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Beitrag Verfasst: Donnerstag 30. August 2012, 14:08 
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Contergan-Skandal Empörung über Contergan-Denkmal
Von Nadja Erb

Die einen kündigen eine Demo an, die anderen bleiben ganz weg: Das erste Contergan-Denkmal wird morgen in Stolberg enthüllt - gegen den Willen vieler Geschädigter. Und das nicht nur, weil ausgerechnet der Pharmakonzern Grünenthal die Skulptur bezahlt.

Stein des Anstoßes ist eine gerade mal 62 Zentimeter große Bronzeskulptur des Aachener Bildhauers Bonifatius Stirnberg mit dem Titel "Das kranke Kind". Der Figur fehlen beide Arme. Sie ist Teil des ersten Mahnmals der Welt für Contergan-Geschädigte, das am morgigen Freitag in Stolberg im Kreis Aachen enthüllt wird. Doch die meisten Opfer haben etwas dagegen.

„Wir können uns mit diesem Denkmal nicht identifizieren", sagt Ilonka Stebritz, Sprecherin des Bundesverbands Contergangeschädigter, in dem der überwiegende Teil der 2400 in Deutschland lebenden Opfer organisiert sind. Vielen von ihnen stößt bitter auf, dass das Mahnmal ausgerechnet vom Pharmakonzern Grünenthal finanziert wird, der Firma, die das gefährliche Schlafmittel Contergan vor gut 50 Jahren auf den Markt brachte und hernach jahrzehntelang mit den Opfern über mögliche Entschädigungen stritt. "Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Grünenthal mit möglichst wenig Einsatz für uns Geschädigte möglichst viel für sein eigenes Image tut", sagt Stebritz.

Grünenthal könnte viel mehr für Contergangeschädigte tun, zum Beispiel was die wissenschaftliche Aufarbeitung der Contergan-Geschichte angeht", so die Verbandssprecherin weiter. Dass man sich stattdessen entscheide, mehrere tausend Euro für eine solche "medienwirksame Aktion" auszugeben, sei ein "Schlag ins Gesicht der Betroffenen".

Ähnlich sieht es der Verein Contergannetzwerk Deutschland, der ein Denkmal ohne eine damit verbundene Zusage über finanzielle Versorgung der Opfer durch Grünenthal als "blanken Hohn" empfindet und seine Mitglieder zu einer Demonstration während der Einweihungszeremonie aufruft.

Grünenthal von Kritik "überrascht"

Bei Grünenthal zeigt man sich "überrascht" ob der harschen Kritik. Grünenthal sei weder Initiator des Denkmals noch Ausrichter der Einweihungszeremonie, sagt Unternehmenssprecher Frank Schönrock. Der Contergangeschädigte Johannes Igel, auf dessen Initiative das Denkmal errichtet werde, sei vielmehr auf Grünenthal zugekommen, weil er und die Stadt Stolberg keine andere Möglichkeit der Finanzierung gesehen hätten. Stolberg ist der Firmensitz von Grünenthal.

Das Unternehmen habe sich dann dafür entschieden, das Denkmal zu bezahlen. Man habe dem "großen Anliegen der Betroffenen" Rechnung tragen wollen, weil man "dass Contergan in der Gesellschaft nicht in Vergessenheit gerät". "Wie wären denn die Reaktionen gewesen, wenn wir die Bitte abgelehnt hätten?", fragt Schönrock.

Initiator Johannes Igel sieht die Beteiligung nicht als Chance für Grünenthal, sich von der Verantwortung freizukaufen. "Ich wollte der Firma nur eine Brücke bauen, rübergehen muss sie schon selbst", sagt Igel, der selbst contergangeschädigt ist. Deshalb findet er eine Demonstration, bei der die Opfer ihre Forderungen an Grünenthal stellen können, völlig legitim. Ihn habe besonders das Schicksal der durch Contergan gestorbenen Babys gerührt - ihnen habe er mit dem Denkmal ein Zeichen setzen wollen, erklärt der Mann aus Morbach im Hunsrück.

Das reicht dem Bundesverband nicht. Er empfindet das Denkmal an sich als "ungeeignet" - und will deshalb trotz Einladung der Einweihungsfeier fern bleiben. Mit der kindlichen Anmutung der Skulptur werde nicht nur das "schuldhafte Verhalten von Grünenthal" verharmlost, es würden auch die gesundheitlichen und sozialen Probleme der Opfer heute verniedlicht, heißt es in einer Stellungnahme. "Wir sind keine Kinder mehr", sagt Ilonka Stebritz, "sondern Erwachsene, um deren Anliegen sich niemand ernsthaft kümmert, ganz besonders nicht die Firma Grünenthal."

