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Beitrag Verfasst: Montag 4. Februar 2013, 23:23 
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Anhörung im Bundestag zur Contergan-Studie

Unabhängigkeit ist das Ziel, nicht Fürsorge


04.02.2013 · Fast jeder Zehnte der in Deutschland lebenden Menschen mit Conterganschäden ist zur Anhörung in den Bundestag gekommen. Denn die Zukunftsaussichten vieler Betroffener sind alles andere als gut.
Von OLIVER TOLMEIN

Wohl selten hatte eine Sachverständigenanhörung in einem Bundestagsausschuss so große Resonanz: Der Familienausschuss musste in den Sitzungsaal der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wechseln, um Platz für die mehr als 240 Menschen mit Conterganschäden zu schaffen, die als aktive Zuhörer in eigener Sache zu der zweistündigen Anhörung gekommen waren. Auch wenn die Bundestagsverwaltung vermutlich keine Katastrophe fürchtete, hatte sie sich doch veranlasst gesehen 35 Angehörige des Technischen Hilfswerkes in Nebenräumen zu platzieren. Hilfreicher waren aber wohl doch die ebenfalls engagierten Gebärdensprach- und Schriftdolmetscher, die übersetzten und die Reden simultan auf zwei große Leinwände projizierten, damit auch die gehörlosen und schwerhörigen Contergangeschädigten den Stellungnahmen der Sachverständigen folgen konnten - ein Service zum Überwinden von Kommunikationsbarrieren, den sich die Betroffenen auch bei anderen Themen wünschen.

Zweihundertvierzig Menschen mit Conterganschäden, das war fast ein Zehntel aller in Deutschland noch lebenden Betroffenen, die bis vor kurzem in der Öffentlichkeit noch als „Contergankinder“ wahrgenommen wurden. Die für sie zuständige wissenschaftliche Disziplin ist aber nicht mehr die Kinderheilkunde, sondern die Gerontologie - ein rasanter, auf den tatsächlich beschleunigten Alterungsprozessen gründender Perspektivenwechsel. Vielleicht ist es kein Zufall, dass in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit mit Blick auf diese vielbeachtete Gruppe die Phase des Erwachsenendaseins übersprungen wurde - sieht man von der öffentlichen Bewunderung für einzelne Berühmtheiten wie Thomas Quasthoff ab. Kinder und Alte sind Objekte der Fürsorge, sie gelten als Menschen, um die man sich mehr sorgen muss, als dass ihnen zugetraut würde, ihr Leben selbstverantwortlich zu gestalten. Dass die Betroffenen selber diese Rolle nicht annehmen und eingreifen, war eine der herausragenden Botschaften der Anhörung am Freitag.

Brisante Ergebnisse
Deren Thema war ungewöhnlicherweise nicht, wie sonst bei Anhörungen in den Ausschüssen üblich, ein konkretes Gesetzesvorhaben, sondern der knapp dreihundert Seiten starke Bericht einer Heidelberger Forschergruppe mit dem sperrigen Titel „Wiederholt durchzuführende Befragung zu Problemen, speziellen Bedarfen und Versorgungsdefiziten von contergangeschädigten Menschen“. Wie brisant die Ergebnisse der renommierten Gerontologen sind, machte der sonst nicht gerade als freigiebig bekannte Koalitionsausschuss bemerkenswert deutlich, der, noch bevor die Studienergebnisse am Freitag im Ausschuss erörtert werden konnten, rasch und medienwirksam ankündigte, die Bundesregierung werde weitere 120 Millionen Euro für Menschen mit Conterganschädigungen bereitstellen.

Die Summe klingt beeindruckend, erinnert man sich, dass das Stiftungsvermögen der für die Entschädigungszahlungen zuständigen Conterganstiftung ursprünglich nur hundert Millionen Mark betragen hat und zuletzt 2008 um hundert Millionen Euro aufgestockt worden ist. Aber warum hat die Koalition nicht zuerst auf Basis des nun vorliegenden Berichts und in Abstimmung mit den Verbänden der Menschen mit Conterganschäden den Bedarf bestimmt, der zu decken ist - um danach dann die dafür erforderliche Summe bereitzustellen?

Großer Bedarf an Pflege- und Assistenzleistungen
Die Ergebnisse der Heidelberger Studie sind nämlich bestürzend. Contergangeschädigte leben signifikant häufiger ohne Partner, die Gruppe der Kinderlosen ist erheblich größer. Menschen mit Conterganschäden haben einen höheren Bildungsstandard als der Durchschnitt der Bevölkerung, gleichzeitig liegt der Anteil der Erwerbstätigen ungefähr um ein Viertel unter dem Wert von Menschen ohne Conterganschäden. Vor allem aber hat sich die gesundheitliche Lage der Betroffenen in den letzten Jahren aufgrund von Spät- und Folgeschäden, unter denen die Überlebenden dieses ersten großen Arzneimittelskandals in der Geschichte der Bundesrepublik leiden, gravierend verschlechtert. Überlastete Gelenke, schwere Beeinträchtigungen der Wirbelsäule und vor allem chronische Schmerzzustände steigern den Hilfe- und Unterstützungsbedarf für viele Menschen mit Conterganschäden erheblich. Damit wird auch die unabhängige Lebensperspektive derjenigen Menschen mit Conterganschäden gefährdet, die trotz aller Widrigkeiten eine stabile Lebenssituation für sich erkämpft haben.

