man sich eine finanzielle Unterstützung nicht in diesem Maße vorstelle. Zu allem Überfluss mussten wir uns auch noch von Vertretern der Unternehmerfamilie Wirtz anhören, wie schwierig es für sie gewesen sei, dass in der Familie früher nicht über den Skandal geredet werden durfte. Da hat man dann irgendwann genug: Ich bin doch nicht auch noch deren Seelenklo!

sueddeutsche.de: Im Juni hat der derzeitige Grünenthal-Chef, Harald Stock, in einem Interview angekündigt, den Härtefällen unter den Geschädigten bei akutem finanziellen Bedarf unkompliziert helfen zu wollen.

Hudelmaier: Blenderei! Damit geht Grünenthal hausieren: Wir helfen schnell, unkompliziert und unbürokratisch. Um noch einmal auf diese 50 Millionen Euro zurückzukommen: Das war ein einziger PR-Gag - und das Gleiche gilt für Herrn Stocks Aussage. Auch die Absichtserklärung, man wolle Projekte für Contergan-Geschädigte unterstützen: Wenn wir dann als Bundesverband fragen, was der Inhalt dieser Projekte sein soll, kommt nichts - null!

sueddeutsche.de: Also sind auf die Ankündigung noch keine Taten gefolgt?

Hudelmaier: Es gibt Betroffene, die wenden sich in ihrer Verzweiflung direkt an Grünenthal. Wenn jemand in Not ist, greift er nach dem letzten Strohhalm - und Geld stinkt nicht. Menschlich kann ich das absolut nachvollziehen. Als Vorsitzende des Bundesverbandes Contergangeschädigter sehe ich solche Alleingänge allerdings problematisch: Grünenthal brüstet sich dann, dass man doch etwas tue - dabei sind das immer nur Tropfen auf den heißen Stein. Das Hilfsangebot ist auch nicht transparent: Wie wird ein Härtefall definiert? Muss es mir da zu meinen kurzen Armen noch finanziell schlecht gehen? Oder reicht es, wenn ich lange Arme habe und es mir finanziell schlecht geht?

sueddeutsche.de: Fühlen Sie sich zumindest von der Bundesregierung ausreichend unterstützt?

Hudelmaier: 2009 gab es erstmals eine Verdoppelung der monatlichen Renten. Das klingt erst einmal toll - doch wenn man ins europäische Ausland schaut: Da ist die staatliche Unterstützung teilweise drei- bis viermal so hoch wie in Deutschland. Die Bundesregierung hat jetzt eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Leistungen in anderen Ländern zu ermitteln. Von den Ergebnissen erhoffen wir uns sehr viel - wobei abzuwarten bleibt, wie die Regierung dann darauf reagiert.

sueddeutsche.de: Trotz der bekannten Nebenwirkungen wird der Contergan-Wirkstoff Thalidomid, der die embryonalen Schädigungen auslöst, heute wieder eingesetzt: beispielsweise in der Krebs-Therapie. Da klingeln bei Ihnen doch bestimmt alle Alarmglocken?

Hudelmaier: Das Klingeln ist schon wieder beendet. Das, was uns geschädigt hat - dass die Blutgefäße im Wachstum gehemmt werden - ist in der Krebstherapie hilfreich: Das Wachstum von Tumoren kann mithilfe von Thalidomid gestoppt werden. Anfangs konnte ich diesem Gedanken aus Abscheu nichts abgewinnen. Doch für Knochenkrebspatienten etwa können entsprechende Präparate der letzte Ausweg sein.

sueddeutsche.de: Sie versuchen also nicht, die Markteinführung entsprechender Medikamente zu verhindern?

Hudelmaier: Man muss sich als Contergangeschädigter überlegen: Rechtfertigt meine eigene Betroffenheit, dass ich einem anderen Menschen den letzten Strohhalm nehme? Wir als Bundesverband setzen uns mittlerweile für eine streng kontrollierte Einführung von Thalidomid-Präparaten ein: Es muss bei allen Vorteilen des Wirkstoffes ganz klar sein, was das für ein Teufelszeug ist.

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Einen Dank an @maxxboersi für diesen Link.

  


Beitrag Verfasst: Montag 28. November 2011, 12:09 
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"Ein Exempel statuieren"
Contergan-Geschädigte fordern höhere Zahlungen

Rund 200 Opfer des Schlafmittels Contergan, das bei Ungeborenen Missbildungen verursachte, demonstrierten in Berlin. Denn ihre Renten decken nach ihren Angaben den tatsächlichen Bedarf nicht ab.

Berlin.50 Jahre nach dem Contergan-Skandal fordern Opfer Schmerzensgeld und eine Entschuldigung von der Herstellerfirma Grünenthal. Rund 200 Menschen nahmen am Samstag an einer Demonstration in Berlin teil, bei der eine entsprechende Petition im Bundeskanzleramt abgegeben wurde. Das Schlafmittel war am 27. November 1961 vom Markt genommen worden. Tausende schwangere Frauen hatten damals nach Einnahme des als ungefährlich angepriesenen Mittels Kinder mit Fehlbildungen zur Welt gebracht.

Entschuldigung verlangt

An der Protestaktion in Berlin unter dem Motto "5 vor 12" nahmen auch Contergan-Geschädigte aus Spanien, Schweden, England und Norwegen teil. Weltweit leben von den rund 5000 Opfern noch schätzungsweise 2800 Betroffene, davon 2400 in Deutschland.