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Beitrag Verfasst: Donnerstag 30. August 2012, 18:23 
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Deutschland
Opfer kritisieren erstes Contergan-Denkmal scharf - Statue soll Freitag eingeweiht werden

Fabian Wahl/ dapd |

30.08.2012 | 14:15:54 Uhr

Stolberg | Das weltweit erste Denkmal für die Opfer des Schlafmittels Contergan trifft bei Betroffenen auf massive Kritik. "Für uns ist klar, dass es für die Firma Grünenthal eine günstige PR-Maßnahme ist", sagte die Sprecherin des Bundesverbandes Contergangeschädigter, Ilonka Stebritz, der Nachrichtenagentur dapd. "Dass ausgerechnet Grünenthal das Denkmal zahlt, haben wir nicht gewusst." Die Bronze-Skulptur wird am Freitag (31. August) von der Stadt Stolberg bei Aachen auf Initiative des Betroffenen Johannes Igel enthüllt.
"Wir werden Contergan niemals vergessen"

Die Kosten in Höhe von 5.000 Euro hat der Stolberger Pharmakonzern Grünenthal übernommen, der Contergan vor mehr als 50 Jahren hergestellt hatte. Tausende schwangere Frauen hatten damals nach Einnahme des als ungefährlich angepriesenen Mittels Kinder mit Fehlbildungen zur Welt gebracht. Statistiken gehen von rund 5.000 Opfern aus. 1961 zog das Unternehmen das Medikament zurück.

Der Verein Contergan-Netzwerk hat für Freitag eine Demonstration in Stolberg angekündigt. Trotz der Kritik will Grünenthal an der Feierstunde teilnehmen. Hätte das Unternehmen die Finanzierung nicht übernommen, "hätte es das Denkmal zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort nicht gegeben", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir haben immer wieder betont, dass wir Contergan niemals vergessen werden." Die Einweihung sei "eine Veranstaltung der Stadt Stolberg und eine Initiative von Herrn Igel".

Verbandssprecherin Stebritz sagte: "Wir stehen nicht zum Contergan-Denkmal." Der Bundesverband Contergangeschädigter werde der Einweihung trotz Einladung fern bleiben. Bei der Umsetzung sei der Verband nicht ernsthaft involviert worden. "Die Planungen haben wir nur scheibchenweise mitbekommen. Wir wussten lange nicht, wie die Skulptur heißt, und noch länger nicht, wer sie bezahlt." Als Grünenthal als Sponsor zutage getreten sei, seien die Betroffenen "aus allen Wolken gefallen".
"Medienwirksamer Coup"

"Grünenthal hat immer noch nicht erkannt, dass es in der Schuld steht", sagte Stebritz. Es gebe genügend Dinge, die das Unternehmen für Contergangeschädigte tun könne. "Stattdessen entscheidet es sich für einen medienwirksamen Coup. Sie wollen mit möglichst geringen Mitteln den größten Effekt erzielen."

Auch die Art der Skulptur, die ein Kind ohne Arme zeigt, trifft bei dem Verband auf Unverständnis. "Das Bild eines Kindes kommt viele Jahre zu spät", sagte Stebritz. Die rund 2.400 noch in Deutschland lebenden Opfer seien inzwischen 50 Jahre und älter. "Unsere wirkliche Lebenssituation wird mit der Darstellung eines Kindes verniedlicht."

Die Statue des Künstlers Bonifatius Stirnberg soll in einem Kulturzentrum der Stadt seinen Platz finden. "Für einen Standort gibt es sicherlich prominentere Plätze als ein Kulturzentrum", kritisierte Stebritz. Die Stadt Stolberg wies die Vorwürfe zurück. Die Skulptur werde in einem stark frequentierten öffentlichen Gebäude gezeigt und von vielen Besuchern täglich gesehen, teilte eine Stadtsprecherin am Donnerstag mit.

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Beitrag Verfasst: Freitag 31. August 2012, 08:29 
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Contergan-Denkmal in Stolberg: Umstrittene Skulptur erinnert an Contergan-Opfer

Von Lisa von Prondzinski

Für die weltweit rund 10.000 Contergan-Opfer wird am Freitag (31.08.2012) in Stolberg bei Aachen ein Denkmal aufgestellt. Ein Betroffener hatte sich dafür stark gemacht. Doch die Skulptur ist umstritten, weil der Verursacher der Tragödie, die Pharmafirma Grünenthal, sie finanziert.
Die rund 60 Zentimeter große Bronze-Skulptur zeigt ein kleines Mädchen mit fehlgebildeten Armen und Beinen, eine Box und einen leeren Stuhl. "Das Mahnmal soll die Toten und die Lebenden der Contergan-Tragödie symbolisieren", erklärt Johannes Igel. Der Verwaltungsangestellte aus dem Hunsrück hat wegen Contergan selbst fehlgebildete Beinen. Auf seine Initiative geht das Denkmal zurück, das im Eingangsbereich des Kulturzentrums Frankenheim stehen wird.