Gerade für die Menschen, die schwerste Conterganschäden haben, wächst daher in den nächsten Jahren vor allem der Bedarf an Pflege- und Assistenzleistungen. Während aber Geschädigte ärztlicher Behandlungsfehler, Kriegsopfer oder auch Opfer vorsätzlicher Straftaten je nach konkretem Bedarf Anspruch auf Assistenz- und Pflegeleistungen haben, erhalten Contergangeschädigte außer ihrer Rente von höchstens 1152 Euro monatlich keine weiteren Leistungen von der Stiftung.

Der Verantwortung gerecht werden
Sie sind also im Bedarfsfall darauf angewiesen, dass die Sozialhilfeträger ihre hohen Assistenz- und Pflegekosten übernehmen - mit den gravierenden Folgen, die das auf die eigene Lebensplanung hat: Das eigene Einkommen und Vermögen sowie das von Angehörigen können zur Deckung der Sozialhilfekosten herangezogen werden, man selbst darf nur über Wohnraum verfügen, der sozialhilferechtlich gesehen als angemessen gilt.

Inwieweit die „bis zu 120 Millionen Euro“, über die jetzt der Koalitionsausschuss geredet hat und die im besten Fall schon ab 2013 jährlich zusätzlich gezahlt werden könnten, diesen grundlegenden Missstand ändern können, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn selbst wenn die derzeit gezahlten Conterganrenten um ein drei- oder vierfaches erhöht werden sollten, erwarten die Heidelberger Wissenschaftler drastische Steigerungen beim Pflege- und Assistenzbedarf, aber auch für die Kosten für Heil- und Hilfsmittel und für andere behinderungsbedingte Mehraufwendungen in den nächsten Jahren, für deren Deckung auch spürbar höhere Renten nicht ausreichen werden.

Erforderlich ist also über höhere Rentenzahlungen, die auch dem Verdienstausfall und den immateriellen Schäden Rechnung tragen, hinaus ein Fonds, der je nach individuellem Bedarf die monatlich bis zu fünfstelligen Pflege- und Assistenzkosten deckt. die Ein Arzthaftungsfall, bei dem ein Neugeborenes schwergeschädigt wird, veranlasst gerade wegen dieser Kosten die Haftpflichtversicherungen zu Rückstellungen für spätere Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe - für nur einen einzigen Geschädigten.

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Beitrag Verfasst: Mittwoch 6. Februar 2013, 11:44 
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04.02.13
50 Jahre Contergan - Der schmerzhafte Kampf mit den Spätfolgen


Es ist der größte Medikamenten-Skandal der Nachkriegszeit: Das Schlafmittel "Contergan" wird Ende der 50er Jahre bedenkenlos auch Schwangeren empfohlen. Eine folgenschwere Entscheidung: Über 10.000 Babys kommen weltweit mit Missbildungen auf die Welt.

Heute, gut 50 Jahre später, kämpfen die Contergan-Geschädigten Tag für Tag mit den Folgen ihrer Behinderung. Udo und Claudia Herterich sind seit 16 Jahren verheiratet. Seit ein paar Jahren müssen sie allerdings zu dritt leben,
denn ohne Assistenz meistern sie viele Alltagssituationen kaum noch. Das Problem: Die Betreuung kostet wesentlich mehr als das Paar als Rente bekommt, aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes ist es beiden aber kaum noch möglich zu arbeiten.

Eine Anhörung im Bundestag am vergangenen Freitag macht den Betroffenen jetzt zumindest etwas Hoffnung auf mehr Unterstützung in diesem Kampf. PLANETOPIA hat das Paar nach Berlin begleitet.


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Beitrag Verfasst: Freitag 8. Februar 2013, 12:13 
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Christina Ding-Greiner Die Contergan-Studie

hier gibt es ein Interview-Audio zu hören/sehen mit Frau Christina Ding-Greiner.

_________________
LG
Frank62 (Der Chef)


Rechtschreib- und Grammatikfehler sind beabsichtigt
und unterliegen dem Copyright des Verfassers !


95% aller Computerprobleme befinden sich vor dem Monitor.

Und hier der Wink mit dem Zaunpfahl...

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Beitrag Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 18:22 
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Kleine Hündin hilft Contergan-Opfer aus Essen in ihrem Alltag
07.02.2013 | 12:02 Uhr

Essen. Tierische Hilfe für ein Contergan-Opfer aus Essen: Nach einem Bericht über Susanne Fisch sagte ein Pharma-Konzern die Kostenübernahme für den Vierbeiner zu. Er soll seiner Besitzerin helfen, den Alltag mit verkümmerten Armen zu meinstern.

Vier Wochen dauert es noch, dann zieht eine kleine Hündin bei Susanne Fisch ein. Der Vierbeiner wird allerdings nicht nur Haustier sein, er wird zum Assistenzhund ausgebildet, damit er seiner Contergan-geschädigten Besitzerin im Alltag helfen kann. Die WAZ-Lokalredaktion hatte über den Fall berichtet und beim Pharma-Konzern Grünenthal nach Hilfsmöglichkeiten gefragt. Mit Erfolg: Nun übernimmt die Firma die Kosten für den Hund.

Die Mutter von Susanne Fisch hatte in der Schwangerschaft das Schlafmittel Contergan vom Arzt verschrieben bekommen und eine einzige Tablette eingenommen. Die Folge: Ihre Tochter kam ohne Arme zur Welt. Sie kämpft heute nach 51 Jahren mit dem zunehmenden Verschleiß ihres Körpers und mit den schlimmer werdenden Schmerzen.