Man fordere eine zivilrechtliche Entschädigung seitens Grünenthal sowie eine Entschuldigung nicht nur der Firma, sondern auch der Bundesregierung und der Justiz, sagte der Sprecher.

Der Vorsitzende des Hilfswerks für Contergan-Geschädigte in Hamburg, Gernot Stracke, nannte es "unerträglich", dass Menschen, die wie er selbst tägliche Hilfe beim An- und Ausziehen, bei der Arbeit oder beim Toilettengang bräuchten, vor den Behörden als "soziale Bittsteller" dastünden. Dagegen habe das Unternehmen, das den Schaden verursacht habe, bis heute keine Entschädigung nach zivilrechtlichen Maßstäben geleistet, sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Die Contergan-Renten deckten den tatsächlichen Bedarf vieler Betroffener nicht ab, kritisierte er. Nach seinen Angaben erhalten Geschädigte derzeit eine monatliche Ausgleichszahlung der Conterganstiftung von etwa 300 bis maximal 1127 Euro. Bis 2008 habe der Höchstbetrag etwa 540 Euro betragen. Erst nach der Ausstrahlung des WDR-Films "Eine einzige Tablette" seien die Zahlungen durch den Bund und Grünenthal erhöht worden.

Für immaterielle Schäden müsse das Unternehmen Schmerzensgeld zahlen, forderte Stracke. "Wie wollen Sie wiedergutmachen, wenn jemand nicht in der Lage ist, Kinder zu kriegen? Wenn er nicht die freie Berufswahl hatte wie andere?" Es müsse ein Exempel statuiert werden, "dass eben nicht immer nur Gewinne von Unternehmen eingestrichen werden und der Schaden letztlich auf den Steuerzahler abgewälzt und sozialisiert wird".

Grünenthal hatte das Schlafmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid 1957 auf den Markt gebracht. Nach der Marktrücknahme 1961 wurde nach juristischen Auseinandersetzungen Anfang der 1970er Jahre eine Stiftung eingerichtet, in die Grünenthal und der Bund Geld einzahlten. Über die Stiftung wird unter anderem die Rente an die Contergan-Opfer ausgezahlt.dapd (dapd)

Artikel vom 28. November 2011, 03.27 Uhr (letzte Änderung 28. November 2011, 07.50 Uhr)

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Beitrag Verfasst: Mittwoch 30. November 2011, 08:49 
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Bärbel Drohmann kämpft für Contergan-Opfer

WERNE/BERLIN ▪ 50 Jahre ist es her, dass das Schlafmittel Contergan vom Markt genommen wurde. Seither kämpfen Eltern und geschädigte Kinder, heutige Erwachsene, um eine angemessene Entschädigung und ein selbstbestimmtes Leben ohne Abhängigkeit vom Sozialstaat. Auch Bärbel Drohmann aus Werne gehört zu den Betroffenen – und engagiert sich.

Die Mathe- und Erdkundelehrerin ist im Beirat des Interessenverbands Contergangeschädigter Nordrhein-Westfalen und reiste am Wochenende mit ihrem Mann zur großen Demonstration nach Berlin. Dort zogen rund 200 Contergan-Geschädigte mit Familien und Freunden vom Brandenburger Tor zum Bundeskanzleramt, um Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Petition zu überreichen.

„8000 Unterschriften hatten wir gesammelt“, berichtete Bärbel Drohmann nach ihrer Rückkehr am Montag. Bei der Petition geht es unter anderem um die Verdreifachung der derzeit bestehenden Conterganrenten von maximal 1116 Euro monatlich. Es geht um Kapitalentschädigungen nach aktuellen Maßstäben und die Schaffung eines weltweiten, für alle zugänglichen, qualifizierten ärztlichen Behandlungsnetzes, inklusive des Einsatzes von Sprachmittlern bei Bedarf.

„Frau Merkel selbst war aber nicht da“, erzählte Bärbel Drohmann. Von allen anderen aufgrund des Bundespresseballs anwesenden, hochrangigen Politikern antwortete keiner auf die Anfrage der Organisatoren. „Frau Merkel meinte, wir sollten die Petition beim Pförtner abgegeben, aber das wollten wir nicht. Wir haben sie wieder mitgenommen, hoffen auf einen neuen Termin. Bis dahin sammeln wir weiter Unterschriften.“

Als „niederschmetternd“ bezeichnet sie das Ergebnis des Wochenendes, das für die Contergan-Geschädigten wahnsinnig anstrengend gewesen sei. Kalte Temperaturen, ungewohnte körperliche Belastungen und ein emotional aufwühlendes Programm hinterließen Spuren. Bereits am Freitag gab es Vorträge zum Thema Contergan und Entschädigung. Bei der Demonstration am Samstagmittag unter dem Motto „5 vor 12 für Contergan-/Grünenthal-Opfer“ verkleidete sich Bärbel Drohmann mit drei weiteren Mitstreiterinnen als Bundesverfassungsrichter. „Wir kritisieren, dass wir in Deutschland per Gesetz mit minimalen Renten abgespeist werden. Davon müssen auch noch hohe Zuzahlungen zu Hilfsmitteln geleistet werden.“ Allein das Umrüsten ihres VW Polos auf Fußlenkung kostete 27 000 Euro. „Wie soll man das finanzieren können?“, fragt sie.

Weiter gab es Filme und Medienberichte sowie eine Andacht, in der Eltern für ihre verstorbenen Kinder Kerzen anzündeten. „Außerdem haben wir für alle Verstorbenen schwarze Luftballons steigen lassen“, sagte Bärbel Drohmann. „Der Himmel war eine zeitlang schwarz.“

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