Johannes Igel war beeindruckt von dem 2007 ausgestrahlten ARD-Zweiteiler "Contergan", der den Skandal um das Schlafmittel vom Ende der 50er Jahre bis zum Prozess 1970 thematisiert. Auch er wollte etwas tun, damit die Erinnerung an die weltweit rund 10.000 Opfer wach bleibt. Die "Initialzündung" hatte der 50-Jährige, als er in Berlin das Holocaust-Denkmal gesehen hat: Da war klar, er will in Stolberg eine Gedenktafel aufstellen und sei es auf eigene Kosten. In Stolberg hatte Grünenthal, die Herstellerfirma von Contergan, früher ihren Hauptsitz.
Grünenthal übernimmt Kosten für Skulptur
Vor drei Jahren wandte sich Johannes Igel an die Stadt Stolberg und im Laufe der Gespräche entwickelte sich aus der Idee einer Gedenktafel ein kleines Denkmal. Den Auftrag dafür erhielt der Aachener Künstler Bonifatius Stirnberg. Die Stadt Stolberg als insolvente Kommune stellte vorher lediglich die Bedingung, dass ein Sponsor gefunden wird. Kurzerhand sprach Johannes Igel die Pharmafirma Grünenthal auf eine Beteiligung an. Diese bot an, die Kosten voll zu übernehmen. Für Johannes Igel ist dieser Schritt eine Art Brückenbau: "Es ist ein Weg, um den Stillstand in den Gesprächen der vergangenen Jahrzehnte zwischen den Geschädigten und Grünenthal aufzubrechen."
Geschädigte erwarten mehr finanzielle Hilfe

Der Bundesverband der Contergangeschädigten dagegen spricht von einem Schlag ins Gesicht aller Contergan-Betroffenen. "Das Geld für die Skulptur tut dem milliardenschweren Unternehmen sicherlich nicht weh", meint die Verbandssprecherin Ilonka Stebritz. Zuerst sollte alles 5.000 Euro kosten, am Ende wurden es 16.000 Euro. Die Firma signalisiere zynischerweise, "dass sie das Thema Contergan auf der Agenda hat, ohne sich aber weiter ernsthaft um die Anliegen der von ihr dauerhaft geschädigten Menschen zu bemühen". Grünenthal schloss 1970 einen außergerichtlichen Vergleich mit den Eltern der geschädigten Kinder. Damals flossen als Entschädigung 100 Millionen Mark in eine Stiftung. 2009 zahlte die Pharmafirma freiwillig weitere 50 Millionen Euro. "Die Contergan-Opfer sind jedoch mittlerweile über 50 Jahre alt und damit in einem Lebensabschnitt, wo wir mehr finanzielle Hilfe benötigen, weil der Körper aufgrund der Behinderung Folgeschäden entwickelt", sagt Ilonka Stebritz. Gespräche darüber hätten bisher zu nichts geführt.
Grünenthal wehrt sich gegen Vorwürfe

Bei der Firma Grünenthal, die ihren Hauptsitz inzwischen in Aachen hat, versteht man die Aufregung nicht. Ohne den Einsatz der Firma wäre die Aufstellung der Skulptur wahrscheinlich gescheitert, deshalb habe man sich zur Finanzierung bereit erklärt, meint Frank Schönrock, Sprecher bei Grünenthal. "Wir haben den Wunsch von Herrn Igel, mit dem Denkmal einen Beitrag zu leisten, dass Contergan niemals vergessen wird, stets respektiert und verstanden." Und den Vorwurf des Bundesverbandes der Contergangeschädigten, viele der Contergan-Opfer würden immer noch auf eine Entschuldigung des Pharmaunternehmens warten, will er so nicht stehen lassen. Das Bedauern darüber sei mehrfach in Gesprächen mit Betroffenen und auch öffentlich zum Ausdruck gebracht worden. Schönrock weiter: "Sollte sich auch künftig ein Anlass als passend herausstellen, werden wir selbstverständlich unser Bedauern in dieser oder anderer Form, auch im Beisein von Betroffenen, wieder äußern."
Bundesverband hat Teilnahme an Einweihung abgesagt

Der Bundesverband der Contergangeschädigten stört sich außerdem an der kindlichen Darstellung der Skulptur. Sie sei "unpassend", weil die noch rund 2.400 in Deutschland lebenden Opfer mittlerweile über 50 Jahre alt seien, so Ilonka Stebritz. Der Verband hat seine Konsequenzen gezogen und wird nicht an der Einweihung des Denkmals in Stolberg teilnehmen. Auch der Verein Contergan-Netzwerk stößt sich an der Finanzierung durch Grünenthal und hat für Freitag (31.08.2012) eine Demonstration angekündigt. Für Johannes Igel ist das alles jedoch kein Problem. Es gebe auch Geschädigte, die seinen Standpunkt nachvollziehen könnten. Überhaupt hat er nie damit gerechnet, dass aus seiner "kleinen" Idee irgendwann so eine große Debatte entsteht.