Hilfe angekündigt
Jetzt freut sie sich über die Zusage: „Ich war total erstaunt, dass das alles so schnell ging“, sagt Susanne Fisch nach „einem netten Telefonat“ mit einem Konzern-Mitarbeiter. Immerhin hatte sie zuvor selbst verzweifelt Essener Firmen angeschrieben, denen sie im Gegenzug für die Finanzierung der Hundeausbildung anbot, Reklame auf dem Auto oder am Hundegeschirr zu machen.

Nachdem ihre Geschichte dann in der Zeitung zu lesen war, reichte sie die angeforderten Kostenvoranschläge für den Hund bei der Firma Grünenthal ein, die auf ihrer Internet-Seite ankündigt, „einzelne Contergan-Betroffene zu unterstützen, die sich in akuter Not befinden“.

Ausbildung für rund 20.000 Euro
So wie Susanne Fisch, die 25 Jahre lang als Bürokauffrau bei der Stadt gearbeitet hat, nun von ihrer Frührente und Grundsicherung lebt. Um einkaufen zu können, ist sie inzwischen immer öfter auf den Rollstuhl angewiesen. Denn ihre arg beanspruchten Sehnen an den Füßen, mit denen sie „alles außer Fensterputzen und schwere Töpfe heben erledigt“, sind chronisch entzündet, die Brustwirbelsäule steif.

Wenn nun der Labrador-Golden-Retriever-Welpe zu ihr und ihrer Katze einzieht, dann wird er zum Beispiel lernen, Türen zu öffnen oder ihr die Jacke ausziehen, erklärt Hunde-Ausbilderin Dagmar Tennhoff. Zunächst aber muss sich die die Hündin an Alltagssituationen gewöhnen, Geräusche vom Staubsauger und Telefon kennenlernen, das sie später apportieren soll. Diese Ausbildung wird laut Trainerin rund 20.000 Euro kosten. Susanne Fisch wird, so wie sie es sich gewünscht hat, von Anfang an einbezogen, damit der Hund ihre Körpersprache lernt und sie ein Team werden.

Dominika Sagan

Zitat:
Im Zusätzlichen Kasten steht noch:

Grünenthal sponsert
Viele Verbände, die die Contergangeschädigten vertreten, sehen das Engagement von Grünenthal kritisch und wollen trotz der zusätzlichen Hilfe eine höhere Entschädigung der Betroffenen erreichen. Grünenthal verweist allerdings auf Entschädigungszahlungen in der Vergangenheit. „Contergan bleibt Teil der Unternehmensgeschichte und wir wollen mit dem Thema verantwortungsvoll umgehen. In Gesprächen mit Betroffenen haben wir viel über die Schwierigkeiten gelernt, die sich für die Betroffenen bei der Bewältigung des Alltags ergeben“, erklärt Grünenthal-Sprecher Frank Schönrock. Deshalb habe man sich entschlossen, ein solches Projekt zu unterstützen. Die Duisburger Firma ist dem Konzern empfohlen worden.

„Ein Traum wäre es, wenn Spracherkennung irgendwann in den Heilmittelkatalog aufgenommen würde. Schließlich wäre so eine Software auch eine Hilfe für Schlaganfallpatienten, die zwar noch sprechen, aber ihre Arme nicht mehr bewegen können“, erklärt Thomas Mack. Dazu müsste der Bundestag eine entsprechende Erweiterung auf den Weg bringen. Würden Schulungen dieser Art anerkannt, könnten die Krankenkassen die Kosten übernehmen.


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Beitrag Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 18:23 
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Ansonsten wiederholen sich die Presseberichte, deswegen ist es z.zt etwas ruhiger hier.

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Beitrag Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 20:29 
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ARNZEI-SKANDAL
Mehr Geld für Contergan-Opfer
11.02.2013 | 18:55 Uhr

Siegen/Berlin. Die Regierung baut die finanzielle Unterstützung für die Betroffenen des Contergan-Skandals aus. Profitieren werden davon auch die rund 35 Geschädigten im Siegerland. Verbandschef Burkhard Wiegel - selbst Betroffener - erklärt, warum das nötig ist.

Die finanzielle Unterstützung für die Betroffenen des größten deutschen Arzneimittelskandals soll deutlich ausgebaut werden. 120 Millionen Euro jährlich wird die Bundesrepublik den Betroffenen des Contergan-Skandals künftig zur Verfügung stellen. Profitieren werden davon auch die rund 35 Geschädigten im Siegerland, die sich mit ihren Angehörigen in einem Siegerländer Interessenverband organisiert haben. Der Verbandsvorsitzende Burkhard Wiegel war dabei, als in Berlin die erfreuliche Entscheidung fiel.

Über 100 Contergan-Geschädigte waren in die Hauptstadt gereist und vertraten dort im Vorfeld der Sitzung des zuständigen Familienausschusses ihre Interessen. Durch ihre Präsenz und den offenen Umgang mit ihren körperlichen Beeinträchtigungen sollten die Entscheider für die Nöte der Geschädigten sensibilisiert werden.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Heidelberg zur Situation von Contergan-Opfern stützte ihr Anliegen. So sind laut Studie die Betroffenen in vielen Bereichen unterversorgt. Viele von ihnen sind mittlerweile 50 Jahre und älter, ihre körperlichen Defizite werden mit zunehmendem Alter immer beschwerlicher.