Stand: 31.08.2012, 06.00 Uhr
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Beitrag Verfasst: Freitag 31. August 2012, 11:24 
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10:00 Uhr
Contergan-Opfer kristisieren Mahnmal

Der Pharmakonzern Grünenthal steht wegen eines Denkmals zum Contergan-Skandal in der Kritik. In Stolberg bei Aachen soll heute eine Statue enthüllt werden, die an die Contergan-Opfer erinnert. Die halten das Ganze für eine PR-Maßnahme. Die Einzelheiten:

Das Schlafmittel Contergan löste in Deutschland eine der größten Arzneimittel-Katastrophen aus. Die Kinder von Frauen, die das Mittel in den 60er Jahren genommen hatten, kamen mit Fehlbildungen zur Welt.
Die Statue in Stolberg zeigt ein Mädchen ohne Arme - der Verband der Contergan-Geschädigten kritisiert, dass der Skandal damit verniedlicht und das lebenslange Leid der Opfer übergangen wird. Außerdem stören sich die Contergan-Geschädigten daran, dass der Pharmakonzern Grünenthal das Denkmal bezahlt hat - ihrer Meinung nach aber zu wenig für eine finanzielle Entschädigung gibt.
Viele der 5.000 Contergan-Opfer in Deutschland wollen heute vor dem Firmensitz von Grünenthal in Aachen gegen die Statue demonstrieren - indem sie sich selbst als lebende Denkmäler aufstellen.

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Beitrag Verfasst: Freitag 31. August 2012, 16:56 
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Stolberg/Aachen. Der frühere Contergan-Hersteller Grünenthal hat sich erstmals bei den Opfern des Arzneimittelskandals entschuldigt. Bei der Einweihungsfeier des wohl ersten Denkmals für die weltweit 10.000 Opfer sagte Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock am Freitag in Stolberg, es sei bedauerlich, dass Grünenthal nicht viel früher auf die Opfer zugegangen sei.

«Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen.»

Grünenthal hatte zwar schon mehrfach sein Bedauern über die «Tragödie» zum Ausdruck gebracht, sich aber noch nie explizit entschuldigt. Contergan steht für den größten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die rheinische Firma Grünenthal hatte das Schlafmittel 1957 auf den Markt gebracht. Viele werdende Mütter nahmen es ein - vor allem auch weil es gegen Schwangerschaftsübelkeit half. Doch bald kamen weltweit etwa 10 000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt. In Deutschland allein waren es ungefähr 5000. 1961 zog Grünenthal das Medikament zurück.

Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom Bund. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente.


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Beitrag Verfasst: Freitag 31. August 2012, 17:41 
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Contergan-Hersteller entschuldigt sich

Stolberg - Über 50 Jahre hat es gedauert, bis sich der Contergan-Hersteller Grünenthal erstmals explizit bei den Opfern entschuldigt hat. Doch gegen ein gesponsertes Denkmal wird protestiert.

Bei der Einweihungsfeier des wohl ersten Denkmals für die weltweit 10 000 Opfer sagte Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock am Freitag in Stolberg bei Aachen, es sei bedauerlich, dass Grünenthal nicht viel früher auf die Opfer zugegangen sei. „Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen.“

Grünenthal hatte zwar schon mehrfach sein Bedauern über die „Tragödie“ zum Ausdruck gebracht, sich aber noch nie in dieser Weise entschuldigt. Contergan steht für den größten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach Stocks Äußerungen brandete Applaus im Theatersaal des Kulturzentrums auf, in dem die Feierstunde zur Einweihung des Denkmals abgehalten wurde. Es meldeten sich aber auch sofort zwei Kritiker aus dem Publikum zu Wort. Sie warfen Grünenthal vor, finanziell viel zu wenig für die Opfer zu tun und noch immer verhüllende Begriffe wie „Tragödie“ zu verwenden.

Der Bundesverband Contergangeschädigter wollte zunächst nicht reagieren. Der Stolberger Bürgermeister Ferdi Gatzweiler (SPD) sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wenn es so ist, dass das wirklich das erste Mal gewesen ist und das auch von den Betroffenen so empfunden wird, dann ist das ein Erfolg für alle.“ Er sei in jedem Fall „sehr glücklich“.

Nach der Ansprache Stocks wurde im Foyer des Stolberger Kulturzentrums ein kleines Denkmal für die Opfer enthüllt, das wohl erste seiner Art. Die Bronze-Skulptur des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg stellt ein Mädchen ohne Arme und mit missgebildeten Füßen auf einem Stuhl sitzend dar. Neben ihm ist noch ein zweiter, leerer Stuhl. Die Kosten in Höhe von 5000 Euro wurden von Grünenthal übernommen.

Genau dies wird von den verschiedenen Geschädigten-Verbänden scharf kritisiert. Der Bundesverband Contergangeschädigter - der nach eigenen Angaben den „überwiegenden Teil“ der Opfer vertritt - blieb der Einweihungsfeier demonstrativ fern. „Wir sehen das als zynische PR-Maßnahme von Grünenthal“, sagte Verbandssprecherin Ilonka Stebritz der dpa. Für Grünenthal gebe es wirklich Dringenderes zu tun, als ein Denkmal zu sponsern. Die Contergan-Opfer benötigten ganz konkrete Unterstützung, um ihren Alltag zu bewältigen, und diese Unterstützung werde von Grünenthal verweigert.

Der Initiator des Denkmals, Johannes Igel, verteidigte seine Idee. „Ich wollte eine Brücke bauen zwischen dem Verursacher und den Geschädigten“, sagte er der dpa. Der Gedanke sei ihm bei einem Besuch des Holocaust-Denkmals in Berlin gekommen. Da habe er sich gesagt, dass es auch ein Denkmal für die vielen contergangeschädigten Kinder geben müsse, die kurz nach der Geburt gestorben seien. Igel ist selbst contergangeschädigt.

Die rheinische Firma Grünenthal hatte das Schlafmittel 1957 auf den Markt gebracht. Viele werdende Mütter nahmen es ein - vor allem auch weil es gegen Schwangerschaftsübelkeit half. Doch bald kamen weltweit etwa 10 000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt. In Deutschland allein waren es ungefähr 5000. 1961 zog Grünenthal das Medikament zurück.

Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom Bund. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente.

dpa
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Beitrag Verfasst: Freitag 31. August 2012, 17:42 
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Nach 50 Jahren: Grünenthal entschuldigt sich für Contergan
"Wir haben zulange geschwiegen" - Weltweit 10.000 Opfer des Schlafmittels

Stolberg (dapd-nrw). Historische Geste: Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Contergan-Tragödie hat sich der Pharmakonzern Grünenthal erstmals bei den weltweit 10.000 Opfern des größten deutschen Medizinskandals entschuldigt. "Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben", sagte Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock bei der Enthüllung eines Denkmals am Freitag in Stolberg bei Aachen. "Stattdessen haben wir geschwiegen. Das tut mir leid."

Tausende schwangere Frauen hatten nach der Markteinführung 1957 das als ungefährlich angepriesene Schlafmittel Contergan geschluckt und Kinder mit Fehlbildungen geboren. Allein in Deutschland waren 5.000 Menschen betroffen. Erst 1961 zog der Stolberger Pharmakonzern Grünenthal das Medikament zurück. Als Folge des Skandals hat die Bundesrepublik Deutschland eines der strengsten Arzneimittelgesetze der Welt. Die rund 2.400 noch in Deutschland lebenden Contergan-Opfer sind inzwischen 50 Jahre und älter.

Bislang hatte das Unternehmen von Verantwortung gesprochen und sein Bedauern ausgedrückt. Das Wort "Entschuldigung" war aber bislang nicht gefallen, da nach früherer Argumentation des Unternehmens darin das Wort "Schuld" enthalten ist. Stock sagte bei der bewegenden Veranstaltung, dass Grünenthal bei der Entwicklung von Contergan nach dem damaligen Wissensstand und Kenntnisstand gehandelt habe. "Wir wünschten, es wäre nie geschehen." In den vergangenen Jahren habe man bemerkt, wie wichtig Gespräche mit den Betroffenen sein.

Anlass der überraschenden Worte war die Enthüllung des ersten Contergan-Denkmals, das an die Opfer des Medizinskandals erinnern soll. Mehrere Verbände waren dem Ereignis trotz Einladung demonstrativ ferngeblieben, da Grünenthal das bronzene Kunstwerk finanziert hatte. Der Bundesverband Contergangeschädigter sprach von einer "PR-Maßnahme". Die Initiative für das Denkmal kam von dem betroffenen Johannes Igel aus dem Hunsrück, der das Vorhaben per Bürgerantrag in den Stolberger Stadtrat eingebracht hatte.

Igel nannte Contergan "die größte menschliche Katastrophe in der Nachkriegsgeschichte nach dem Holocaust". Die Entschuldigung sei an der Zeit gewesen. "Jetzt müssten auch Taten folgen", sagte Igel der Nachrichtenagentur dapd. Zahlreiche Geschädigte, die häufig verstümmelte Gliedmaßen haben, bräuchten dringend finanzielle Unterstützung.

Das Denkmal, das ein Mädchen ohne Arme auf einem Stuhl sitzend neben einem leeren Stuhl zeigt, hat in einem städtischen Kulturzentrum seinen Platz gefunden. Auf einem Schild steht: "Zur Erinnerung an die Toten und Überlebenden der Contergankatastrophe." Zuvor war auch über den Standort des Denkmals und den Zeitpunkt der Einweihung - 50 Jahre nach dem Skandal - heftig diskutiert worden. Manche hatten sich einen prominenteren Ort gewünscht.