Burkhard Wiegel, gebürtiger Siegener und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes für Contergan-Geschädigte, ist selbst betroffen. Wiegel kam 1960 zur Welt – mit verkürzten Armen, deformierten Schultern, nur acht Fingern, lediglich einer Niere und einer deutlichen Fehlstellung der Hüfte. Zusätzlich belasten ihn die mit dem Alter zunehmenden Begleiterscheinungen.



Reform der Schadenpunkteskala
Wiegel kämpft mit Rückenproblemen, auch die Knie sind angegriffen, weil er sich aufgrund der Einschränkungen seiner Arme ein Leben lang bücken musste. Schon die kleinsten Dinge wie das Öffnen von Türen können mit einer körperlichen Behinderung Schwierigkeiten bereiten und den Körper über lange Zeiträume in Mitleidenschaft ziehen.

Die geplante Erhöhung der finanziellen Hilfen begrüßt Wiegel. Die Betroffenen wollen sich auch dafür stark machen, die Schadenpunkteskala zu reformieren. Auf dieser Skala wird der individuelle Grad der Behinderung gemessen und anhand dieser Werte die Rente errechnet. Momentan wird der Maximalbetrag für die Rente in Höhe von 1152 Euro monatlich bei einem Wert von 45 Punkten erreicht. Damit werden sehr stark Geschädigte gegenüber Personen mit leichteren Beschwerden benachteiligt.

Wiegel schlägt eine lineare Lösung vor. Für jeden Punkt solle künftig ein festgelegter Betrag ohne Deckelung durch einen Maximalwert gezahlt werden, fordert Wiegels.

Timo Baudzus

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Beitrag Verfasst: Dienstag 12. Februar 2013, 18:10 
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Unzureichende Hilfe:
Contergan-Opfer fordern bessere Versorgung

Berlin - Lange Zeit forderten sie eine Entschuldigung vom Arzneimittelhersteller Grünenthal. Diese kam - nach mehr als 50 Jahren. Jetzt haben Contergan-Opfer eine schnelle Verbesserung ihrer medizinischen Versorgung und finanziellen Lage verlangt. "Uns läuft die Zeit davon", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands Contergan-Geschädigter, Margit Hudelmaier, am Montag in Berlin.

Denn nach Angaben einer aktuellen Studie der Universität Heidelberg zur Situation von Contergan-Opfern sind die Betroffenen in vielen Bereichen unterversorgt. Die Studie zeige, so Hudelmaier, dass es sich um begründete Ansprüche und keine subjektiven Begehrlichkeiten handele. Der Opferverband fordert ein neues Gesetz.
Auch die Conterganstiftung steht hinter den Empfehlungen der Studie: "Wir hoffen auf eine möglichst weitgehende Umsetzung", sagte die Vorstandsvorsitzende Antje Blumenthal. An diesem Freitag beschäftigt sich der Familienausschuss des Bundestags mit der Studie.

"Die Betroffenen haben in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckende Kompensationsleistungen vollbracht. Wenn diese auch in Zukunft fortgesetzt werden sollen, bedarf es eines sehr viel differenzierteren, passgenauen Versorgungssystems", sagte der Leiter des Heidelberger Instituts für Gerontologie und Hauptautor der Studie, Andreas Kruse, der dpa. Durch das Fehlen einzelner Gliedmaßen beanspruchten Betroffene andere Körperteile übermäßig. Bei vielen seien massive Verschleißerscheinungen der Gelenke wie Arthrosen und starke Schmerzen die Folge. "Diese Zustände werden in Zukunft wahrscheinlich an Intensität gewinnen", ergänzte Kruse.

Schmerzen durch dauernde Fehlhaltung

Etwa jedes dritte der überwiegend 53-jährigen Opfer könne nicht mehr arbeiten. Mit zunehmenden Beschwerden bräuchten die Betroffenen aber immer teurere Hilfsmittel und Umbauten in den Wohnungen. Zu den Empfehlungen zählen daher neben mehr Geld auch neue Kompetenzzentren für eine bessere medizinische Versorgung, ein leichterer Zugang zu Assistenzen und Hilfsmitteln - unabhängig von familiären und finanziellen Verhältnissen. Die gesundheitliche Entwicklung vieler Geschädigter stehe an einem Wendepunkt. Eine rasche Verbesserung der Versorgung sei dringend notwendig. Angehörige um Hilfe zu bitten, werde zunehmend schwerer, ergänzte Hudelmaier. Die meisten Eltern der Opfer seien heute mehr als 80 Jahre alt und die eigenen Kinder oft aus dem Haus. Zudem habe nicht jeder Betroffene einen Partner.
Für die auf Beschluss des Bundestags erstellte Studie wurden 870 Betroffene und damit ein Drittel der noch lebenden Contergan-Opfer in Deutschland befragt. Fast jeder Betroffene (84,2 Prozent) klagt demnach über Schmerzen als Folge ständiger Fehlhaltung. "Unsere Körper sind vorzeitig gealtert", sagte Hudelmaier.