Grünenthals Rolle war bislang umstrittenen. Betroffene hatten neben einer Entschuldigung immer wieder mehr Hilfsleistungen von dem Millionenschweren Konzern gefordert. Gegen einen kritischen ARD-Film ging das Unternehmen gerichtlich vor. Nach der Entschuldigung wurden am Freitag in dem Saal kritische Rufe laut. Ein Betroffener warf Grünenthal "fahrlässige Tötung" vor.

dapd

erschienen am 31.08.2012

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Beitrag Verfasst: Freitag 31. August 2012, 17:45 
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50 Jahre nach Arzneimittelskandal Hersteller entschuldigt sich erstmals bei Contergan-Opfern


Tausende Kinder kamen behindert zur Welt, weil ihre Mütter das Schlafmittel Contergan geschluckt hatten. Jetzt hat sich die Herstellerfirma Grünenthal zum ersten Mal bei den Opfern entschuldigt.

Der frühere Contergan-Hersteller Grünenthal hat die Opfer des Arzneimittelskandals zum ersten Mal um Verzeihung gebeten. Bei der Einweihungsfeier des wohl ersten Denkmals für die weltweit 10.000 Opfer sagte Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock am Freitag in Stolberg bei Aachen, es sei bedauerlich, dass Grünenthal nicht viel früher auf die Opfer zugegangen sei. "Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen."

Grünenthal hatte zwar schon mehrfach sein Bedauern über die "Tragödie" zum Ausdruck gebracht, sich aber noch nie explizit entschuldigt. Contergan steht für den größten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die rheinische Firma Grünenthal hatte das Schlafmittel 1957 auf den Markt gebracht. Viele werdende Mütter nahmen es ein - vor allem auch weil es gegen Schwangerschaftsübelkeit half. Doch bald kamen weltweit etwa 10.000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt. In Deutschland allein waren es ungefähr 5000. 1961 zog Grünenthal das Medikament zurück.

Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom Bund. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente.

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Initiator verteidigt erstes Denkmal für Conterganopfer
Erstellt 31.08.2012

Stolberg. Kurz vor der Enthüllung des ersten Denkmals für die Opfer des Schlafmittels Contergan in Stolberg bei Aachen hat der Initiator Johannes Igel seine Idee verteidigt. «Ich wollte eine Brücke bauen zwischen dem Verursacher und den Geschädigten», sagte Igel am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Der Bundesverband Contergangeschädigter - der nach eigenen Angaben den «überwiegenden Teil» der Opfer vertritt - bleibt der Enthüllung des Denkmals demonstrativ fern. Es sei ein Unding, dass das Denkmal vom früheren Conterganhersteller Grünenthal bezahlt worden sei, sagte Verbandssprecherin Ilonka Stebritz am Freitag der dpa. «Wir sehen das als zynische PR-Maßnahme von Grünenthal.» (dpa/lnw)
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Wirtschaft
Conterganhersteller Grünenthal entschuldigt sich erstmals

Der frühere Contergan-Hersteller Grünenthal hat sich erstmals bei den Opfern des Arzneimittelskandals entschuldigt. Bei der Enthüllungsfeier für das Denkmal für die Opfer sagte Grünenthal- Geschäftsführer Harald Stock am Freitag in Stolberg bei Aachen, es sei bedauerlich, dass Grünenthal nicht früher auf die Opfer zugegangen sei.

Stolberg. – «Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen.»

Das Wort Contergan steht für den grössten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die rheinische Firma Grünenthal hatte das Schlafmittel 1957 auf den Markt gebracht.

Viele werdende Mütter nahmen es ein - vor allem auch weil es gegen Schwangerschaftsübelkeit half. Doch bald kamen weltweit etwa 10'000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt.

Anfangs wurde ein Zusammenhang mit Atomtests vermutet, dann fanden Ärzte heraus, dass der in Contergan enthaltene Wirkstoff Thalidomid in den Wachstumsprozess der Ungeborenen eingriff. 1961 zog Grünenthal das Medikament zurück.

Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom deutschen Staat. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente, die jedoch nach ihrer Meinung viel zu klein ist.

Kurz vor der Einweihung des Denkmals für die Contergan-Opfer übten Opferverbände scharfe Kritik. «Für uns ist klar, dass es für die Firma Grünenthal eine günstige PR-Massnahme ist», sagte die Sprecherin des deutschen Bundesverbandes Contergangeschädigter, Ilonka Stebritz, der Nachrichtenagentur dapd.

«Dass ausgerechnet Grünenthal das Denkmal zahlt, haben wir nicht gewusst.» Die Bronze-Skulptur wurde am Freitag auf Initiative eines Opfers enthüllt. Die Kosten in Höhe von 5000 Euro hatte der Pharmakonzern Grünenthal übernommen. (sda)
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Beitrag Verfasst: Freitag 31. August 2012, 18:23 
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Contergan-Skandal
50 Jahre später: Entschuldigung an Contergan-Opfer

Ein halbes Jahrhundert ist nach dem Contergan-Skandal vergangen. Jetzt hat sich der Hersteller bei einer öffentlichen Veranstaltung entschuldigt.
1961 erschütterte der Contergan-Skandal die Adenauer-Republik. Kinder mit stark verkrüppelten Armen wurden geboren. Zunächst hatte man damals geglaubt, die Missbildungen müssten an Atomwaffentests liegen. Doch dann zeigte sich: Das Schlafmittel Contergan war schuld. Und dessen Hersteller hieß Grünenthal.
Contergan: 10.000 verkrüppelte Babys geboren

Das Unternehmen hat ein schlechtes Image. Als damals, vor mehr als 50 Jahren, die ersten der insgesamt 10 000 verkrüppelten Babys geboren wurden, stritt es zunächst alles ab. Später im Prozess, einem der größten der Nachkriegsgeschichte, vermied es ein Schuldeingeständnis. Und noch vor fünf Jahren versuchte es mit allen juristischen Mitteln, die Ausstrahlung des WDR-Films «Eine einzige Tablette» zu verhindern. Der Film wurde später mehrfach preisgekrönt. Immerhin: Stocks Vorgänger Sebastian Wirtz hat sich erstmals mit Contergan-Opfern an einen Tisch gesetzt. Und jetzt hat das Unternehmen das wohl erste Denkmal für die Opfer gesponsert. Für 5000 Euro. Es steht - noch verhüllt - im Foyer.

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Firma Grünenthal entschuldigt sich

Die Spannung ist spürbar, als Harald Stock, Geschäftsführer der Firma Grünenthal, die Bühne betritt. In den rot gepolsterten Sesseln des Theatersaals im Stolberger Kulturzentrum sitzen viele Männer und Frauen mit stark verkrüppelten Armen - Opfer des Conterganskandals.

Es ist sehr still im Saal. Alle Augen sind auf Stock gerichtet. Auch Ferdi Gatzweiler (SPD), der Stolberger Bürgermeister, hat ihn im Blick. Der schwergewichtige Mann hat zuvor in rheinischem Tonfall wortreich verteidigt, warum die Stadt der Aufstellung des Denkmals zugestimmt hat. «Allein die Medienpräsenz zeigt mir nochmals eindeutig die Wichtigkeit dieses Themas.» Anfangs, das lässt er durchblicken, konnte er sich nicht so recht damit anfreunden. Aber der Initiator Johannes Igel, selbst ein Contergangeschädigter, hat ihn überzeugt. Tatsächlich war es allein Igel, der die Idee zu dem Denkmal gehabt und es dann auch durchgeboxt hat. Zum großen Ärger des Bundesverbands Contergangeschädigter. Der spricht von einer zynischen PR-Aktion Grünenthals.
Denkmal für Contergan-Opfer

Stock trägt als einer von nur sehr wenigen im Saal Anzug und Krawatte. Ein hagerer Managertyp. Aber er spricht mit bedächtiger, ruhiger Stimme. Er bedankt sich, an dieser Stelle reden zu dürfen. Die Bereitschaft, ihm, einem Grünenthal-Vertreter, zuzuhören, zeuge von Größe. Stock lobt Herrn Igel, der ein wirklich mutiger Mann sei. Das Denkmal sieht er als ein Symbol für eine «Entwicklung zu dauerhaftem Dialog».

Und dann kommt es: «Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen.» Hier und da hört man ein Raunen im Saal. Und als Stock Augenblicke später die Bühne verlässt, brandet Beifall auf.

Sobald es wieder still ist, meldet sich eine Frau aus dem Publikum zu Wort. Sie ist keineswegs zufrieden mit der Erklärung. Schöne Reden seien das eine, aber was die Opfer wirklich bräuchten, sei Geld. Es ist eine Forderung, die die Geschädigten-Verbände seit langem erheben. Beispiel Zahnersatz: Viele Opfer kommen jetzt in das Alter, und sie brauchen, so sagen sie, Zahnersatz, der über das normale «AOK-Gebiss» hinausgeht. Weil sie sehr viel mit den Zähnen machen. Machen müssen. Flaschenöffnen zum Beispiel.