Bei dem größten Medikamenten-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte hatte die Firma Grünenthal 1957 das Schlafmittel Contergan auf den Markt gebracht. In Deutschland kamen etwa 5000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt.

cib/dpa

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Beitrag Verfasst: Sonntag 17. Februar 2013, 12:30 
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CONTERGAN-GESETZ
Wenigstens gibt es mehr Geld
Wie Contergan-Opfer einen überraschenden Sieg errangen – weil es der Koalition an Themen fehlte.
© Jörg Carstensen/dpa

Für Niko von Glasow ist es kein Problem, sich nackt zu zeigen, trotzdem zieht er diesmal nur die Socken aus. Extrem schnell geht das, kaum hat man hingeschaut, steht von Glasow schon barfuß auf dem schwarzen Steinfußboden unter der Reichstagskuppel. Neben ihm liegen dunkle Schuhe. Sie haben keine Schnürsenkel, weil von Glasow mit denen ohnehin nichts anfangen könnte.

Glasow ist einer von über hundert Contergan-Geschädigten, die nach Berlin gekommen sind, weil im Familienausschuss über ihr Schicksal verhandelt wird. Viele fahren in Rollstühlen, einige nutzen Hörgeräte, andere sind taub und müssen auf einer großen Leinwand nachlesen, worüber gerade gesprochen wird. Von Glasow ist erfolgreicher Filmemacher, zwei seiner Filme werden gerade auf der Berlinale gezeigt, er ist es gewohnt, über sich, seine Schmerzen und seine verkürzten Arme zu sprechen, seit er vor sieben Jahren einen Film über Contergan-Opfer drehte.

Wer politischen Druck aufbauen will, das ist den Versammelten hier klar, darf sein Leiden nicht verstecken. Einfach ist das nicht, weder für diejenigen, die sich zeigen, noch für diejenigen, die zugucken. Es ist Freitagnachmittag, im Reichstag verstreichen die letzten Stunden einer langen Sitzungswoche, die meisten Abgeordneten sind längst unterwegs zu ihren Wahlkreisen. Nur vor dem Fraktionssaal von CDU und CSU stehen Kamerateams, der Familienausschuss tagt, die zuständige Ministerin Kristina Schröder ist gekommen. Wochenlang haben die Contergan-Opfer vorher auf verschiedenen Ebenen Druck gemacht und informiert. Sie haben einen mächtigen Abteilungsleiter im Familienministerium auf ihrer Seite, den Chef der baden-württembergischen CDU, Thomas Strobl, und den renommierten Altersforscher Andreas Kruse.

Sogar eine professionelle Lobby-Agentur wurde eingeschaltet, finanziert von wohlhabenden Contergan-Opfern. Journalisten wurden in ein Berliner Hotel eingeladen, zum Gespräch mit Betroffenen. Auch von Glasow sitzt mit am Tisch. Einmal entschuldigt er sich, beim vorherigen Gespräch sei er viel witziger gewesen. So sind Behinderte, die kämpfen.

Unterstützung wird angehoben

Dass sie am Ende Erfolg haben, verdanken sie allerdings einem Umstand, auf den sie keinen Einfluss hatten: Am Abend vor der Anhörung tagt der Koalitionsausschuss der Bundesregierung, es gibt wenig zu entscheiden, weil CDU und CSU sich bei den eigentlich anstehenden Themen wie der Rente nicht einig sind. So rückte die Contergan-Debatte auf die Tagesordnung der Parteichefs. Die Runde braucht Ergebnisse, die nicht zu mickrig aussehen dürfen. Also beschließt die Koalition noch vor der Anhörung, künftig 120 Millionen Euro pro Jahr für die rund 2.400 deutschen Contergan-Opfer zu genehmigen. Für viele von ihnen wird sich der Unterhalt in den kommenden Jahren verdrei- oder vervierfachen. Momentan sind die entsprechenden Renten in Deutschland noch viel niedriger als beispielsweise in Großbritannien oder Italien.

Als der Ausschuss am Freitag zusammenkommt, steht das wichtigste Ergebnis also schon fest: Es soll viel mehr Geld gezahlt werden als bisher. Trotzdem wird noch darüber verhandelt, warum und wie die Unterstützung in Deutschland angehoben wird. Tatsächlich geht es auch darum, wie eine Gesellschaft mit alten Behinderten zusammenlebt. Lange stellte sich diese Frage in Deutschland nicht, weil wenige Behinderte den Naziterror überstanden haben. Bei denen, die nach dem Krieg geboren wurden, war die Lebenserwartung oft nicht hoch. Erst in jüngster Zeit werden viele Behinderte alt, Menschen mit Downsyndrom oder eben Contergan-Opfer. Gleichzeitig fehlen Eltern und oft auch Partner und Kinder, die jahrelang geholfen haben.

"Wir haben den unbändigen Willen, zu leben, aber wir wissen: So geht es nicht weiter", ruft Udo Herterich am Freitagnachmittag den Bundestagsabgeordneten und der Familienministerin zu. Er leitet ein Netzwerk Contergan-Geschädigter und soll vor dem Ausschuss reden. "Wir wurden zersägt, aufgeschnitten und gedehnt, wir wurden trainiert, Unmögliches zu leisten, zum Beispiel mit den Füßen zu essen." Herterich sitzt im Rollstuhl, seine Frau, ebenfalls Contergan-geschädigt, hilft ihm, voranzukommen. Bis vor Kurzem war Herterich leitender Angestellter, von seinem fünfstelligen Monatseinkommen konnte er seine Familie gut ernähren. Inzwischen macht auch sein Körper nicht mehr mit. Er muss jetzt von 1.280 Euro Rente leben.