Die kurze Feierstunde ist zuende. Alle treten vor das Denkmal: Ein Mädchen mit verkrüppelten Armen auf einem Stuhl, daneben noch ein zweiter Stuhl, der leer ist. Konnte es nicht etwas größer ausfallen? Muss es hier stehen, an diesem wenig repräsentativen Ort? Herrn Stock kann man das leider nicht mehr fragen - er ist schon entschwunden, durch einen Nebeneingang. Für heute hat man genug getan. dpa/AZ
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Contergan-Hersteller bittet um Entschuldigung

Der Geschäftsführer von Grünenthal bittet nach 50 Jahren die mehr als 10.000 Opfer erstmals um Entschuldigung. Der Verband der Contergan-Geschädigten bleibt einer Denkmal-Enthüllung demonstrativ fern.
Der frühere Contergan-Hersteller Grünenthal hat sich erstmals bei den Opfern des Arzneimittelskandals entschuldigt. Bei der Einweihungsfeier des ersten Denkmals für die weltweit 10.000 Opfer sagte Grünenthal-Geschäftsführer Harald Stock in Stolberg bei Aachen, es sei bedauerlich, dass Grünenthal nicht viel früher auf die Opfer zugegangen sei. "Darüber hinaus bitten wir um Entschuldigung, dass wir 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen, von Mensch zu Mensch, gefunden haben. Stattdessen haben wir geschwiegen."

Grünenthal hatte zwar schon mehrfach sein Bedauern über die "Tragödie" zum Ausdruck gebracht, sich aber noch nie in dieser Weise entschuldigt. Contergan steht für den größten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Nach Stocks Äußerungen brandete Applaus im Theatersaal des Kulturzentrums auf, in dem die Feierstunde zur Einweihung des Denkmals abgehalten wurde. Es meldeten sich aber auch sofort zwei Kritiker aus dem Publikum zu Wort. Sie warfen Grünenthal vor, finanziell viel zu wenig für die Opfer zu tun und noch immer verhüllende Begriffe wie "Tragödie" zu verwenden.

Der Bundesverband Contergangeschädigter wollte zunächst nicht reagieren. Der Stolberger Bürgermeister Ferdi Gatzweiler (SPD) sagte: "Wenn es so ist, dass das wirklich das erste Mal gewesen ist und das auch von den Betroffenen so empfunden wird, dann ist das ein Erfolg für alle." Er sei in jedem Fall "sehr glücklich".
Opfer kritisieren "PR-Maßnahme"

Nach der Ansprache Stocks wurde im Foyer des Stolberger Kulturzentrums ein kleines Denkmal für die Opfer enthüllt, das wohl erste seiner Art. Die Bronze-Skulptur des Aachener Künstlers Bonifatius Stirnberg stellt ein Mädchen ohne Arme und mit missgebildeten Füßen auf einem Stuhl sitzend dar. Neben ihm ist noch ein zweiter, leerer Stuhl. Die Kosten in Höhe von 5000 Euro wurden von Grünenthal übernommen.

Genau dies wird von den verschiedenen Geschädigten-Verbänden scharf kritisiert. Der Bundesverband Contergangeschädigter – der nach eigenen Angaben den "überwiegenden Teil" der Opfer vertritt – blieb der Einweihungsfeier demonstrativ fern.

"Wir sehen das als zynische PR-Maßnahme von Grünenthal", sagte Verbandssprecherin Ilonka Stebritz. Für Grünenthal gebe es wirklich Dringenderes zu tun, als ein Denkmal zu sponsern. Die Contergan-Opfer benötigten ganz konkrete Unterstützung, um ihren Alltag zu bewältigen, und diese Unterstützung werde von Grünenthal verweigert.

Versuchter Brückenschlag

Der Initiator des Denkmals, Johannes Igel, verteidigte seine Idee. "Ich wollte eine Brücke bauen zwischen dem Verursacher und den Geschädigten", sagte er. Der Gedanke sei ihm bei einem Besuch des Holocaust-Denkmals in Berlin gekommen. Da habe er sich gesagt, dass es auch ein Denkmal für die vielen contergangeschädigten Kinder geben müsse, die kurz nach der Geburt gestorben seien. Igel ist selbst contergangeschädigt.

Die rheinische Firma Grünenthal hatte das Schlafmittel 1957 auf den Markt gebracht. Viele werdende Mütter nahmen es ein – vor allem auch, weil es gegen Schwangerschaftsübelkeit half. Doch bald kamen weltweit etwa 10.000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt. In Deutschland allein waren es ungefähr 5000. 1961 zog Grünenthal das Medikament zurück.

Nach langen Auseinandersetzungen wurde 1971 eine Stiftung eingerichtet und mit 200 Millionen D-Mark ausgestattet. Das Geld kam jeweils zur Hälfte von Grünenthal und vom Bund. Aus diesem Fonds erhalten die Geschädigten eine Rente.
dpa/dgw
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© dapd Der Initiator des Denkmals für die Contergan-Opfer, Johannes Igel, neben der Skulptur des Künstlers Bonifatius Stirnberg. Die umstrittene Statue zeigt unter anderem ein Mädchen ohne Arme


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