Seite 2/2: "Über meine Einschränkungen dachte ich wenig nach"

Seit den frühen siebziger Jahren ist es Sache des Staates, sich um die Contergan-Behinderten zu kümmern. Ein zäher Rechtsstreit mit dem Grünenthal-Konzern, der das gefährliche Medikament einst hergestellt hatte, endete damals mit einem Vergleich. Etwa 10.000 verkrüppelte Babys waren Anfang der sechziger Jahre zur Welt gekommen, weniger als die Hälfte überlebten. Inzwischen sind die Contergan-Geschädigten Anfang 50, viele fühlen sich wie 70- oder 80-Jährige. Sie wollen mehr Geld, weil sie mit steigendem Alter weniger leisten können. Das Gutachten des Heidelberger Gerontologen Andreas Kruse gibt ihnen recht.

"Bis vor sieben Jahren hatte ich wenig mit anderen Contergan-Geschädigten zu tun, ich war stolz darauf, ein Regisseur zu sein. Über meine Einschränkungen dachte ich wenig nach", erzählt von Glasow. Er gehört zur Großfamilie des Verlegers Neven DuMont, wuchs mit vielen Helfern auf, reiste als junger Mann durch ferne Länder und lernte dann bei Rainer Werner Fassbinder das Filmemachen. Erst als seine Kräfte nachließen und er ständig Schmerzen spürte, wurde er nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf ein Contergan-Opfer. Er entschloss sich zur Flucht nach vorn, drehte einen derb-humorvollen Film über Behinderte, die er nackt zeigte – auch sich selbst. Heute sagt er Sätze wie: "Wir wollen Cash von der Regierung, damit wir selbst entscheiden, wer uns den Hintern abputzt."

Es gebe viele sehr erfolgreiche Contergan-Opfer, sagt der Gerontologe Kruse, dessen Institut Interviews mit mehreren Hundert Betroffenen führte. Darunter waren Chefärzte, hoch dotierte Unternehmensberater, arrivierte Künstler und Sportler. Inzwischen haben alle ähnliche Probleme: Die Zähne sind kaputt, weil sie jahrelang helfen mussten, Flaschen und Verschlüsse zu öffnen. Die Rücken sind hinüber, weil sich der Alltag jahrzehntelang nur bestreiten ließ mit Bewegungen, für die der menschliche Körper nicht geschaffen ist. "Stellen Sie sich vor, sie liegen im Bett und wollen sich vom Bauch auf den Rücken drehen, und zwar ohne die Arme zu benutzen – dann ahnen Sie, wie es uns geht", sagt von Glasow.

Während er noch spricht, ist die frühere Dressurreiterin Bianca Vogel neben ihm völlig erschöpft im Sitzen eingeschlafen. Ihr Kopf sinkt langsam auf den Tisch, die verkürzten Arme hängen schlaff nach unten. Immerhin, die Mühen, die Reise nach Berlin haben sich gelohnt. Das versprochene Contergan-Gesetz würde das Leben besonders schwer Geschädigter wie Udo Herterich ändern: Seine Rente würde auf 6.800 Euro steigen.

Dieser Artikel wurde für die Onlineausgabe aktualisiert.

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Beitrag Verfasst: Freitag 22. Februar 2013, 10:21 
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16.02.2013 - Bund

Contergan und kein Ende

Diese Kolumne "Brand aktuell" ist am 16./17. Februar 2013 in "Fulda aktuell" erschienen.

Aus den Kindern sind Erwachsene geworden. Und 50 Jahre nach dem echten Skandal um das Medikament Contergan kämpfen die Opfer noch immer, müssen mit den Folgen leben. Nach einer Studie der Universität Heidelberg sind viele Betroffene unterversorgt, leiden massiv an den Folgeschäden. Manches hätte vermieden werden können durch schnelle Unterstützung. Vielen läuft die Zeit davon.

Mehrere der tapferen Opfer, auch aus unserer Region, haben mir von ihrem Leid berichtet. Bei einer aktuellen Anhörung im Bundestag haben sie höhere Renten, vereinfachten Zugang zu Hilfen und mehr Mitentscheidung gefordert. Zu Recht.
Die Berliner Koalition hat jetzt beschlossen, für höhere Renten wie bessere medizinische Versorgung jährlich bis zu 120 Mio. EURO zusätzlich zur Verfügung zu stellen.

Mit der neuen Contergan-Entschädigung sieht sich die Volksvertretung quasi in einer moralischen Verpflichtung gegenüber den Opfern, obwohl diese Verantwortung für Leid und eine gerechte Entschädigung eigentlich allein beim Pharma-Unternehmen Grünenthal liegt.

Es ist normalerweise nicht Aufgabe des Staates, mehr als 50 Jahre später für einen unglaublichen Arzneimittelskandal eines Unternehmens einzuspringen, das sich leider Jahrzehnte lang weitestgehend seiner finanziellen und moralischen Verantwortlichkeit verweigert hat. Doch den Opfern heute mehr zu helfen, ist einfach richtig und nötig.

Erst auf Intervention und massiven Druck der Bundesregierung war Grünenthal vor 5 Jahren zu einer "Goodwill-Aktion" bereit. Der Bundestag beschloss einstimmig (!) eine Verdopplung der Entschädigungszahlungen, erst danach erklärte sich Grünenthal bereit, „freiwillig“ eine viel zu niedrige Sonderzahlung zu leisten.
Grünenthal geht es finanziell blendend, der Umsatz liegt bei jährlich rund 1 Mrd. EURO. Grünenthal muss sich endlich ohne wenn und aber seiner Verantwortung stellen. Nach 50 Jahren noch immer ein himmelschreiendes Unrecht.
Schlagworte: Contergan

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Beitrag Verfasst: Freitag 22. Februar 2013, 22:43 
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Ärger am Zaun: Contergan-Geschädigte kämpft um Traumwohnung
– Nachbarn sind dagegen –



Kassel. Ihr Leben spielt sich auf dem Fußboden ab: Claudia Bach ist eine Contergan-Geschädigte. Die beiden Chihuahuas sind dabei ihre täglichen Begleiter – ihr Ein und Alles. Die Wohnungssuche hat sich für die 51-Jährige noch nie einfach gestaltet. Bei der Tiertherapeutin muss vieles ebenerdig oder tief gelegt sein – sonst wäre ihr ein normales Leben nicht möglich. Für einen Vermieter keine Selbstverständlichkeit, die Wünsche zu erfüllen – doch Claudia Bach hatte mit ihrem Vermieter Glück. Aber: Als sie vor drei Jahren ihre absolute Traumwohnung mit Terrasse und Grünfläche in Kassel bezieht, fängt der Kampf gegen Vorurteile und neue Nachbarn erst an. An Claudia Bach und ihrer Mitbewohnerin gibt es schnell viel auszusetzen: die umzäunte grüne Fläche, die zwei Vierbeiner, die kleine Holzrampe zur Terrassentür, dass Leute ein und aus gehen würden und an dem Vermieter, der zu ihr hält und nun genau deshalb von den Nachbarn verklagt werden soll.

„Nach drei Jahren reicht es mir. Das ist zu viel. Alles passiert hinten rum, denn zu klingeln traut sich keiner. Und natürlich gehen Leute ein und aus. Ich habe eine 24-Stunden-Behindertenassistenz, da kommen die Betreuer mehrmals am Tag“, erzählt die 51-Jährige. Der Gipfel: Die Nachbarn legten der 51-Jährigen nahe, in eine „Behindertensiedlung“ zu ziehen. „Dass ich heute noch solcher Behindertenfeindlichkeit begegne ist unfassbar, gerade bei dem Thema Contergan“, sagt Claudia Bach. Als ihr Vermieter zu schlichten versucht und an die Menschlichkeit der Nachbarn appelliert, fassen es diese als Beleidigung auf, so die 51-Jährige weiter. „Als ich im Sommer die Rampe draußen hatte, standen gleich zwei oder drei Leute im Garten“, sagt sie. Vor allem an dem Zaun stören sich Claudia Bachs Nachbarn. Das Problem sei, dass der Vermieter den Zaun erlaubt, aber nicht an die so genannte Teilungserklärung gedacht habe. Diese besagt, dass keine Grenzen auf der Grünfläche gezogen werden dürfen. Anders kämen die Hunde aber nicht raus. Anleinen kann sie die Chihuahuas nicht, denn ihr fehlen Arme und Beine. „Unser Vermieter stellte einen Antrag auf eine Sondergenehmigung, aber weil sich viele Nachbarn enthalten haben, wurde der Antrag schließlich abgelehnt“, erklärt Claudia Bach. Was die 51-Jährige am meisten stört ist, dass kein Versuch unternommen wurde, sie und ihre Mitbewohnerin kennenzulernen. „Man nennt uns nur ‘Weiber’ und kommt nicht auf uns zu. Es findet einfach keine Kommunikation statt. Mittlerweile stört die Nachbarn alles. Das geht gegen mich persönlich“, sagt Claudia Bach. Wenn der Zaun bis Ende Februar nicht weg sei, wollen die Nachbarn klagen. Die Tiertherapeutin will keinen Streit und hofft: „Wir wollen uns gütig einigen und keinen Stress. Da man uns nicht zuhört, ist der Weg über die Öffentlichkeit unsere letzte Chance“, betont sie.

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Beitrag Verfasst: Samstag 23. Februar 2013, 12:29 
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Contergan-Geschädigte sollen erheblich höhere Renten erhalten

23.02.2013 00:11

Berlin (dpa) - Nach einer Hilfszusage des Bundes sollen in
Deutschland lebende Contergan-Geschädigte laut Zeitungsbericht
erheblich höhere Renten erhalten. Ein Gesetzentwurf des
Familienministeriums, aus dem die «Rhein-Zeitung» (Samstag) zitiert,
sieht vor, dass die monatliche Höchstrente für 2700 Berechtigte von
derzeit maximal 1152 Euro auf bis 6912 Euro ansteigt. Die Erhöhung
gelte rückwirkend zum 1. Januar.


Die Maßnahme schlage im Bundeshaushalt mit 90 Millionen Euro
jährlich zu Buche. Weitere 30 Millionen Euro sollen jährlich für
Sonderzahlungen, etwa für Zahnersatz, bereitgestellt werden. Im
Familienministerium rechne man damit, dass das Gesetz noch
Mitte März vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden könne.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hatte Ende Januar in Berlin
angekündigt, Union und FDP seien sich einig, dass die
Contergan-Geschädigten erheblich mehr Mittel für Rente und
medizinische Versorgung bräuchten. In Aussicht gestellt wurde eine
Summe von 120 Millionen Euro.

Die Contergan-Opfer fordern seit langem eine Verbesserung ihrer
medizinischen Versorgung und finanziellen Lage. Nach einer Studie der
Universität Heidelberg sind die Geschädigten in vielen Bereichen
unterversorgt. Etwa jedes dritte Opfer könne nicht mehr arbeiten. Mit
zunehmenden Beschwerden bräuchten die Betroffenen zugleich immer
teurere Hilfsmittel und Umbauten in den Wohnungen.

Das Schlafmittel Contergan löste den größten Medikamenten-Skandal
der deutschen Nachkriegsgeschichte aus. 1957 hatte die Firma
Grünenthal bei Aachen das Mittel mit den schweren Nebenwirkungen auf
den Markt gebracht. Weltweit kamen etwa 10 000 Kinder mit
Missbildungen vor allem an Armen und Beinen zur Welt.


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GESUNDHEIT

Contergan-Geschädigte sollen erheblich höhere Renten erhalten


Berlin (dpa) - Nach einer Hilfszusage des Bundes sollen in Deutschland lebende Contergan-Geschädigte laut Zeitungsbericht erheblich höhere Renten erhalten. Die monatliche Höchstrente für 2700 Berechtigte soll von derzeit maximal 1152 Euro auf bis 6912 Euro ansteigen. Das zitiert die «Rhein-Zeitung» aus einem Gesetzentwurf des Familienministeriums. Die Erhöhung gelte rückwirkend zum 1. Januar. Im Familienministerium rechne man damit, dass das Gesetz noch Mitte März vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden könne.

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Contergan: Die Rente steigt auf bis zu 6912 Euro


Von: Rena Lehmann
Letzte Aktualisierung: 23. Februar 2013, 08:51 Uhr


BERLIN/AACHEN. Die Renten der 2700 in Deutschland lebenden Contergan-Geschädigten könnten sich schon bald erheblich verbessern. Nach einem Gesetzentwurf des Familienministeriums, der unserer Zeitung vorliegt, soll die monatliche Höchstrente von derzeit maximal 1152 Euro rückwirkend zum 1. Januar 2013 auf bis 6912 Euro ansteigen.

Die Maßnahme schlägt im Bundeshaushalt mit 90 Millionen Euro jährlich zu Buche. Weitere 30 Millionen Euro sollen jährlich für Sonderzahlungen, etwa für Zahnersatz, bereitgestellt werden.

Eine Studie der Uni Heidelberg hatte nachgewiesen, dass die Conterganopfer erheblich unter den Spätfolgen ihrer Missbildungen leiden. Viele Betroffene seien zunehmend in ihrem Alltag auf professionelle Hilfe angewiesen. Sie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass viele nicht mehr arbeiten können und finanziell unterversorgt sind. Die Renten sollen künftig auch stärker gestaffelt werden als bislang. Nach den bisherigen Berechnungen wurden vor allem Schwerstgeschädigte, denen etwa Arme und Beine fehlen, bei den Rentenpunkten stark benachteiligt.

Die Aachener Firma Grünenthal hatte das Schlafmittel Contergan 1957 auf den Markt gebracht. In der Folge wurden weltweit 10 000 Kinder mit schweren Missbildungen geboren. Im Familienministerium rechnet man damit, dass das Gesetz noch Mitte März vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden könnte. Der Bundesverband der Contergan-Geschädigten hatte bei einer Anhörung im Familienausschuss des Bundestages auf rasche Hilfen gedrängt.
Für die Contergangeschädigten war 1971 eine vom Bund geführte Contergan-Stiftung aufgelegt worden. Sie startete mit 200 Millionen D-Mark, die je zur Hälfte vom Hersteller Grünenthal und dem Bund aufgebracht wurden. 1997 war der Kapitalstock, aus dem die monatlichen Renten an die Geschädigten gezahlt wurden, aufgebraucht. Seitdem wird die Rente aus Steuern gezahlt. 2009 wurde das Stiftungskapital aufgestockt: Erneut brachten die Bundesregierung und das Aachener Unternehmen jeweils 50 Millionen Euro ein. 2011 legte Grünenthal einen eigenen Fonds für Härtefälle auf. Zudem kündigte Vorstandschef Harald Stock im September 2012 die Gründung einer Stiftung an, die sich aus Zahlungen des Pharmaherstellers und der Eigentümerfamilie Wirtz speisen soll.

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Contergan-Geschädigte sollen erheblich höhere Renten erhalten

Berlin (dpa) - Nach einer Hilfszusage des Bundes sollen in Deutschland lebende Contergan-Geschädigte laut Zeitungsbericht erheblich höhere Renten erhalten

Berlin (dpa) - Nach einer Hilfszusage des Bundes sollen in Deutschland lebende Contergan-Geschädigte laut Zeitungsbericht erheblich höhere Renten erhalten. Die monatliche Höchstrente für 2700 Berechtigte soll von derzeit maximal 1152 Euro auf bis 6912 Euro ansteigen. Das zitiert die «Rhein-Zeitung» aus einem Gesetzentwurf des Familienministeriums. Die Erhöhung gelte rückwirkend zum 1. Januar. Im Familienministerium rechne man damit, dass das Gesetz noch Mitte März vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden könne.

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auch in den Radionachrichten war es um 11 Uhr, bei WDR5
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